Neue Besteuerungslösung für den Arbeitsweg von Geschäftsautoinhabern

Melanie Imper Senior Associate Treuhand/Corporate Support Services Switzerland, PwC Switzerland 13 Apr 2021

Seit der Umsetzung von FABI im Jahr 2016 mussten Arbeitgebende ihren Mitarbeitenden im Lohnausweis einen prozentualen Aussendienstanteil bescheinigen. Nur so liessen sich die Fahrkosten für den Arbeitsweg korrekt versteuern. Am 29. Mai 2018 überwies das Parlament die Motion «Fabi. Übermässige administrative Belastung bei Geschäftsfahrzeuginhabern» an den Bundesrat.

Ab 1. Januar 2022 setzt das Eidgenössische Finanzdepartement die Änderung der Berufskostenverordnung in Kraft, durch die neu auch die Fahrkosten zum Arbeitsort mit der Pauschale für private Nutzung eines Geschäftsfahrzeuges besteuert werden sollen.

Die Berufskostenverordnung regelt den Abzug der Fahrkosten für den Arbeitsweg von Arbeitnehmenden, der auf maximal 3000 Franken beschränkt ist. Gemäss dem Anhang dieser Verordnung gilt derzeit ein Pauschalabzug von 70 Rappen pro gefahrenen Kilometer. Die Kantone haben die unterschiedlichsten Lösungsansätze, indem sie einerseits ebenfalls eine Aufrechnung vornehmen und dafür unbeschränkte Beträge oder Obergrenzen nach kantonalem Recht zulassen. Damit die Arbeitswegkosten von Arbeitnehmenden mit einem Geschäftsfahrzeug ermittelt werden können, sind Arbeitgebende verpflichtet, den Anteil Aussendienst auf dem Lohnausweis aufzuführen. Neu kann die private Nutzung eines Geschäftsfahrzeugs inklusive der Kosten für den Arbeitsweg mit 0.9 Prozent des Fahrzeugkaufpreises pro Monat versteuert werden¹). Vor und bis zum 1.1.2022 beträgt die Pauschale 0.8 Prozent. Die Änderung verringert zukünftig die administrativen Aufwände für Arbeitgebende und Arbeitnehmende, erhöht jedoch die Sozialversicherungsbeiträge, die Quellensteuern und die MWST.

Was Sie ab dem 1. Januar 2022 beachten sollten

Die neue Regelung erlaubt dem Arbeitgebenden, den Anteil Aussendienst auf dem Lohnausweis (gesamtschweizerisches Dokument) unter den Bemerkungen nicht mehr zu deklarieren, da die Aufrechnung für Arbeitsweg und Fahrkostenabzug in der neuen Pauschale berücksichtigt ist.

Da gemäss Erläuterungen zur Berufskostenverordnung 20 Kantone gegen die neue Lösung waren, ist noch offen, ob die Kantone diese Lösung ebenfalls übernehmen. Falls nicht, wäre es möglich, dass die Arbeitgebenden für gewisse Kantone die Aussendiensttage mit einer separaten Bescheinigung trotzdem aufführen müssen.

Natürlich können Steuerpflichtige weiterhin die effektive private Nutzung mit einem Bordbuch abrechnen. Das wurde in der Praxis weniger genutzt.

Bei sogenannten Servicewagen wird kein Privatanteil über die Lohnbuchhaltung aufgerechnet, weil sie nicht privat genutzt werden können (feste Installationen usw.). In diesen Fällen nimmt der Arbeitgebende für den Arbeitsweg trotzdem ein Kreuz im Feld F auf dem Lohnausweis vor (unentgeltliche Beförderung zw. Wohn- und Arbeitsort). Diese Handhabung ist gemäss unseren Abklärungen nicht von den Änderungen betroffen.

Alles in allem wollte man eine Erleichterung für alle Beteiligten erreichen. Ob diese tatsächlich eintrifft, wird sich zeigen. Eine überarbeitete Version der Wegleitung zum Ausfüllen des Lohnausweises ist derzeit noch nicht verfügbar.

¹) Es ist derzeit davon auszugehen, dass diese Erhöhung auch in der MWST übernommen wird.

Diese Verordnungsanpassung soll den administrativen Aufwand für Arbeitgebende reduzieren.

Auswirkungen der Erhöhung

Der neue Prozentsatz von 0.9 Prozent bedeutet beim gleichen Sachverhalt Folgendes: 60'000 Franken (Kaufpreis des Geschäftsautos ohne MwSt) x 0.9 Prozent = 540 Franken pro Monat. Das entspricht einem jährlichen Beitrag von 6480 Franken.

Das steuerbare und sozialversicherungspflichtige Einkommen erhöht sich in diesem Beispiel um mehr als 700 Franken. Für die betroffenen Mitarbeitenden und die Arbeitgebenden resultieren daraus höhere Abzüge. Je nach Länge des Arbeitswegs bedeutet das höhere Abgaben. Für lange Arbeitswege kann diese Variante vorteilhaft sein.

