Optimismus trotz grosser Unsicherheit und Volatilität

PwC Deals-Studie: Wie Entscheidungsträger das aktuelle Marktumfeld und die Zukunftsaussichten einschätzen und ihre Strategien anpassen

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Claude Fuhrer
Partner, Deals Strategy & Operations Leader, PwC Schweiz
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Unternehmenssteuerung in volatilen Zeiten

Das aktuelle Unternehmensumfeld ist immer stärker von den so genannten VUCA-Faktoren (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität) geprägt – darüber sind sich die Experten einig. Die Auslöser dafür sind vielfältig: Von neuer Regulierung und sich wandelnden Konsumpräferenzen über Umweltrisiken und politische Spannungen bis hin zu technologischen Innovationen und der aktuellen Corona-Pandemie, die für heftige Marktturbulenzen sorgt und sich in Form von Nachfrage- und Angebotsschocks, Ad-hoc-Meldungen, Gewinnwarnungen oder Warnungen bei den Ergebnisprognosen bemerkbar macht. Doch wie gehen Unternehmenslenker mit diesen Unsicherheiten um? Wie gelingt es ihnen, ihr Unternehmen durch das unsichere Fahrwasser zu schiffen? Diesen Fragen geht die exklusive PwC Deals-Studie in Kooperation mit Kantar und der Technischen Universität Darmstadt in drei Teilen nach.

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„Die Entscheidungsträger scheinen zu hoffen, dass kommende Volatilitätsschläge jeden außer ihr Unternehmen treffen werden. Eine erfolgversprechendere Strategie wäre es, sich auf das Unvermeidliche vorzubereiten und das Unternehmensportfolio flexibler, anpassungsfähiger und krisensicherer zu machen.“

Claude Fuhrer,Partner, Deals Strategy & Operations Leader, PwC Schweiz

Die Studie im Überblick

„Optimism on uncertain grounds“ ist der erste Teil der dreiteiligen PwC Deals-Studie und analysiert die konkreten Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Marktwahrnehmung der Entscheidungsträger sowie ihren Strategieprozess. Der erste und aktuelle Teil unserer Studie untersucht, wie die Verantwortlichen das aktuelle Geschäftsumfeld und die Zukunftsaussichten wahrnehmen und wie sich dies auf ihren Strategieprozess auswirkt. Ein Ergebnis: Unternehmenslenker in Deutschland, Österreich und der Schweiz beurteilen die derzeitige Marktsituation überraschend optimistisch. Das gilt sowohl im Hinblick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihr Geschäft und die allgemeine Marktlage als auch für die Zukunftsaussichten. Im November 2020 erscheinent mit "Mastering uncertainty and volatility“ der zweite Teil der Studie. Der Fokus liegt hier auf den Folgen für das Portfolio-Management sowie den Ansätzen zur Unternehmensführung.  „Unlocking value through carve-outs“ bildet schließlich mit Veröffentlichung im Dezember 2020 den dritten Teil der Studie und analysiert die Rolle von Transaktionen und Carve-outs als strategisches Instrument.

Die Studienergebnisse im Überblick – Teil 1: Optimism on uncertain grounds

Marktwahrnehmung: Optimismus überwiegt

Im Teil „Optimism on uncertain grounds“ kommt die Studie zu überraschenden Ergebnissen: Die Befragten bewerten die Folgen der Pandemie auf die aktuelle Geschäftssituation relativ gelassen. Auffallend ist zudem, dass die Entscheider nur mit einem moderaten Anstieg der allgemeinen Volatilität und Unsicherheit in den kommenden fünf Jahren rechnen. Auch die Marktattraktivität und die Wachstumschancen in ihrem Geschäftsumfeld in den kommenden fünf Jahren bewerten die Befragten mit Zuversicht.

