Auch in 2026 wird die Schweiz den Kampf gegen die Geldwäscherei entschlossen weiterführen. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Verifikation von Kundenidentitäten und Wirtschaftlich Berechtigten, der Abklärung verdächtiger Transaktionen sowie erhöhte Transparenz - nicht zuletzt durch die geplante Einführung des Transparenzregisters Mitte des Jahres. Fortschrittliche Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) werden dabei weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Finanzinstitute setzen KI zunehmend im Kampf gegen Finanzkriminalität ein, eine Entwicklung, die sich unter anderem auch auf das Meldevolumen und die Anforderungen an die MROS auswirkt.
Die jüngste FINMA-Umfrage von April 2025, an der rund 400 Schweizer Finanzinstitute teilnahmen, zeigt, dass der Einsatz fortschrittlicher Technologien wie KI im Schweizer Finanzsektor weit vorangeschritten ist. Schon heute nutzen 50 % der Schweizer Finanzinstitute KI, weitere 25 % planen deren Einsatz innerhalb der nächsten drei Jahre. Durchschnittlich nutzen die Institute fünf KI-Anwendungen, neun weitere befinden sich in Entwicklung. Grössere Institute setzen tendenziell ein breiteres Spektrum an KI-Tools ein, während kleinere Marktteilnehmer häufig auf externe Anbieter zurückgreifen, was zusätzliche Outsourcing-Risiken birgt. Generative KI-Anwendungen wie Chatbots sind heute selbstverständlich, und die Hälfte aller Institute verfügt über formalisierte KI-Strategien, um Themen wie Datenschutz, Cybersicherheit und Risikomanagement zu adressieren. Gleichzeitig weist die FINMA auf zentrale Risiken wie Datenqualität, Erklärbarkeit und Outsourcing hin. Sie empfiehlt den Instituten ausdrücklich, vor dem Einsatz von KI in kritischen Prozessen oder bei der Berechnung regulatorischer Parameter frühzeitig den Austaush mit der Aufsicht zu suchen.
Zunehmend setzen Finanzinstitute KI auch bei der Erstellung von Verdachtsmeldungen ein, etwa für präzisere Datenanalysen, die Erkennung von Anomalien sowie die Identifizierung verdächtiger Aktivitäten und Transaktionen.
In 2025 verzeichnete die MROS einen starken Anstieg der Verdachtsmeldungen um 40 % im Vergleich zu 2024 (von 15'141 auf 21'087). Laut Anton Brönnimann1), Leiter der MROS, werden für 2026 zwischen 30’000 und 40’000 SARs/STRs (Suspicious Activity Reports/Suspicious Transaction Reports2) erwartet. Der Anstieg ist nicht nur durch technologische Fortschritte und verhaltensbasiertes Transaktionsmonitoring getrieben, sondern auch durch zunehmenden regulatorischen Druck, eine wachsende Sensibilisierung im Finanzsektor sowie die Angst vor persönlichen Sanktionen, einschliesslich strafrechtlicher Konsequenzen für den Compliance Officer.
Auch der Trend zum «Defence Reporting» - also vorsorglich abgesetzte Verdachtsmeldungen zur Vermeidung des Unterlassungsrisikos – erhöhen die Arbeitslast der MROS. Dabei beobachtet die MROS einen allgemeinen Rückgang der Datenqualität, da viele Verdachtsmeldungen unkorrekte, unvollständige oder wenig belastbare Informationen enthalten. Verdachtsmomente werden oft verfrüht oder auf Basis isolierter Indikatoren eingereicht, ohne eine vollständige Bewertung der zugrunde liegenden Zusammenhänge oder Verknüpfungen.
Die steigende Meldevolumen, die zunehmende Komplexität und zugleich sinkende Datenqualität setzen das knapp 55‑köpfige MROS‑Team stark unter Druck. Obwohl die MROS einen risikobasierten Ansatz verfolgt - mit Priorisierung von Fällen zu Terrorismusfinanzierung, organisierter Kriminalität und schweren Finanzdelikten - bedeutet der Ressourcenmangel, dass manche Meldungen womöglich unzureichend geprüft werden. Wie Brönnimann betont, müsste sich das Team verdoppeln, um die Arbeitslast effektiv bewältigen zu können.
