Stiftungen – Ein gutes Geschäft für die Gesellschaft

Eine von SwissFoundations initiierte und mit PwC Schweiz erarbeitete Studie über volkswirtschaftliche Kosten und Nutzen gemeinnütziger Förderstiftungen in der Schweiz

Gemeinnützige Stiftungen schaffen einen erheblichen gesellschaftlichen Mehrwert

Sie fördern Themen und Anliegen, derer sich der Staat (noch) nicht oder nur zum Teil annehmen kann. Sie sind flexibel, verstehen sich als Brückenbauer und soziale Innovatoren. Sie können erhöhte Risiken tragen und neue Ideen anschieben, die mithelfen, eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Darüber hinaus sind Stiftungen Ausdruck des freiwilligen Engagements der Bürger für das Gemeinwohl. Sie sind ein pluralistisches Element in einer Gesellschaft, in der bei anstehenden Themen nicht primär auf das Eingreifen des Staates gewartet wird.

Im Gegenzug raumt der Staat gemeinnutzigen Stiftungen und deren Stiftern steuerliche Privilegien ein. Diese kommen sowohl bei der Grundung einer gemeinnützigen Stiftung als auch wahrend ihrer Lebensdauer zum Tragen.

In diese Lücke springt die vorliegende Studie «Stiftungen – ein gutes Geschäft für die Gesellschaft», die von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, zusammen mit PwC Schweiz erarbeitet wurde. Anhand zweier Modellfälle, Herr Sigrist und Frau Dubois, wird berechnet, wie viel Steuern der Gesellschaft durch die Gründung einer Stiftung entgehen. Dieser Verlust wird dem Gewinn gegenübergestellt, den die Gesellschaft in Form von Ausschüttungen der Forderstiftungen zurückerhält.

Herr Sigrist aus Zürich

Herr Sigrist, 52-jahrig, verheiratet, zwei Kinder, protestantisch, erfolgreicher Unternehmer, wohnhaft in der Stadt Zurich. Er versteuert ein Reineinkommen von rund CHF 2 Mio. Franken und ein Vermögen von rund CHF 100 Mio. Franken. Nebst seiner unternehmerischen Tatigkeit im IT-Bereich möchte Herr Sigrist eine kapitalerhaltende Stiftung mit einem Stiftungsbetrag von CHF 20 Mio. in Zürich gründen. Er entscheidet sich fur eine gemeinnützige Forderstiftung, die sich den Themen Bildung und Forschung widmen soll. Er strebt eine Rendite von 3% an, die jahrlich zu 100% ausgeschüttet wird. 

Wie viel die kapitalerhaltende Stiftung von Herrn Sigrist die Gesellschaft kostet:

  • Herr Sigrist spart bei der Stiftungsgründung rund CHF 158'000 Einkommenssteuer.
  • Würde Herr Sigrist sein Vermögen, statt in eine Stiftung einzubringen, privat am Kapitalmarkt anlegen, würden der Gesellschaft über einen Zeitraum von 25 Jahren steuerpflichtige Kapitalgewinne, Vermögens- und Einkommenssteuern in der Grössenordnung von CHF 8 Mio. zufliessen.

Wie viel die kapitalerhaltende Stiftung von Herrn Sigrist der Gesellschaft bringt:

  • Das von Herrn Sigrist mit CHF 20 Mio. geäufnete Stiftungsvermögen erwirtschaftet bei einer angenommenen durchschnittlichen Nettorendite von 3% jährliche Ausschüttungen von CHF 600'000.
  • Über einen Zeithorizont von 25 Jahren fliessen der Gesellschaft somit CHF 14.8 Mio für Bildungs- und Forschungsprojekte zu. 

 

Insgesamt fliessen so der Gesellschaft durch die gemeinnützige Stiftung über einen Zeitraum von 25 Jahren rund CHF 6.8 Mio. mehr an Mitteln zu. In anderen Worten: Der Break-even wird – basierend auf absoluten Zahlen – nach 214 Tagen erreicht. Ab diesem Tag übersteigen die Ausschüttungen der Förderstiftung die Steuereinbussen dauerhaft.


Der Gesellschaft fliessen also durch die auf Verbrauch angelegte Förderstiftung CHF 69.5 Mio. zu, während ihr Steuereinnahmen von CHF 32.6 Mio. entgehen, was einem Mehrwert von 36.9 Mio. entspricht. Der Break-even wird – unter Anwendung der absoluten Zahlen – bereits nach 149 Tagen erreicht.

Frau Dubois aus Lausanne

Frau Dubois, 63-jahrig, verwitwet und kinderlos, katholisch, pensioniert, wohnhaft in der Stadt Lausanne. Frau Dubois hat ihr erfolgreiches Unternehmen für einen Betrag von CHF 75 Mio. verkauft und generiert aus dem Erlös jährliche Einkünfte von CHF 2.25 Mio. für ihren privaten Lebensunterhalt. Die naturverbundene Waadtlanderin möchte eine gemeinnutzige Verbrauchsstiftung gründen, bei der zusätzlich zur angestrebten Rendite von 3% auch das Stiftungsvermögen von CHF 50 Mio. verteilt uber 25 Jahre gemeinnützigen Zwecken zu Gute kommen soll. Die Förderstiftung mit Standort Lausanne soll im Bereich des Umweltschutzes tatig sein. Es ist eine Gewinnausschüttung von 100% vorgesehen.

