Digitalisierung – wo stehen Schweizer KMU?

Eine Ko-Publikation von PwC Schweiz AG, Google Switzerland GmbH und digitalswitzerland

 

Auf den Punkt gebracht

Der Digitalisierungsgrad von Schweizer KMU variiert. Die vorliegende Studie zeigt, dass dieser positiv mit der Grösse der Unternehmen und negativ mit dem Alter der Geschäftsleitung korreliert. Die Unternehmen, die am stärksten digitalisiert sind, kommen oft aus der Telekommunikations- und der Medienbranche sowie aus dem öffentlichen Sektor, wobei zu Letzteren auch Stiftungen gezählt werden. Die Energie- und die Versorgungsbranche sowie der Gesundheitsbereich haben hingegen den grössten Rückstand.

Interne Prozesse und die Weiterbildung des Personals in Digitalisierungsthemen geniessen bei den Studienunternehmen eine hohe Priorität. Dagegen steht die Kundeninvolvierung und -erfahrung weniger im Mittelpunkt der Digitalisierung. Dies rührt daher, dass die Neugestaltung des Geschäftsmodells für das Unternehmen einen grösseren Einschnitt bedeutet als diejenige der bestehenden Prozesse. Hier zeigen die Umfrageresultate, dass neue Geschäftsmodelle bei den Entscheidungsträgern heute noch zu wenig als Chancen betrachtet werden und im Bereich des Kundenkontaktes immer noch auf Altbewährtes gesetzt wird.

Unternehmen, die sich für eine Transformation des Geschäftsmodells entschieden haben, sehen sich heute konkurrenzfähiger. Die in die Digitalisierung investierte Summe und die Steigerung der Konkurrenzfähigkeit korrelieren. Dabei sind die meisten KMU mit höherem Digitalisierungsgrad der Meinung, dass sich das finanzielle Engagement gelohnt hat.

Im Weiteren prognostizieren 76% der Studienunternehmen, dass sich der Markt durch die Digitalisierung in den nächsten fünf Jahren grundlegend verändern werde. Entsprechend werden die Investitionen in die Digitalisierung in Zukunft steigen, und der Erfolg von KMU wird stark davon abhängen, ob digitale Chancen, insbesondere im Kontakt mit dem Kunden, genutzt werden.

Die meisten KMU fördern aktiv eine digitale Unternehmenskultur. Dazu nutzen sie auch Weiterbildungsmassnahmen und Schulungen und setzen auf die Rekrutierung von Experten. Zusätzlich ist hier ein aktives Coaching gefragt, um Ängste und Misstrauen abzubauen. Dementsprechend muss der Ausbildung ein sehr hoher Stellenwert beigemessen werden.

Aufgrund der Erkenntnisse aus unserer Studie empfehlen wir den Schweizer KMU, hinsichtlich der Digitalisierung mutiger zu agieren und den eigenen Markt genau zu beobachten. Die Digitalisierung kann die gesamte Kundeninteraktion, jeden Prozess und jedes Geschäftsmodell betreffen. Die Verantwortlichen müssen sie daher im Gesamtkontext ihres Unternehmens betrachten. Das heisst, Digitalisierung ist Chefsache. Kleine, einfache digitale Schritte können schon deutliche Effizienzgewinne bewirken. Ebenso wichtig sind die Erfahrungen von Branchen, die bereits digitalisiert wurden, und der aktive Umgang mit innovativen Start-ups. Die Digitalisierung gehört demnach ganz oben auf die Agenda der Führungsetage und ist kein isoliertes IT-Thema. Schliesslich sollten die Unternehmen ihr Geschäftsmodell infrage stellen und wenn möglich und sinnvoll mit digitalen Angeboten erweitern oder unterstützen. Am Ende stehen immer die Kundenerfahrung und der Kundennutzen im Mittelpunkt. Dies in der richtigen Kombination mit der Umsetzung in die internen Prozesse und der digitalen Kultur ist der Schlüssel für den zukünftigen Erfolg.