Den Optimismus der Unternehmenslenker begründet Marc Schmidli folgendermassen: „Entweder die Unternehmen agieren in ihrer sicheren Marktnische oder sie unterschätzen die Folgen der Pandemie. Denn die Auswirkungen der Corona-Krise werden aktuell noch durch die beispiellosen Interventionen der Regierung, etwa das Kurzarbeitergeld und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht, abgemildert und dadurch möglicherweise verzerrt wahrgenommen.“

„Die Zukunft wird zeigen, ob sich die recht optimistische Stimmung der Entscheidungsträger angesichts der enormen Auswirkungen der Pandemie als Naivität herausstellt oder als berechtigtes, mutiges Vertrauen in ihre Managementfähigkeiten, die bevorstehenden Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen.“

Nico Psarras, Transaction Services Leader bei PwC Schweiz

Nach den grössten Bedrohungen für die Positionierung im Wettbewerb befragt, nennen die Studienteilnehmer vor allem einen Wirtschaftsabschwung (80 Prozent), Umweltrisiken (61 Prozent), sich verstärkenden Wettbewerb (60 Prozent) und regulatorische Risiken (55 Prozent). Finanzierungsrisiken sieht nur jeder Vierte als Bedrohung. „Überraschenderweise empfinden die Entscheider die unternehmensspezifischen Risiken als weniger bedrohend als die Risiken für die Gesamtwirtschaft“, kommentiert Marc Mallet, Director, Delivering Deal Value bei PwC Schweiz.

Auswirkungen auf den Strategieprozess: Organische Massnahmen im Fokus

Weiter intensivierende VUCA-Faktoren prägen das Marktumfeld und beeinträchtigen die Markt- und Wachstumsaussichten. Unsere Hypothese war, dass die Entscheidungsträger der Unternehmen ihre Strategieprozesse entsprechend anpassen und zum Beispiel die Unternehmensstrategien auf einen kürzeren Zeithorizont fokussieren, um somit bei Änderungen des Marktumfelds schneller reagieren zu können. Die Studie zeigt jedoch, dass die Entscheider ihre Strategien in den kommenden fünf Jahren in etwa mit einem konstanten Zeithorizont formulieren – angesichts der weiter steigenden VUCA-Faktoren ein überraschendes Ergebnis. Dabei korreliert jedoch die Einschätzung zur Marktattraktivität und den Zukunftsaussichten mit den Zeitabständen, in denen die Entscheider ihre Unternehmensstrategie überprüfen: Je pessimistischer die Befragten die Marktattraktivität und die Zukunftsaussichten einschätzen, desto eher verkürzen sie den Zeithorizont für die Überprüfung ihrer Unternehmensstrategie.  

Als wichtigste Treiber für Unternehmen, um die Strategie anzupassen, geben 91 Prozent der Befragten veränderte Kundenpräferenzen an. Drei Viertel führen die Veränderungen im Wettbewerbsumfeld an. Gefragt nach den strategischen Massnahmen, auf die sich die Entscheider aktuell fokussieren, nennen die Befragten die Optimierung der Effizienz, die Fokussierung auf das Kerngeschäft und die Entwicklung neuer Technologien. Die Neuausrichtung des Portfolios gilt als weitaus weniger wichtig.

Als wichtigste strategische Massnahmen der kommenden fünf Jahre nennen die Befragten organische Massnahmen wie Wachstumsprogramme (75 Prozent), Restrukturierungen (71 Prozent) sowie Forschung und Entwicklung (62 Prozent). Anorganische Massnahmen wie Transaktionen zur Anpassung des Unternehmensportfolios stehen deutlich seltener auf der Agenda: Nur 11 Prozent ziehen Carve-outs als Möglichkeit in Erwägung, 38 Prozent Joint Ventures. Immerhin jeder Zweite nennt die Übernahme eines Unternehmens als Möglichkeit.

„Die Entscheidungsträger ergreifen in erster Linie organische Massnahmen, um ihr Geschäft zu stabilisieren und zu optimieren. Sie lassen den strategischen Kurs aber tendenziell unverändert und vernachlässigen den Zeit- und Grössenvorteil anorganischer Instrumente wie zum Beispiel Akquisitionen oder Verkäufe.“

