Seit 2021 veröffentlicht der Bund jährlich alle Beschaffungen über 50’000 Franken. Gemäss Artikel 27 der Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen (VöB) müssen dabei verschiedene Informationen bekannt gegeben werden, wie beispielsweise der Zuschlagsempfänger, der Auftragswert und das Beschaffungsverfahren.
Die Veröffentlichung der Vergaben des Bundes ermöglicht interessante Einblicke in das Ausgabenverhalten der Bundesverwaltung. In einer mehrteiligen Blogserie werden wir dieses Ausgabeverhalten aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. In diesem ersten Blogbeitrag konzentrieren wir uns auf die Ausgaben und die angewandten Beschaffungsverfahren der sieben Departemente über die Jahre 2021 bis 2023. Die Informationen zu den Datengrundlagen sind am Ende des Blogbeitrags erläutert.
Die Gesamtausgaben des Bundes sind von 88,3 Milliarden Franken im Jahr 2021 auf 81,0 Milliarden Franken im Jahr 2023 gesunken. Entgegen dieser Entwicklung sind die Beschaffungen des Bundes leicht gestiegen. So hat sich das Gesamtbeschaffungsvolumen im Jahr 2021 von rund 5,7 Milliarden Franken und auf etwa 6,0 Milliarden Franken im Jahr 2023 erhöht (Ausnahme 2022: 6,9 Milliarden Franken). Von 2021 bis 2023 haben fünf Departemente ihre Ausgaben erhöht (vgl. Abbildung 1).
Die hohen Ausgaben des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) stiegen im Jahr 2022 vor allem durch Zahlungen aus dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF) an die Arbeitsgemeinschaft Gotthard (ARGE) für den Bau der zweiten Gotthardröhre.
Das höchste relative Wachstum (+58%) verzeichnet das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD), was insbesondere auf die IT-Ausgaben im Jahr 2023 beim Staatssekretariat für Migration (SEM), beim Bundesamt für Polizei (fedpol) sowie beim Informatik Service Center des EJPD (ISC-EJPD) zurückzuführen ist. Auch das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) mit +16%, das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit +38% und das Eidgenössische Departement des Inneren (EDI) mit +8% verzeichnen einen Anstieg der Ausgaben. Ausnahmen sind das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) mit +2% sowie das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), bei denen die Ausgaben über die drei Jahre hinweg nahezu stagnieren. Zu beachten: Aussergewöhnlichen Ausgaben des VBS im Jahr 2022 ausgenommen (siehe dazu die Informationen zu den Datengrundlagen am Ende des Blogbeitrags).
Im Jahr 2023 wurden rund 12% mehr Vergaben als im Jahr 2021 durchgeführt, insbesondere in freihändigen und offenen Verfahren. Die Anzahl freihändiger Verfahren stieg um knapp 14%, die offenen Verfahren um gut 13%.
Die Verteilung der Vergabeverfahren wirft die Frage auf, welche Auswirkung sie auf das Beschaffungsvolumen haben. Unter- und überschwellige freihändige Vergaben betreffen meist niedrigere Beschaffungsvolumina (Median 2023: 96'034 Franken) als offene Verfahren (Median 2023: 246'298 Franken). Trotzdem summieren sie sich über die drei Jahre zu über 5,0 Milliarden Franken auf. Das entspricht etwa der Hälfte des Volumens der offenen Verfahren, die von 2021 bis 2023 ein Total von rund 10,6 Milliarden Franken aufweisen. Beispielsweise haben das EDA und das EFD ihre beiden höchsten Vergaben freihändig durchgeführt, während das EDI und das VBS jeweils ihre höchste Vergabe freihändig vergeben haben.
Die Anzahl der Lieferanten ist mit Ausnahme des EDI bei allen Departementen gestiegen. Insbesondere beim EFD, EJPD und VBS hat sie von 2021 bis 2023 um über 10% zugenommen – ein Trend, der auf einen wachsenden Bedarf an spezialisiertem Know-how, eine stärkere Diversifikation von Lieferanten oder auf die zunehmende Attraktivität des Bundes als Auftraggeber hinweisen könnte.
Die Zunahme an freihändigen Vergaben weist auf einen erhöhten Flexibilitätsbedarf der Bundesverwaltung hin. Gleichzeitig entstehen dadurch auch Fragestellungen bezüglich der Beschaffungstransparenz.
Jen Frei, Director, Strategie- und Transformationsberatung, öffentlicher Sektor, PwC SchweizAuch bei der Betrachtung des Anteils der Beschaffungsverfahren pro Departement zeigen sich signifikante Unterschiede. Das EJPD ist das einzige Departement, in dem die Anzahl der offenen Verfahren die der freihändigen Verfahren übertrifft. Beim Volumen dominiert wenig überraschend das offene Verfahren. Nur beim EDA und VBS ist das Gesamtvolumen bei freihändigen Vergaben am höchsten (vgl. Abbildungen 3 und 4).
Die unterschiedliche Verteilung in Bezug auf Anzahl und Volumina zeigt deutlich auf, dass jedes Departement seine Herausforderungen mit einer eigenen Beschaffungsstrategie bewältigen kann und muss. Eine generelle Aussage über die gesamte Bundesverwaltung bezüglich der Beschaffungsverfahren wird den einzelnen Anforderungen daher nicht gerecht. Die höheren Ausgaben sind jedoch ein klarer Hinweis auf die laufend steigenden Anforderungen an die Bundesverwaltung, signifikante Infrastrukturprojekte sowie den volkswirtschaftlichen und geopolitschen Entwicklungen.
In unserem nächsten Blogbeitrag widmen wir uns den einzelnen Verwaltungseinheiten und stellen ihr Ausgabeverhalten in Relation. Zudem gehen wir in der Fortsetzung dieser Blogserie detaillierter auf die einzelnen Beschaffungsverfahren ein.
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