 

 

Schweizer KMU auf dem Radar

Diese Publikation ist ein Gemeinschaftswerk von PwC Schweiz, Google Switzerland GmbH und digitalswitzerland. In dieser Studie ermitteln wir den Digitalisierungsgrad von Schweizer KMU und untersuchen die Haupttreiber für digitale Veränderungen. Aufgrund der Erkenntnisse geben wir unseren Lesern Empfehlungen dazu ab, wie sie die Digitalisierung in ihrem Unternehmen erfolgreich vorantreiben können.

Im August 2016 haben 300 Schweizer KMU aus unterschiedlichen Branchen und mit diversen Geschäftsmodellen an unserer Onlinebefragung teilgenommen. In einem ersten Teil bewerteten sie ihre Digitalisierung in den Bereichen «Prozesse und Infrastruktur», «Digitaler Verkauf», «Kundeninvolvierung» sowie «Mitarbeiter und Kultur» auf einer vierteiligen Antwortskala. Aus diesen Einschätzungen haben wir den Digitalisierungsgrad pro Unternehmen ermittelt. In einem zweiten Teil beantworteten die Studienunternehmen unternehmensspezifische Fragen als Grundlage für weitere Analysen.
Zusätzlich zur Onlinebefragung fanden im gleichen Zeitraum Gespräche mit Verantwortungsträgern von Unternehmen statt, die sich bei der Digitalisierung in den vergangenen Jahren besonders hervorgetan haben. Diese Praxisbeispiele berichten von historischen Entwicklungen, Beweggründen, Herausforderungen und Erfolgen während des Digitalisierungsprozesses in den vielfältigen Bereichen des Unternehmens. Damit gewährt unsere Studie ebenfalls einen Einblick in die praktische Umsetzung, sprich Chancen, Risiken und Vorgehensweisen auf dem Weg in die digitale Welt.

Dazu ein kleiner Vorgeschmack: Die InoTex AG wickelt dank digitaler Unterstützung Waschaufträge von Grosskunden immer effizienter ab. Die MCH Group AG setzt bei der Veranstaltung von Messen vermehrt auf digitale Anwendungen und verfeinert so ihre Geschäftsidee. Und die iNovitas AG schliesslich stützt sich für ein hundertprozentig digitales Produkt auf eine zweihundertprozentige digitale Kultur.

An dieser Stelle sei vermerkt, dass die Resultate der vorliegenden Studie auf der Selbsteinschätzung der Studienunternehmen basieren. Die quantitativ ausgewerteten Antworten enthalten also eine gewisse subjektive und damit nicht quantifizierbare Komponente.

 

Empfehlungen – Jetzt sind Sie dran

Mit den folgenden Empfehlungen möchten wir Ihnen den Umgang mit Digitalisierungsthemen erleichtern und zum Gelingen Ihrer digitalen Initiativen beitragen.

 

Die Digitalisierung ist kein reines IT-Thema, denn sie betrifft alle internen Prozesse und Ihr gesamtes Geschäftsmodell. Aus Erfahrung mit diversen Erfolgsgeschichten wissen wir, dass die Digitalisierung ein Unternehmen grundlegend verändert. Aus diesem Grund sollte die Thematik auf der Agenda der obersten Führungsstufe und des Verwaltungsrats stehen. Nur diese vereinen Entscheidungsgewalt und Gesamtübersicht in einer Person oder einem Gremium.

Digitalisierung ist nicht immer gleichbedeutend mit der Einführung einer epochalen, einzigartigen und doch unergründlichen Technologie. Auch kleine Schritte können einen grossen Nutzen bringen. Fragen Sie sich zum Beispiel, ob eine neue Projektmanagementplattform Ihre Kommunikation erleichtert oder ob Sie das Faxgerät noch brauchen.

Der Kunde ist und bleibt König. Darum sollten Sie darauf achten, was Ihre Schlüsselkunden erwarten. Wie das Beispiel der InoTex AG eindrücklich erläutert, variieren hier die Bedürfnisse. Ihre Herausforderung besteht darin, die Digitalisierung so weit zu forcieren, dass Ihr Kunde einen Mehrwert daraus erkennt. Auch wenn technisch viel möglich wäre, sollten Sie nicht alles umsetzen; denn der Kunde will nicht alles, was möglich ist.

