Andrea Zaugg
Senior Manager, Corporate Reporting Sevices, PwC Switzerland
Andrea Zaugg ist Senior Managerin in einer Sondereinheit von Assurance: im IFRS Technical Office. Dem Disclose verrät die diplomierte Wirtschaftsprüferin, warum sie am liebsten im Hintergrund wirkt und als Frau für Spezialfälle Prüfteams und Mandanten mit Fachwissen versorgt. Und warum sie gerne ins Büro kommt.
Wie müssen wir uns deinen Job vorstellen?
Meine Prüfkolleg:innen kommen mit hochspezialisierten Sachverhalten auf uns zu. In einem ersten Schritt müssen wir zusammen mit dem Prüfteam sicherstellen, dass wir diesen und alle dazugehörigen Facetten im Detail verstehen. Meist sind es kleine Details, die auf den ersten Blick irrelevant erscheinen, welche die Abbildung des Sachverhalts stark beeinflussen. Wir schauen dann, wie der Kunde den Sachverhalt in seinem Finanzbericht abbilden will und klären ab, ob dieser Vorschlag im Einklang steht mit den Vorgaben des massgeblichen Rechnungslegungsstandards – z.B. den IFRS Accounting Standards. Dabei gehen wir in die Literatur und schauen was Standardsetter, Prüfgesellschaften und auch Regulatoren zu diesem Thema veröffentlicht haben und kombinieren dieses Wissen mit unseren Erfahrungen früherer Abklärungen zu ähnlichen Themen. Ziel ist vor allem auch, dass die Vergleichbarkeit von Finanzberichten sicherzustellen. Das ist gerade bei komplexen Sachverhalten zentral.
Klingt nach staubtrockener Buddelei
Überhaupt nicht. Mein Job ist enorm abwechslungsreich. Einerseits sind da die technischen Anfragen aus der Wirtschaftsprüfung. Um sie zu beantworten, führe ich Recherchen durch, spreche mit den Prüfteams, mit anderen Fachteams von PwC, manchmal sogar mit den Kund:innen selbst. Und natürlich mit meinen PwC-Kolleg:innen rund um den Globus.
Ich verbringe zudem viel Zeit mit Trainings für Prüfende und unsere Kundschaft. Dazu erarbeite ich die fachlichen Grundlagen, schreibe die nötigen Folien für Events, Kurse oder Webinare und führe diese schliesslich durch.
Wie hältst du dich auf dem Laufenden und wie gebt ihr diese Aktualitäten weiter?
Das IASB, der Standardsetter der IFRS Accounting Standards, berichtet monatlich über dessen aktuelle Projekte und welche Entwicklungen stattgefunden haben. Hier bleiben wir am Ball und datieren unsere Prüfenden mit internen Artikeln und Trainings auf. Für unsere Kunden bieten wir zweimal jährlich ein Financial Reporting Update an. An diesem Event informieren wir über Entwicklungen, Trends oder Aktualitäten im Zusammenhang mit Finanzberichten. Dies beschränkt sich natürlich nicht nur auf Rechnungslegungsstandards selber, sondern auch auf sonstige Entwicklungen – beispielsweise welche Schwerpunkte die SIX Exchange Regulation für ihre Reviews des betroffenen Geschäftsjahres haben wird und was es dabei zu beachten gibt.
Wie hat es dich ins Technical Office verschlagen?
Über einen intern ausgeschriebenen Job. Ich begann 2017 bei PwC in der Wirtschaftsprüfung für Industrieunternehmen. Nach Abschluss der Ausbildung zur eidgenössisch diplomierten Wirtschaftsprüferin habe ich mich nach einer Veränderung umgeschaut und sah auf unserer Intranet-Anwendung eine Ausschreibung für einen zweijährigen Austausch im Technical Office. Ziel war es, IFRS-technisches Wissen zu sammeln und damit ins Prüfteam zurückzukehren. Ich habe mich beworben und die Stelle gekriegt. Als die zwei Jahre um waren, bin ich geblieben.
Was hat dir dieser interne Wechsel gebracht?
Die Gelegenheit, mein Wissen zu erweitern, neue Erfahrungen zu sammeln, neue Kolleg:innen kennenzulernen. Kurz: mich zu verändern, ohne PwC verlassen zu müssen. Ein weiterer sehr grosser Vorteil ist die Tatsache, dass ich noch immer einen engen Kontakt mit meinen ehemaligen Prüfteams habe. Das macht vieles einfacher. Die Prüfteams greifen bei technischen Fragestellungen viel eher zum Hörer und rufen uns an, wenn sie uns persönlich kennen.
Warum bist du schliesslich geblieben?
Weil mir die Arbeit Spass macht und ich jeden Tag etwas Neues lerne. Ich habe beispielsweise gemerkt, dass ich sehr gerne vor Gruppen hinstehe und Trainings abhalte. Zu Beginn war ich etwas skeptisch, ob mir das zusprechen würde. Dank des Vertrauens und Coachings, das mir mein Team entgegengebracht hat, konnte ich das problemlos erlernen.
Wie sieht dein heutiges Arbeitsmodell aus?
Ich habe ein 100-Prozent-Pensum mit zwei Pflichtbürotagen. Am Donnerstag treffen wir uns als Team in Zürich, um uns auszutauschen. Der zweite Bürotag ist frei wählbar. Die übrigen kann ich im Homeoffice oder im Büro verbringen. Wie wichtig ist dir dieses Team?
Enorm wichtig. Beim fachlichen Austausch mit meinen Kollegen erfahre ich neue Perspektiven für Sachverhalte und erweitere so mein Fachwissen. Die Prüfenden sehe ich ebenfalls als Teil des Teams – wir sind in ständigem Austausch miteinander und arbeiten auf dasselbe Ziel hin. Manchmal haben wir direkt mit den Mandanten zu tun. Das internationale PwC-Netzwerk verstehe ich als Peripherie unseres Teams. Diesen Dialog schätze ich sehr, denn andere Länder bringen andere Sichtweisen ein, haben andere Schwerpunkte und machen andere Vor- oder Nachteile geltend.
Warum hast du dich für Assurance entschieden?
Weil man nirgendwo sonst in so viele verschiedene Unternehmen und Branchen hineinsieht. Während meiner Tätigkeit in der Wirtschaftsprüfung konnte ich einen riesigen Korb mit Best Practice füllen. Und es kommen laufend neue Erkenntnisse und Erfahrungen dazu.. Ich schürfe Tag für Tag in immer tieferen Schichten von Unternehmensprozessen und fördere Erstaunliches, Praktisches und Wissenswertes zutage.
Andrea Angst