Weltzollorganisation publiziert das angepasste Harmonisierte System

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  • 23 Jul 2026

Die Weltzollorganisation (WZO) hat die nächste Ausgabe des Harmonisierten Systems (HS 2028) für die Zolltarifeinreihung veröffentlicht. Die neue Ausgabe enthält Änderungen, die sich direkt auf Impfstoffhersteller, Biopharma-Distributoren, Produzenten von medizinischen Gütern und Notfallausrüstung sowie auf Unternehmen im Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln auswirken werden. Die Aktualisierung tritt am 1. Januar 2028 in Kraft und soll den Handel mit Impfstoffen und medizinischen Gütern transparenter gestalten sowie die Zollabfertigung bei Gesundheitsnotständen beschleunigen.

Die HS-Nomenklatur wird von über 200 Zollgebieten verwendet, um Zölle festzulegen, Ursprungsregeln anzuwenden und Handelsstatistiken zu erstellen. Folglich haben Änderungen am HS erhebliche Auswirkungen auf international tätige Unternehmen. Zur Vorbereitung auf die Ausgabe HS 2028 sollten sich Unternehmen mit den bevorstehenden Änderungen vertraut machen und Massnahmen ergreifen, um ihre Produkttarifierung zu aktualisieren und ihre Compliance-Prozesse entsprechend anzupassen.

Das Harmonisierte System (HS)

Das Harmonisierte System (HS) ist eine standardisierte internationale Nomenklatur zur Klassifizierung gehandelter Waren. Es wird von der Weltzollorganisation (WZO) verwaltet und bietet eine gemeinsame Grundlage zur Kategorisierung von mehr als 5’000 Warenarten; es wird derzeit von mehr als 200 Ländern weltweit verwendet. Die HS-Nomenklatur bildet die Grundlage für die Ermittlung anwendbarer Zölle sowie Steuern und für die Erstellung von Handelsstatistiken durch Zollbehörden.

Jeder HS-Code besteht aus sechs Ziffern, die in drei hierarchische Ebenen gegliedert sind: Kapitel (erste zwei Ziffern), Positionen (nächste zwei Ziffern) und Unterpositionen (letzte zwei Ziffern). Während diese ersten sechs Ziffern in allen teilnehmenden Ländern einheitlich sind, ergänzen viele Staaten weitere Ziffern für eigene Tarif- und Statistikzwecke. Die Europäische Union erweitert die Codes durch das System der Kombinierten Nomenklatur (8 Ziffern für Exporte und 10 Ziffern für Importe), während die Schweiz eine einheitliche 8-stellige Codierung für Importe und Exporte verwendet.

Die WZO aktualisiert das Klassifizierungssystem alle fünf Jahre; der 7. Revisionszyklus wurde jedoch ausnahmsweise von Juli 2019 bis Juni 2025 auf sechs Jahre verlängert, um die durch die COVID-19-Pandemie beeinträchtigten Beratungen abzuschliessen und die Änderungen umfassend zu finalisieren.

Was ändert sich im HS – in einfacher Sprache?

Das HS, das von der WZO gepflegt wird, ist die international standardisierte Nomenklatur zur Klassifizierung von Waren im internationalen Handel und wird periodisch überarbeitet, um sich entwickelnde Handelsmuster, technologische Fortschritte und handelspolitische Prioritäten widerzuspiegeln. Die Ausgabe HS 2028 umfasst 299 Änderungspakete, die in einer Nomenklatur mit 1’229 Positionen und 5’852 Unterpositionen resultieren. Im Vergleich zur Ausgabe HS 2022 wurden sechs neue Positionen und 428 neue Unterpositionen geschaffen, während fünf Positionen und 172 Unterpositionen gestrichen wurden – dies spiegelt ein Gleichgewicht zwischen der Aufnahme neuer Warenkategorien und der Straffung veralteter Klassifizierungen wider. Diese Änderungen werden Auswirkungen auf die Zolltarifierung, den Zollansatz und die Handels-Compliance in allen Rechtsordnungen haben, die das HS-2028-Rahmenwerk nutzen. 

Die Ausgabe HS 2028 führt eine neue Einreihung von Impfstoffen ein. Anstelle von zwei breiten Kategorien für Human- und Veterinärverwendung unter Position 3002 wird es ab 2028 zwei eigenständige Positionen geben: eine für Humanimpfstoffe (3007) und eine für andere Impfstoffe (3008). Humanimpfstoffe werden weiter in 38 krankheitsspezifische Unterpositionen (sechsstellige Codes) unterteilt, sodass Sendungen anhand der Krankheit identifiziert werden können – von Masern und Polio über Influenza, RSV, Coronaviren, Ebola und Malaria bis hin zu weiteren Krankheiten – anstatt zusammengefasst zu werden. Die Impfstoffliste ist vorausschauend und sieht spezifische Codes für Pipeline-Produkte wie neue Tuberkulose- und Gruppe-B-Streptokokken-Impfstoffe vor, damit der Handel ab dem Zeitpunkt der Marktzulassung dieser Produkte zugeordnet werden kann.

Die neue HS-Ausgabe fügt auch explizite Unterpositionen für essenzielle Güter bei Gesundheitsnotständen hinzu. Während der COVID-19-Pandemie hatten viele Länder Schwierigkeiten, beschleunigte Verfahren anzuwenden, da für wichtige Güter eindeutige Tarifeinreihungen fehlten. Die Ausgabe HS 2028 adressiert dies durch die Schaffung eigenständiger Codes für Krankenwagen und mobile Kliniken, Schutzmasken und Gesichtsschilde, Leichensäcke aus Kunststoff, Pulsoximeter und Multiparameter-Patientenmonitore, Trachealintubationsgeräte und Absaugpumpen sowie medizinische Beatmungsgeräte und Tropfenzähler. Dank dieser Änderungen kann der Zoll diese Sendungen sofort erkennen und im Notfall eine beschleunigte Abfertigung vorsehen.