Oft braucht es eine mutige Entscheidung, damit ein grosser Schritt gelingt. Im schnelllebigen digitalen Umfeld können Sie sich keinen Stillstand leisten. Zwar lässt sich die Digitalisierung oft nur schwer nachvollziehen, da sie hochkomplex ist. Dennoch sollten Sie die Courage haben, Ineffizienzen oder neue Kundenbedürfnisse beherzt anzugehen. Denn es ist zu erwarten, dass die Digitalisierung die Zukunft für fast alle Branchen entscheidend beeinflussen wird.

Jene Unternehmen, die in die Digitalisierung investiert haben, sind überzeugt davon, dass sie dadurch wettbewerbsfähiger geworden sind. Deshalb dürfen Sie keine wegweisenden digitalen Marktentwicklungen verpassen. Dafür sollten Sie die Digitalisierung stetig thematisieren und bei Bedarf rechtzeitig passende Ressourcen freimachen; zum Beispiel, indem Sie sich in Start-ups engagieren, kleine Digitalisierungsteams ausserhalb des Kerngeschäfts etablieren, die «Besten» für die Digitalisierung nominieren oder den Erfolg Ihres Unternehmens auch am Digitalisierungsgrad messen. Nach dem Ansatz «launch fast, fail fast, learn fast» (lanciere schnell, scheitere schnell, lerne schnell) könnten Sie vermehrt mit Prototypen oder dem Testen von Ideen in nicht angestammten Segmenten arbeiten.

Der Markt treibt die Digitalisierung mit Nachdruck an. Darum sollten Sie Ihren Markt ständig im Auge behalten. So sind Sie für den Fall einer neuen Digitalisierungswelle vorbereitet. Denn oft folgt eine solche keiner linearen, sondern einer exponentiellen Entwicklung – die Sie nicht an Ihrem Unternehmen vorbeiziehen lassen sollten. Sie tun also gut daran, von anderen Industrien zu lernen und auf bewährte Praxiserfahrung zu setzen.

Menschen sind im Digitalisierungsprozess Ihre wichtigste Variable, schliesslich werden diese mit den neuen Systemen arbeiten müssen. Deshalb sollten Sie Ihre Belegschaft über den Planungsprozess auf dem Laufenden halten und punktuell deren Meinung einholen. Durch eine regelmässige Kommunikation und das Einbinden des gesamten Personals können Sie internem Widerstand entgegenwirken und Ängste abbauen. Zudem müssen Sie Ihre Mitarbeiter im Rahmen der Implementierung gezielt schulen. Denn für den digitalen Erfolg braucht es ein Verständnis für die Technik, einen Sinn für neue Zusammenarbeitsformen und ein angemessenes Coaching.

Der Digitalisierungsprozess erfordert ein hinreichendes Wissen. Wenn Sie also Ihre Digitalisierung vorantreiben möchten, müssen Sie die richtigen Experten dafür ins Boot holen. Aus dem letzten Kapitel unserer Studie geht hervor, dass Unternehmen, die auf Experten setzen, ausgeprägter digitalisiert sind.

Schweizer KMU nehmen selten eine bahnbrechende Transformation ihres Geschäftsmodells vor. Allerdings bieten gerade digitale Plattformen im Kundenkontakt attraktive Möglichkeiten für neue Märkte und neue Erfolge. So sollten Sie die Digitalisierung als Chance sehen, die Beziehung mit Ihren Kunden zu erweitern und zu vertiefen – und nicht als Konkurrenz zu Ihrem bisherigen Geschäftsansatz. Es braucht eine Geschäftsstrategie für das digitale Zeitalter und keine digitale Strategie.

Die Schweizer Unternehmen sind bekannt für ihr starkes Innovationsmanagement. Bei der Suche nach effizienteren Lösungen und der ständigen Verbesserung spielt die Digitalisierung eine immer entscheidendere Rolle. Ihr Unternehmen darf in diesem Rennen nicht den Anschluss verlieren, sondern sollte die Rolle des Spitzenläufers übernehmen.

Die Digitalisierung ist ein kontinuierlicher Prozess. Sie sollten den Wandel daher stärker in Ihrer Unternehmenskultur verankern und als Denk- und Handlungsmodell etablieren. So bleibt Ihr Unternehmen offen und flexibel gegenüber unabwendbaren Veränderungen und kann die nötigen Anpassungen vornehmen.

 

 

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