Marc Schmidli, Deals and Valuations Leader bei PwC Schweiz

Viele Entscheider fokussieren sich aktuell auf ihr Kerngeschäft und wollen ihre Effizienz verbessern. Nur eine Minderheit zieht Transaktionen in Betracht, um in dynamischen Märkten neuen Trends schnell und effektiv zu begegnen. Das hält Mark Mallet, Director Delivering Deal Value bei PwC Schweiz, für einen Fehler, denn: „Es dauert in der Regel länger und bindet mehr Ressourcen, strategische Ziele über organische Massnahmen zu erreichen. Das gilt insbesondere in einem volatilen Marktumfeld, in dem derjenige gewinnt, der sich durch agile und entschiedene strategische Massnahmen vom Wettbewerb abhebt“, so der Experte. Aus seiner Sicht bilden insbesondere Carve-outs ein gutes Mittel, um Kapital dort freizusetzen, wo es schlechte Renditen erzielt, und stattdessen in das zukunftsträchtige Kerngeschäft zu investieren, zum Beispiel neue Technologien oder Geschäftszweige.

„Mit Blick auf die zunehmende Marktvolatilität und Unsicherheit werden anorganische Entwicklungsmaßnahmen wie Akquisitionen oder Veräußerungen an Bedeutung gewinnen. Denn im Vergleich mit organischen Maßnahmen bieten Transaktionen zahlreiche Vorteile in Bezug auf Geschwindigkeit und Größe.“

Mark Mallet, Director Delivering Deal Value bei PwC Switzerland

Coming soon: Mastering uncertainty and volatility (Teil 2)

Der zweite Teil der Studie untersucht, wie sich die Wahrnehmung von Marktstrukturen und Marktaussichten auf das Handeln der Entscheidungsträger auswirkt. Im Fokus stehen dabei das Portfoliomanagement und die Steuerung der operativen Unternehmensstrukturen. Die Ergebnisse erlauben spannende Einblicke in die strategischen Ansätze des Top-Managements und deren Instrumente, um die Zukunft erfolgreich zu gestalten.

4 von 5

Unternehmen haben ein strukturiertes Strategic Fit Assessment (SFA) implementiert.

Circa 3 von 4

Unternehmen überprüfen regelmäßig institutionalisiert die Komplexität der operativen Prozesse und Strukturen (Operational Fit Assessment).

70 %

der Entscheidungsträger gaben an, dass sie eine Geschäftseinheit verkaufen würden, wenn sie im Zuge der strategischen Überprüfung als nicht dem Kerngeschäft zugehörig identifiziert wurde.

78 %

der Unternehmen, die ein OFA implementiert haben, gaben an, dass sie die daraus abgeleiteten Massnahmen konsequent umsetzen.


Coming soon: Unlocking value through carve-outs (Teil 3)

Der dritte Teil der Studie analysiert die Rolle von Carve-outs als strategisches Instrument, um den Herausforderungen eines volatilen Marktumfelds und unsicheren Zukunftsaussichten zu begegnen. Die PwC-Experten untersuchen dabei unterschiedliche Aspekte, zum Beispiel:

  • Wie wird sich die Bedeutung von Carve-outs in Zukunft entwickeln?
  • Was sind die wichtigsten Motive, die zum Einsatz von Carve-outs führen?
  • Welche Erfolgsfaktoren sind bei der Umsetzung entscheidend?

Ein Ergebnis der Analyse: Ein zentraler Erfolgsfaktor beim Carve-out besteht darin, den abzuspaltenden Unternehmensteil frühzeitig in eigenständige Strukturen zu überführen. Die Studie bietet zudem konkrete Handlungsempfehlungen zum Thema Carve-out, die unmittelbar praktisch anwendbar sind.

Rund jedes dritte Unternehmen

hat in den vergangenen fünf Jahren mindestens einen Carve-out durchgeführt.

72 %

der Befragten erwarten, dass Carve-outs auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden.

Knapp 46 %

der Befragten überführt den zu verkaufenden Geschäftsbereich bereits in eigenständige Strukturen, bevor der Käufer feststeht.

62 %

der Befragten gaben an bei der Durchführung von Carve-outs den Hauptfokus auf die Maximierung des Verkaufserlöses zu legen.


Die Methodik

PwC hat die dreiteilige Analyse in Kooperation mit dem führenden Marktforschungsinstitut Kantar und der Technischen Universität Darmstadt erstellt. Befragt wurden Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einem Jahresumsatz über 300 Millionen Euro. An der Umfrage beteiligt haben sich 157 Entscheider aus der Vorstandsebene, dem Bereich M&A und Strategie. 

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Mark Mallet

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