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Die Schweizerische Nationalbank hält den Leitzins weiterhin bei 0,0 %. Das tiefe Zinsumfeld bleibt für den Immobilienmarkt grundsätzlich unterstützend, während geopolitische Spannungen, handelspolitische Unsicherheiten und steigende langfristige Kapitalmarktzinsen die grössten Risiken für den Konjunkturausblick darstellen. Am Mietwohnungsmarkt hat die zu Jahresbeginn beobachtete Seitwärts- einer breit abgestützten Aufwärtsbewegung Platz gemacht. Trotz einer abgeschwächten Zuwanderung bleibt die strukturelle Angebotsknappheit bestehen, während die Ablehnung der Zürcher Wohnschutz-Initiative die Planungs- und Investitionssicherheit für Sanierungen und Ersatzneubauten erhöht. Der Büroflächenmarkt bleibt von rückläufigen Neuabschlussmieten und einer regional stark differenzierten Nachfrage geprägt, während die geplante Verschärfung der Lex Koller zusätzliche Unsicherheit auf der Investitionsseite schafft. Die Renditeentwicklung bestätigt die unterschiedliche Marktverfassung: Mehrfamilienhäuser erzielen weiterhin stabile und breit abgestützte Gesamtrenditen, während Büroimmobilien deutlich höhere regionale Ausschläge aufweisen. Beim Wohneigentum setzte sich der Preisauftrieb fort, getragen von tiefen Finanzierungskosten, einem knappen Angebot und positiven Preiserwartungen.
Die der Immospektive zugrunde liegenden Informationen zum Marktgeschehen finden Sie in der Immobilien-Metaanalyse von FPRE. Verweise auf FPRE-Grafiken sind in unserem Text mit «[1]» usw. bezeichnet.
An ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom 18. Juni 2026 beliess die Schweizerische Nationalbank den SNB-Leitzins bei 0,0 %. Damit verharrt er seit der letzten Zinssenkung im Juni 2025 auf dem Nullniveau. Gleichzeitig bleibt die Bereitschaft der Nationalbank erhöht, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren und einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens entgegenzuwirken. Die Inflation stieg seit der März-Lagebeurteilung zunächst von 0,1 % im Februar auf 0,6 % im Mai. Dieser Anstieg war hauptsächlich auf höhere Preise für Erdölprodukte zurückzuführen, während die übrigen Waren und Dienstleistungen nur wenig zur höheren Teuerung beitrugen.1 Im Juli lag die Jahresteuerung wieder bei 0,4 %, womit der allgemeine Preisdruck weiterhin moderat blieb.² Gemäss der bedingten Inflationsprognose dürfte die Teuerung in den nächsten Quartalen zunächst noch leicht zunehmen und in der ersten Jahreshälfte 2027 wieder etwas zurückgehen.3 Im Jahresdurchschnitt erwartet die SNB eine Inflation von 0,6 % für 2026, 0,6 % für 2027 und 0,7 % für 2028 [9]. Die Prognose befindet sich damit über den gesamten Horizont im Bereich der Preisstabilität. Die globalen Inflationserwartungen bleiben erhöht, und die Märkte stellten sich auf eine etwas restriktivere Geldpolitik im Ausland ein. In der Schweiz verschob sich die Renditekurve der Bundesobligationen leicht nach oben, während sich der Franken gegenüber Euro und US-Dollar etwas abschwächte. Die monetären Bedingungen lockerten sich dadurch trotz des unveränderten Leitzinses geringfügig.4 Die Rahmenbedingungen sprechen dafür, dass die SNB auch bei den kommenden geldpolitischen Lagebeurteilungen an ihrer Nullzinspolitik festhalten wird.
