8. Netzwerktreffen der «Female Leaders in Health and Pharma»

Mit Prävention zu einem nachhaltigen Gesundheitssystem

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  • 26/05/26
Tania Putze

Tania Putze

Senior Managerin, Beratung Gesundheitswesen, PwC Switzerland

Sarah Näther

Sarah Näther

Managerin, Beratung Gesundheitswesen, PwC Switzerland

Am 6. Mai 2026 fand unser 8.Netzwerktreffen der «Female Leaders in Health & Pharma» im PwC Experience Center in Zürich statt. Im Mittelpunkt stand das Thema Prävention. Die Expertinnen diskutierten auf dem Podium und gemeinsam mit den Teilnehmenden, wie sich Gesundheit und Älterwerden durch Eigenverantwortung und Früherkennung verbessern lassen.

Zum Auftakt fühlten wir den Teilnehmenden mit sechs kontroversen Thesen auf den Puls und luden zum Positionieren und Diskutieren ein. Die Äusserungen zeugten von einem heterogenen Stimmungsbild. Wir werten das als Zeichen dafür, wie vielschichtig das Thema ist und wie differenziert der Dialog darüber ausfallen sollte. In einem Punkt waren sich alle einig: Bei der Prävention gibt es viel Diskussionsbedarf.

Highlights aus dem Expertinnenpanel

 

  • Selbstwirksamkeit übertragen: Dr. Miriam Fend, Head of Digital Development Services bei Roche Diagnostik, wies der Prävention die Schlüsselaufgabe zu, Patient:innen zur Selbstwirksamkeit zu befähigen, insbesondere bei chronischen Erkrankungen. Als Paradebeispiel nannte sie die Diabetestherapie: Mit kontinuierlichen Glukosemessgeräten und softwarebasierter Vorhersage – etwa für nächtliche Unterzuckerungen – steuern die Betroffenen ihre Gesundheit zunehmend selbst. Der Innovationsdruck und digitale Möglichkeiten schaffen eine neue Art der Prävention. Gemäss Dr. Miriam Fend können wir als Gesellschaft vom Selbstbefähigungsansatz der Diabetestherapie lernen und dieses Prinzip auf weitere Erkrankungen und Risiken ausweiten.

  • Gesund Altern als zweite Stufe der Prävention: Dr. Anna Erat, MD, PhD, Medizinerin im Bereich Prävention und Longevity, plädierte für die magische Dreiheit von Körper, Geist und Seele. Prävention und gesundes Altern spielen zusammen, wobei sich Letzteres als zweite Stufe der Prävention verstehen lässt. Dr. Anna Erat betonte, dass Organe unterschiedlich altern und dass systematische Regeneration ebenso priorisiert werden sollte wie ein regelmässiges Workout. Mentaler Stress lässt sich durch Cortisolmessung und Herzfrequenzvariabilität objektivieren. Bewegung und Sport setzen ähnlich wie bei der sozialen Interaktion Endorphine frei. Die Harvard-Gesundheitsstudien und die Forschung zu den Blauen Zonen machen deutlich, dass soziale Kontakte wesentlich zum Gesundbleiben beitragen.

  • Gemeinsam gesünder leben: Dr. Isabelle Vautravers, Geschäftsführerin der Stiftung Sanitas Krankenversicherung, gab uns Einblicke in die Sanitas-Auftragsstudie «Präventionsradar Schweiz 2026» (Mai 2026). Sie zeigt, wie wichtig der Schweizer Bevölkerung Prävention ist und welche Rolle den verschiedenen Akteuren dabei zukommt. Dr. Isabelle Vautravers schälte die Schlüsselerkenntnisse heraus: Über alle Altersgruppen hinweg nennen die Befragten für psychische und mentale Fitness das Pflegen sozialer Kontakte als wichtigste Präventionsmassnahme, gefolgt von Zeit für Hobbys und gesunder Ernährung. Erstaunlicherweise steigt die Zufriedenheit der Studienteilnehmenden mit ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit, je mehr Bezugspersonen sie haben. Die Befragten sind überzeugt, dass Prävention Gesundheitskosten senkt. 80 Prozent sprachen sich deutlich für Selbstverantwortung aus. Bei der Kostenübernahme gehen die Meinungen auseinander: Ein Drittel sieht die Versicherer als Hauptverantwortliche, 60 Prozent plädieren für geteilte Kosten.