In Anerkennung dieser Herausforderungen beauftragte der Bundesrat das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) im September 2025 damit, alternative Finanzierungsmodelle für die MROS zu prüfen; darunter u.a. ein gebührenbasiertes System. Die Vorschläge, unterstützt vom Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD), werden bis Ende 2026 erwartet. Dies stellt einen bedeutenden Schritt dar, um die langfristige Leistungsfähigkeit der Schweizer Financial Intelligence Struktur zu stärken.
Im Jahresbericht 2024, veröffentlicht im Mai 2025, betont die MROS den dringenden Bedarf, Meldeprozesse zu vereinfachen und die Effizienz durch gezielte Investitionen in die IT‑Infrastruktur zu steigern. Moderne Analysetools, die grosse und komplexe Datensätze verarbeiten können, werden angesichts der Datenmengen zunehmend unverzichtbar. Genau wie die Finanzinstitute benötigen auch Financial Intelligence Units (FIUs) fortschrittliche und rechtskonforme Software, um zeitnahe und verlässliche Analysen sicherzustellen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die MROS die Studie «FIU 2.0» angekündigt, die Anfang 2026 erwartet wird und konkrete Handlungsvorschläge sowie internationale Benchmark‑Vergleiche liefern soll.
Auch für die Finanzinstitute gibt es zusätzliche Orientierungshilfe: Zur Verbesserung der Meldequalität veröffentlichte die MROS im August 2025 erstmals einen Negativtypologie‑Bericht. Anders als klassische Typologieberichte, die aufzeigen, wann eine Meldung erforderlich ist, erläutert dieser, wann keine notwendig ist. Ziel ist es, sicherzustellen, dass Meldungen auf objektiv überprüfbaren Fakten basieren und nicht aus Vorsicht eingereicht werden.
Eines steht fest: Der Einsatz von KI wird zukünftig unverzichtbar sein, um Finanzkriminalität wirksam zu bekämpfen. Gemäß Rundschreiben 20241122‑3‑EN der Hong Kong Monetary Authority (HKMA) wird von autorisierten Instituten erwartet, KI-gestützte Monitoringsysteme einzusetzen, da diese als deutlich effizienter als herkömmliche Ansätze gelten. Für Finanzinstitute in Hongkong ist der Einsatz von KI damit faktisch zu einer aufsichtsrechtlichen Vorgabe geworden. Die Botschaft ist eindeutig: «Benutzt KI für die Überwachung verdächtiger Aktivitäten oder liefert gute Gründe, warum nicht.»
Dieser Trend beschränkt sich nicht auf Hongkong. Weltweit erwarten Aufsichtsbehörden zunehmend den Einsatz von KI zur Bekämpfung von Finanzkriminalität. Effizient implementiert kann KI nicht nur Finanzinstitute, sondern auch Financial Intelligence Units (FIUs) wie die MROS unterstützen - etwa durch die Automatisierung von Routinetätigkeiten, ein effektiveres Transaktionsmonitoring sowie schnellere und qualitativ hochwertigere Analysen. Voraussetzung hierfür ist ein verantwortungsvoller Einsatz von KI, ergänzt durch menschliche Fachkompetenz und die kritische Überprüfung KI-generierter Ergebnisse.
Letztlich ist das Zusammenspiel aus moderner Technologie und menschlichem Urteilsvermögen entscheidend, um das volle Potenzial von KI auszuschöpfen. Effizient eingesetzt, kann KI helfen, unnötige Verdachtsmeldungen zu reduzieren, die Arbeitsbelastung der MROS zu verringern und sowohl Finanzinstitute als auch die Behörde dabei unterstützen, risikoreiche und schwerwiegende Fälle zu priorisieren. Dadurch wird der Kampf gegen Finanzkriminalität effektiv gestärkt.
Jennifer Marie Schmidt