Darüber hinaus soll eine neue Position für Nahrungsergänzungsmittel die langanhaltende Abgrenzungsproblematik zwischen Lebensmittelzubereitungen und pharmazeutischen Produkten beheben. Eindeutige rechtliche Anmerkungen unterstützen eine einheitlichere globale Klassifizierung und präzisere Handelsstatistiken in dieser schnell wachsenden Kategorie. Schliesslich passt die neue HS-Ausgabe die Klassifizierung von Kunststoffabfällen ein und führt durch die rechtliche Anmerkung 3 zu Kapitel 39 das Konzept des «Einwegprodukts» ein. Dadurch werden die Tarifcodes mit internationalen Umweltvorschriften harmonisiert und die Transparenz über den gesamten Kunststoff-Lebenszyklus verbessert.

Warum sind diese Änderungen für Schweizer Unternehmen relevant?

Diese Änderungen betreffen weit mehr als die beiden nachstehend hervorgehobenen Industriebereiche: Da das HS 2028 die Klassifizierungslogik für ganze Warenkategorien neu definiert, sollten alle betroffenen Unternehmen prüfen, unter welcher Tarifnummer ihre Produkte künftig eingereiht werden – auch wenn ihr Kerngeschäft nicht Impfstoffe oder Nahrungsergänzungsmittel sind.

Für Impfstoffhersteller und -distributoren wird die neue HS-Klassifizierung krankheitsspezifisch. Jede Humanimpfstoff-SKU muss einer der neuen sechsstelligen Unterpositionen zugeordnet werden. Diese Granularität ermöglicht Regierungen, gezielte Zollerleichterungen und beschleunigte Verfahren in Krisensituationen einzurichten, und bietet Unternehmen eine präzisere, codebasierte Transparenz über grenzüberschreitende Impfstoffströme für die Bedarfsplanung und Marktanalyse. Sie unterstützt auch die Beschaffung durch Geberorganisationen und multilaterale Institutionen, indem Ausschreibungen und Handelsmassnahmen an standardisierten Codes statt an Beschreibungen verankert werden.

Unternehmen mit nutrazeutischen Portfolios oder «Grenzfall»-Produkten werden die Auswirkungen der neuen Position für Nahrungsergänzungsmittel spüren. Die Verschiebung von Produkten in ein eigenständiges Ergänzungsmittel-Kapitel kann die Tarifeinreihung ändern, Auswirkungen auf Ursprungsregeln haben und regulatorische Anforderungen beeinflussen. Unternehmen sollten Beschreibungen, Darreichungsformen und Rezepturen anhand der neuen rechtlichen Anmerkungen überprüfen, um eine konsistente globale Klassifizierung sicherzustellen.

Zeitplan, Einführung und nationale Umsetzung

Das HS-2028-Paket wurde im Januar 2026 veröffentlicht und tritt am 1. Januar 2028 in Kraft. Bis zum Inkrafttreten wird die WZO Korrelationstabellen herausgeben, die das HS 2022 mit dem HS 2028 verknüpfen; diese werden die massgebliche Grundlage für die Umklassifizierung sein. Jedes Land muss die sechsstellige HS-Nomenklatur in sein nationales Tarif- und IT-System übertragen und entscheiden, wie es bei acht oder mehr Stellen weiter aufgliedern will. Nicht alle Rechtsordnungen werden im gleichen Tempo vorgehen oder identische tiefere Aufgliederungen vornehmen, was vorübergehend zu Unterschieden zwischen den Zollgebieten führen kann.

Die Schweiz hat bereits ihren nationalen Prozess und Zeitplan bestätigt; die Bundesverordnung zur Umsetzung von HS 2028 soll im Sommer 2027 veröffentlicht werden und am 1. Januar 2028 in Kraft treten. Unternehmen sollten ähnliche nationale Bekanntmachungen in anderen Rechtsgebieten in den Jahren 2026-2027 erwarten, gefolgt von Test- und Schulungsphasen.

Was sollten Unternehmen jetzt tun?

Unternehmen sollten ihre Stammdaten in ERP- und Global-Trade-Management-Systemen aktualisieren, um die neue HS-Struktur zu integrieren, und eine parallele Tarifeinreihung für Sendungen mit langer Vorlaufzeit planen, die den Jahreswechsel 2027/2028 überbrücken. Unternehmen sollten auch die Erneuerung verbindlicher Zolltarifauskünfte in Betracht ziehen, wo dies erforderlich ist, und Stücklisten mit betroffenen Ursprungsregeln neu verknüpfen. Darüber hinaus sollten sich Unternehmen frühzeitig mit Zollagenten und Logistikdienstleistern absprechen und Schulungen für Niederlassungen vorbereiten, um Inkonsistenzen zwischen den Zollgebieten während der Umsetzung zu vermeiden. 

Zusätzlich sollten Unternehmen bereit sein, alle Humanimpfstoffe den neuen krankheitsspezifischen sechsstelligen Unterpositionen zuzuordnen und Veterinärimpfstoffe in die neuen Positionen für «andere Impfstoffe» zu verschieben. Schliesslich sind alle importierten oder exportierten Notfallgüter anhand der neuen Unterpositionen zu überprüfen und die Produktstammdaten entsprechend zu aktualisieren. Für Nahrungsergänzungsmittel und andere Grenzfallprodukte ist die Klassifizierung neu zu bewerten und sicherzustellen, dass Kennzeichnung, Aussagen und Rezepturen mit der neuen Position und den rechtlichen Anmerkungen übereinstimmen.

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