Wie viel die Verbrauchsstiftung von Frau Dubois die Gesellschaft kostet: 

  • Frau Dubois spart bei Stiftungsgründung rund CHF 187'000 Einkommenssteuer.
  • Würde Frau Dubois ihr Vermögen, statt in eine Stiftung, in eine private Investmentgesellschaft einbringen, welche ihr Kapital am Kapitalmarkt investiert, würden der Gesellschaft über einen Zeitraum von 25 Jahren verschiedenste Steuern, wie Emissionsabgabe, Gewinnsteuern, Kapitalsteuern, Einkommens- und Vermögenssteuern in der Grössenordnung von CHF 32.6 Mio. zufliessen.

Wie viel die Verbrauchsstiftung von Frau Dubois der Gesellschaft bringt:

  • Die von Frau Dubois mit CHF 50 Mio. dotierte Stiftung ist als Verbrauchsstiftung aufgesetzt und sieht eine jährliche Substanzausschüttung von CHF 2 Mio. vor.
  • Das verbleibende Kapital wird angelegt und generiert über die Lebensdauer der Stiftung bei einer durchschnittlich angenommenen Nettorendite von 3% weitere CHF 19.5 Mio.
  • Damit fliessen der Gesellschaft aus Rendite und Vermögensverzehr CHF 69.5 Mio. zu.

10 Fakten über gemeinnützige Stiftungen in der Schweiz

  • In der Schweiz gibt es über 13’000 gemeinnützige Stiftungen mit einem Vermögen von insgesamt fast CHF 100 Milliarden. Die Hälfte aller gemeinnützigen Schweizer Stiftungen ist in den letzten 20 Jahren entstanden. Allein 2018 sind 301 neue Stiftungen hinzugekommen. [1]
  • Mit einer Stiftungsdichte von 15.5 Stiftungen auf 10’000 Einwohner gibt es in der Schweiz pro Kopf sechsmal mehr gemeinnützige Stiftungen als in den USA oder in Deutschland.
  • Eine Stiftung ist rechtlich als Vermogen definiert, das einem bestimmten Zweck gewidmet ist und treuhanderisch von einem Stiftungsrat verwaltet wird. Eine Stiftung gehort sich sozusagen selbst. Sie hat keine Eigentumer oder Mitglieder und kann nur von den Aufsichtsbehorden aufgelöst werden.
  • Als einzige gemeinnützige Organisationsform werden steuerbefreite Stiftungen von zwei staatli­chen Behörden kontrolliert – der Aufsichts- und der Steuerbehörde. Sie unterliegen zudem einer gesetzlich verankerten Revisionspflicht.
  • Eine Stiftung kann von jedermann gegründet werden. Auch juristische Personen und die öffentli­che Hand können als Stifter auftreten. Die meisten Aufsichtsbehörden verlangen ein Gründungs­kapital von mindestens CHF 50’000.
  • Wer eine Stiftung errichtet, trennt sich für immer von seinem dafür eingesetzten Vermögen. Dieses darf nie mehr an die Stifter zurückfliessen. Eine gemeinnützige Stiftung ist deshalb auch kein Steuersparmodell.
  • Der Stifter profitiert bei der Errichtung einer steuerbefreiten Stiftung von denselben Steuerer­leichterungen wie Spender. Er kann in der Regel bis zu 20% seines steuerbaren Einkommens ab­ziehen.
  • Als Förderstiftung wird eine gemeinnützige Stiftung bezeichnet, die zur Finanzierung ihrer Tätig­keit nicht auf Spenden oder Zustiftungen angewiesen ist. Als Verbrauchsstiftung werden Stiftungen bezeichnet, die ihre Fördertätigkeiten nicht nur aus den Erträgen ihres Vermö­gens, sondern auch aus diesem selbst bestreiten.
  • Eine Stiftung kann zu ganz verschiedenen Zwecken errichtet werden, von der Führung eines Un­ternehmens bis hin zu einer kirchlichen oder gemeinnützigen Ausrichtung. Die Stifter sind frei in der Gestaltung des Stiftungszweckes. Allerdings kommen nur gemeinnützige Stiftungszwecke für eine Steuerbefreiung in Frage.
  • Stiftungen sind wie Spenden oder Freiwilligenarbeit Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements. Sie ergänzen das Handeln des Staates, können es aber – schon rein quantitativ – in kei­ner Weise ersetzen. Stiftungen unterstützen vielfältige Projekte, Initiativen und Organisationen und sind in ihrer Vielfalt ein Spiegel der Pluralität unserer Gesellschaft.

[1] Vgl. Schweizer Stiftungsreport 2019, www.stiftungsreport.ch

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