1 Schweizerische Nationalbank, Geldpolitische Lagebeurteilung vom 18. Juni 2026.
2 Bundesamt für Statistik, Landesindex der Konsumentenpreise im Juli 2026, 3. August 2026.
3 Schweizerische Nationalbank, Geldpolitische Lagebeurteilung vom 18. Juni 2026.
4 Schweizerische Nationalbank, Geldpolitische Lagebeurteilung Juni 2026: Zusammenfassung der Diskussion, 16. Juli 2026.
5 KOF Institut, KOF Konjunkturprognose Sommer 2026: Erdölpreisschock bremst Schweizer Wirtschaft, 17. Juni 2026.
6 Schweizerische Nationalbank, Geldpolitische Lagebeurteilung Juni 2026: Zusammenfassung der Diskussion, 16. Juli 2026.
Der Schweizer Mietwohnungsmarkt hat im zweiten Quartal 2026 wieder deutlich an Dynamik gewonnen. Die Mieten für Neuabschlüsse stiegen schweizweit um 2,4 % gegenüber dem Vorquartal und lagen damit 2,0 % über dem Vorjahresniveau [23]. Die verhaltene Entwicklung zu Jahresbeginn erwies sich somit als vorübergehend. Der Anstieg erfasste sämtliche Regionen und deutet darauf hin, dass der Nachfrageüberhang trotz der zuletzt schwächeren demografischen Impulse fortbesteht.⁷
Die Zuwanderung bleibt ein wichtiger Nachfragetreiber, fiel im ersten Quartal 2026 mit einem Saldo von 18’800 Personen jedoch deutlich geringer aus als in den jeweiligen ersten Quartalen der Vorjahre [10]. Dass die Neuabschlussmieten trotz dieser Abschwächung wieder kräftiger steigen, spricht dafür, dass die Mietentwicklung zunehmend durch ein begrenztes Angebots bestimmt wird. Das Bundesamt für Wohnungswesen rechnet zudem damit, dass die Leerwohnungsquote nach ihrem Rückgang auf 1,0 % im Jahr 2025 im laufenden Jahr weiter sinkt. Eine breite Entspannung des Mietwohnungsmarkts ist damit nicht absehbar.⁸
Auf der Angebotsseite mehren sich zwar die Hinweise auf eine Belebung. Das BAK Economics erwartet für den Wohnbau 2026 ein Wachstum von 3,8 % und für 2027 von 2,0 % [14]. Der Bauindex des Schweizerischen Baumeisterverbands stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr im Hochbau um 3,2 % und im Wohnungsbau um 4,3 % [15]. Gleichzeitig zogen die Produktionskosten für Mehrfamilienhäuser gegenüber dem Vorquartal um 1,0 % und gegenüber dem Vorjahr um 1,1 % an [16]. Die höhere Bautätigkeit verbessert den mittelfristigen Angebotsausblick, dürfte den bestehenden Nachfrageüberhang wegen der langen Planungs- und Realisierungszeiten jedoch nur schrittweise abbauen.
Von Bedeutung ist die Ablehnung der Zürcher Wohnschutz-Initiative durch die Stimmbevölkerung am 14. Juni 2026. Damit wurde auf ein Instrument verzichtet, das Gemeinden mit angespanntem Wohnungsmarkt befristete Mietpreisbegrenzungen nach Ersatzneubauten, Umbauten und Renovationen sowie Einschränkungen bei der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen ermöglicht und so die Bautätigkeit im Raum Zürich nachhaltig gebremst hätte. Aus immobilienwirtschaftlicher Sicht vermindert der Entscheid das regulatorische Risiko und erhöht die Planungs- und Investitionssicherheit für Sanierungen, Ersatzneubauten und Verdichtungsprojekte. Gleichzeitig nahm die Bevölkerung den moderateren Gegenvorschlag an, der bei grösseren Bauvorhaben Leerkündigungen nach Möglichkeit vermeiden und betroffene Mieterinnen und Mieter durch Informations- und Unterstützungsauflagen besser schützen soll.9
Quelle Daten: FPRE, Marktmieten- und Baulandindizes von Renditeimmobilien Schweiz, 2. Quartal 2026
7 FPRE, Marktmieten- und Baulandindizes von Renditeimmobilien Schweiz, 2. Quartal 2026.
8 Bundesamt für Wohnungswesen, Der Wohnungsmarkt auf einen Blick 2/2026.
9 NZZ, «Kantonale Wohnvorlagen: Stadtteile von Winterthur und Zürich sagen Ja, die SP gesteht Nein zur Wohnschutzinitiative ein», 14. Juni 2026.
10 FPRE, Marktmieten- und Baulandindizes von Renditeimmobilien Schweiz, 2. Quartal 2026.
11 FPRE, Marktmieten- und Baulandindizes von Renditeimmobilien Schweiz, 2. Quartal 2026.
12 FPRE, FPREview Q2 2026: Raumentwicklung zwischen Anspruch und Realität.
13 NZZ, Die 10-Millionen-Initiative ist gescheitert, der Kampf um die Zuwanderung geht nahtlos weiter, 15. Juni 2026.
Nach dem deutlichen Rückgang zu Jahresbeginn setzte sich die Abwärtsbewegung der Schweizer Büromieten bei Neuabschlüssen im zweiten Quartal 2026 in abgeschwächter Form fort. Die Vertragsmieten bei Neuabschlüssen sanken gegenüber dem Vorquartal schweizweit um 1,1 %. Im Vergleich zum Vorjahresquartal lagen sie hingegen leicht um 0,3 % höher [35]. Damit bewegt sich der Büroflächenmarkt insgesamt weiterhin seitwärts, wobei der stabilen gesamtschweizerischen Entwicklung erhebliche regionale Unterschiede zugrunde liegen. Die Entwicklung lässt auf eine selektive und gegenüber konjunkturellen Veränderungen empfindliche Nachfrage schliessen.