Das nachfolgende Beispiel veranschaulicht die höheren Abzüge für Arbeitnehmende und Arbeitgebende:

  • ­Der Mitarbeitende wohnt im Kanton Bern, ist quellensteuerpflichtig und füllt keine Steuererklärung aus.
  • Der Arbeitgebende hat seinen Sitz ebenfalls im Kanton Bern.
  • Der Arbeitsweg beträgt 8 Kilometer (pro Weg).
  • Der Kaufpreis des Geschäftswagens liegt bei 60'000 Franken.
  • Alle Abzüge mit Ausnahme von AHV/IV/EO und ALV sind fiktiv.
  • Bei der Pensionskasse gilt die Annahme, dass die Erhöhung auf 0.9 Prozent nicht berücksichtigt werden muss.
Situation bis und mit 2021

 

Anzahl/Basis

Ansatz

Ergebnis

Monatslohn

 

 

7000.00 CHF

Geschäftsauto Privatanteil

60'000.00 CHF

0.80%

480.00 CHF

Bruttolohn

 

 

7480.00 CHF

AHV-Abzug

7480.00 CHF

5.30%

396.45 CHF

ALV-Abzug

7480.00 CHF

1.10%

82.30 CHF

NBU-Abzug

7480.00 CHF

0.21%

15.70 CHF

KTG-Abzug

7480.00 CHF

0.37%

27.70 CHF

PK Abzug fix

 

 

500.00 CHF

QST-Abzug (Ann. A0Y Kanton BE)

7480.00 CHF

14.70%

1099.55 CHF

./. Abzug Aufrg.

 

 

480.00 CHF

Nettolohn

 

 

4878.30 CHF

AG-Beitrag AHV

7480.00 CHF

5.30%

396.45 CHF

AG-Beitrag ALV

7480.00 CHF

1.10%

82.30 CHF

AG-Beitrag BU

7480.00 CHF

0.12%

9.00 CHF

PK Abzug fix

 

 

600.00 CHF

AG-Beitrag FAK

7480.00 CHF

0.08%

6.00 CHF

AG-Beitrag Verwaltungskosten AHV

792.90 CHF

1.50%

11.90 CHF

AG-Beitrag Unfall Zusatzversicherung

7480.00 CHF

0.11%

8.25 CHF

Total AG-Kosten

1113.90 CHF

Total AN-Abzüge

2121.70 CHF

Situation ab 2022

 

Anzahl/Basis

Ansatz

Ergebnis

Monatslohn

 

 

7000.00 CHF

Geschäftsauto Privatanteil

60'000.00 CHF

0.90%

540.00 CHF

Bruttolohn

 

 

7540.00 CHF

AHV-Abzug

7540.00 CHF

5.30%

399.60 CHF

ALV-Abzug

7540.00 CHF

1.10%

82.95 CHF

NBU-Abzug

7540.00 CHF

0.21%

15.85 CHF

KTG-Abzug

7540.00 CHF

0.37%

27.90 CHF

PK Abzug fix

 

 

500.00 CHF

QST-Abzug (Ann. A0Y Kanton BE)

7540.00 CHF

14.70%

1112.15 CHF

./. Abzug Aufrg.

 

 

540.00 CHF

Nettolohn

 

 

4861.55 CHF

AG-Beitrag AHV

7540.00 CHF

5.30%

399.60 CHF

AG-Beitrag ALV

7540.00 CHF

1.10%

82.95 CHF

AG-Beitrag BU

7540.00 CHF

0.12%

9.05 CHF

PK Abzug fix

 

 

600.00 CHF

AG-Beitrag FAK

7540.00 CHF

0.08%

6.05 CHF

AG-Beitrag Verwaltungskosten AHV

799.20 CHF

1.50%

12.00 CHF

AG-Beitrag Unfall Zusatzversicherung

7540.00 CHF

0.11%

8.30 CHF

Total AG-Kosten

1117.95 CHF

Total AN-Abzüge

2138.45 CHF

Die Kostenerhöhung pro Monat für den Arbeitgebenden beläuft sich auf rund 4 Franken. Beim Arbeitnehmenden macht diese gut 16 Franken aus.

Die Differenz bei der Mehrwertsteuer bei gleichbleibendem Steuersatz sieht in diesem Beispiel wie folgt aus:

Privatanteil Abrg. MwSt bis 31.12.2021

5348.20 CHF

7.70%

411.80 CHF

Privatanteil Abrg. MwSt ab 01.01.2022

6016.70 CHF

7.70%2)

463.30 CHF

Differenz MwSt Privatanteil-Abrg. für ein Jahr

51.50 CHF

2)  Annahme: gleicher MwSt Satz

 

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Melanie Imper

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