«360 Grad-Kampagnen werden von Werbekunden immer stärker nachgefragt. Neben Digital und Bewegtbild wird dabei auch Print noch sehr lange eine wichtige Rolle spielen.»

Interview mit Alexander Theobald, COO Schweiz Ringier AG und Geschäftsführer Blick-Gruppe 

Der Shift der Werbeausgaben von Print in Richtung Online schreitet voran, und ein immer grösserer Anteil des Werbebudgets fliesst zu globalen Playern wie Google und Facebook. Diesem Trend wird aber nicht tatenlos zugeschaut. Alexander Theobald, COO Schweiz Ringier AG und Geschäftsführer Blick-Gruppe, über ein innovatives Buchungstool für den Print-Werbemarkt und das erste digitale Live-TV für die Schweiz.

 

Die Werbeausgaben für den Bereich Print sind kontinuierlich rückläufig. Welche Werbeträger sind aus Ihrer Sicht am stärksten von dieser Entwicklung betroffen?

Nationale Werbeträger in Print leiden am stärksten, während lokale und regionale Zeitungen tendenziell stabiler sind. Der Sonntagsmarkt ist aktuell – entgegen der Erwartungen – ähnlich stark rückläufig wie der Tageszeitungsmarkt. Insgesamt ist bei Zeitungen die Konkurrenz aus dem Online-Bereich stärker als bei Zeitschriften. Zudem sind Zeitschriften in der Nutzung stabiler und haben im Werbemarkt damit eine stärkere «Branding-Funktion».

Ringier, Ringier Axel Springer Schweiz und Admeira haben dieses Jahr die Buchungsplattform «Marketplace» für den Print-Werbemarkt lanciert. Dies zeigt, dass Massahmen gegen die rückläufigen Werbeerträge im Bereich Print unternommen werden. Inwiefern kann mit diesem Buchungsportal der Print-Werbemarkt angekurbelt werden?

Mit «Marketplace» wird der gesamte Buchungsprozess bei unserem Printportfolio für den Kunden erheblich erleichtert. Die Kunden können online sofort feststellen, welche Platzierung zu welchen Konditionen noch frei ist, und sie können direkt reservieren oder buchen. Der Endpreis wird automatisch durch den ganzen Prozess angezeigt und je nach Auswahl aktualisiert. Der Kunde kann spielerisch einfach die verschiedenen Einflussfaktoren testen, um die bestmögliche Wirkung für seine Anzeigenkampagne zu erzielen. Zudem ist das dynamische Pricing von Ringier Axel Springer und Ringier, bei dem Werbekunden den Preis für ihre Buchungen je nach Auswahl des Zeitpunkts und der Platzierung direkt beeinflussen und effizienter investieren können, in der Buchungsplattform integriert. «Marketplace» erhöht die viel geforderte Convenience im Print-Werbemarkt.

Marketplace ist die erste Buchungsplattform für Printwerbung in der Schweiz. Aktuell kann darüber auf das gesamte Printportfolio von Admeira zugegriffen werden. Besteht aus Ihrer Sicht Potenzial, diese Lösung weiter auszubauen?

Aus unserer Sicht wäre es das Beste, wenn die Buchungsplattform eine Branchenlösung wäre, um Print-Buchungen schweizweit attraktiver zu gestalten. Wir sind für mögliche Beteiligungen aus der Branche offen. Und selbstverständlich muss es unser Ziel sein, dass die Kunden über eine zentrale Buchungsplattform nicht nur Print, sondern auch Digital buchen können. Im Sinne eines One-Stop-Shops. Wir arbeiten mit Hochdruck daran.

Im Bereich Online arbeiten die grossen Schweizer Medienunternehmen Ringier, Tamedia, NZZ/CH Media und SRG in einer «Digital-Allianz» zusammen an einem gemeinsamen Login für die Nutzer ihrer journalistischen Internet-Portale. Mit der «Digital-Allianz» wollen die Medienhäuser den Kampf gegen Google, Facebook & Co. aufnehmen. Wie gelingt es grundsätzlich, die Werbekunden trotz wachsender internationaler Konkurrenz weiterhin für Ihr Werbeinventar zu gewinnen?

Es gibt ganz zentrale Punkte, die unserem Werbeumfeld eine hohe Attraktivität verleihen. Unseren Kunden ist es wichtig, dass sie ihre Botschaften in einem Premium-Umfeld mit hoher Relevanz platzieren können. Bei den grossen internationalen Tech-Plattformen ist die «Brand-Safety» nicht immer gesichert. Zudem entwickeln wir bei der Blick-Gruppe und den Publikationen von Ringier Axel Springer Schweiz immer mehr individuelle Kommunikationslösungen für unsere Kunden. Wir bieten Native Advertising und den Einsatz unseres Brand Studios für Sponsored Content an. Oder wir entwickeln 360 Grad-Cases, die für unsere Kunden eine immer grössere Rolle spielen.

Wie sieht ein solcher «360 Grad-Case» aus?

Wir bieten Kampagnen, die über die verschiedensten Kanäle unseres Portfolios ausgespielt werden können. Print spielt dabei nach wie vor eine wichtige Rolle, Digital sowieso. Anfang 2020 kommt mit «Blick TV» als erstes digitales Live-TV der Schweiz ein dritter grosser Kanal dazu.

Welches Potenzial besteht im Werbemarkt für digitales Live-TV?

Wir sehen grosses Potenzial und der Werbemarkt reagiert auf Blick TV äusserst positiv. Web-TV ist international ein grosser Trend, die Wachstumsraten sind zweistellig. Ringier erfindet es nun für die Schweiz und folgt damit zwei grossen weltweiten Trends sowohl im Werbe- als auch im Nutzerumfeld. Zum einen konsumieren die Leute immer mehr Videos, und zum anderen wächst Video als digitale Werbeform stark. Mit Blick TV können wir beide Trends auffangen. In Europa und insbesondere in Skandinavien gibt es bereits ähnliche erprobte Angebote. Wir kreieren damit nichts fundamental Neues, bringen aber etwas ganz Neues in die Schweizer Medien- und Werbelandschaft.

Was unterscheidet Blick TV primär von einem klassischen TV-Format?

Mit Blick TV wollen wir künftig das digitale Live-TV der Deutschschweiz machen. Das Format ist für die Nutzung auf mobilen Devices konzipiert und inhaltlich getrieben, nicht wie beim klassischen TV durch ein weitgehend starres Programmraster. Während das klassische TV sozusagen ein «Monolog-Format» ist, setzt Blick TV auf Interaktion mit dem Zuschauer. Der Fokus von Blick TV liegt auf Live-Reportagen, auf Breaking News und der nationalen Berichterstattung. Um aber auch die internationale Kompetenz zu stärken, ist Blick eine Premium-Partnerschaft mit dem global führenden Nachrichtensender CNN eingegangen. Im Pressehaus in Zürich werden in diesem Moment zwei moderne TV-Studios gebaut.

06.09.2019

 

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