Wertvolle Impulse für die Zukunft

Im Panel wurden die Hebel der Prävention und verschiedene Sichtweisen rege diskutiert. Hier die wichtigsten Impulse für die Zukunft in der Kurzfassung:

  • Systemerfolge und Systemgrenzen: Es existieren erfolgreiche Public-Health-Projekte auf kantonaler, nationaler und internationaler Ebene. Allerdings hemmen fragmentierte Zuständigkeiten, heterogene Daten und mangelnde Datentransparenz eine wirksame Prävention. Für eine solche ist die Zusammenarbeit über politische Ebenen und Sektoren hinweg nötig – und der Einbezug von Bildung und Sozialem. Partnerschaften zwischen unterschiedlichen Akteuren hoben die Panelteilnehmenden als Erfolgsfaktor hervor. Für einen systemischen Blick auf Patient:innen braucht es zudem vernetzte Datenstrukturen, mehr Datentransparenz und einen konsequenten Digitalisierungsschub. Und vor allem: Mut, neue Ansätze auszuprobieren.

  • Incentivierung als Treiber: Ohne Anreizsysteme dürfte Prävention kaum effizient funktionieren. Dabei müssen Kampagnen, Versicherer und Politik am gleichen Strick ziehen, ohne das Solidarsystem zu gefährden. Die Bevölkerung hält Anreizsysteme gemäss «Präventionsradar Schweiz 2026» für wirksam, sieht aber auch an anderen Stellen Potenzial.

  • Prävention auf zwei Ebenen: Die Diskussionsteilnehmenden unterschieden zwischen Grundgesundheit durch Bewegung oder soziale Kontakte und medizinischer Früherkennung. Während die Therapie und die Behandlung chronischer Erkrankungen den Grossteil der Gesundheitsausgaben ausmachen, bleibt der Produktivitätsgewinn durch Prävention schwer messbar.

  • Prävention durch Aufklärung und Befähigung stärken: 
    Die Diskussionsrunde forderte, Wissen über Prävention früh zu vermitteln und im Lebensverlauf immer wieder zu erneuern – von der Schule bis ins hohe Alter. Sie nannte Aufklärung als Voraussetzung, damit Menschen gut abgestützte Entscheidungen über ihre Gesundheit treffen können. 
    Aus dem Publikum kam die Aufforderung, die Rolle eines «Navigators» im Gesundheitssystem zu stärken. Während Kinderärzt:innen oft noch Orientierung geben, fehlt diese im Erwachsenenalter häufig. Themen wie Vitamin-D- und Eisenmangel verdienen mehr Aufmerksamkeit, ohne in Überdiagnostik zu verfallen. 
     
    Die Panelteilnehmenden regten an, das Gesundheitssystem möge die Menschen stärker dazu befähigen, sich selbst um ihre Gesundheit zu kümmern, und gleichzeitig unterstützende Strukturen bereitstellen. Sie waren sich einig, dass Prävention dort am besten gelingt, wo Eigenverantwortung und eine gute Begleitung zusammenkommen.

Mut und Zusammenspiel gefragt

Die Schweiz verfügt über beste Voraussetzungen, Prävention systemisch voranzutreiben. Doch das erfordert ein neues Zusammenspiel von Selbstverantwortung, Anreizsystemen, digitaler Diagnostik, koordinierten Daten und bedeutsamen sozialen Beziehungen. Wenn diese Faktoren ineinandergreifen, entsteht ein Gesundheitssystem, das nicht erst bei der Krankheit reagiert, sondern aktiv die Gesundheit fördert. Das wiederum kommt schliesslich uns allen zugute.

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