Das konjunkturelle Umfeld bietet der Nachfrage auf dem Büroflächenmarkt nur begrenzten Rückenwind. Die Prognosen gehen für 2026 im Durchschnitt von einem realen BIP-Wachstum von 0,8 % und einer Arbeitslosenquote von 3,1 % aus [6, 7]. Auch die Entwicklung der offenen Stellen zeigt ein uneinheitliches Bild: Während der Stellenindex im Grundstücks- und Wohnungswesen im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 7,5 % zunahm, ging er bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen um 15,6 % und bei den Informations- und Technologiedienstleistungen um 12,5 % zurück [8]. Gerade diese bürointensiven Branchen liefern damit vorerst keine breit abgestützten Nachfrageimpulse.
Die geplante Revision der Lex Koller hat mit dem Abschluss der Vernehmlassung am 15. Juli 2026 einen weiteren Verfahrensschritt durchlaufen. Ende Juli veröffentlichte das Bundesamt für Justiz die eingegangenen Stellungnahmen. Diese zeigen erhebliche Differenzen zwischen Politik, Behörden und Wirtschaft. Während einzelne Parteien und Städte die Vorlage grundsätzlich unterstützen, lehnen andere Parteien sowie zahlreiche Kapitalmarktakteure insbesondere die Einschränkungen für börsengehandelte indirekte Immobilienanlagen ab. SIX warnt vor einer geringeren Marktliquidität, einer schlechteren Preisbildung und steigenden Kapitalkosten. Für den Büroimmobilienmarkt bleibt damit insbesondere die geplante Bewilligungspflicht für den Erwerb von Betriebsstätte-Grundstücken als reine Kapitalanlage ein regulatorisches Risiko, ob und in welcher Form sie umgesetzt wird, ist jedoch weiterhin offen.14
Quelle Daten: FPRE, Marktmieten- und Baulandindizes von Renditeimmobilien Schweiz, 2. Quartal 2026
14 Bundesamt für Justiz, Stellungsnahmen des Vernehmlassungsverfahrens (der Kantone, politischer Parteien, Organisationen und Private), 27. Juli 2026.
15 FPRE, Marktindizes für Renditeimmobilien, 2. Quartal 2026.
16 FPRE, Marktindizes für Renditeimmobilien, 2. Quartal 2026.
17 FPRE, FPREview Q2 2026: Raumentwicklung zwischen Anspruch und Realität.
Die rollierte Gesamtjahresrendite von Mehrfamilienhäusern blieb im zweiten Quartal 2026 in sämtlichen Kantonen positiv. Schweizweit belief sie sich auf rund 8,4 % und lag damit unter dem Wert von 12,2 % im Jahr 2025. Die Entwicklung entspricht einer breiten Normalisierung nach den starken Aufwertungen des Vorjahres. Mit Ausnahme von Glarus lagen die provisorischen Renditen 2026 in allen Kantonen unter den jeweiligen Vorjahreswerten. Die laufenden Erträge leisten weiterhin einen stabilen Renditebeitrag, während die Wertänderungsrendite zwar positiv bleibt, aber geringer ausfällt als 2025 [51]. Unterstützt wird das Wohnsegment durch den anhaltenden Nachfrageüberhang am Mietwohnungsmarkt und die weiterhin steigenden Marktwerte von Mehrfamilienhäusern. Diese lagen im zweiten Quartal 6,9 % über dem Vorjahresniveau und 3,5 % über dem Vorquartal.18
Bei Büroimmobilien fällt das Renditebild deutlich heterogener aus. Die rollierte Gesamtjahresrendite lag 2026 bei rund 4,4% und damit unter dem Vorjahreswert von 6,0 %. Die kantonalen Gesamtrenditen reichten von –5,8 % bis +17,0 %. Während die laufenden Mieterträge weiterhin als Renditeanker wirken, wird die Gesamtperformance durch die Wertänderungen geprägt. Die Marktwerte von Büroimmobilien lagen schweizweit zwar 4,2 % über dem Vorjahresniveau und 0,5 % über dem Vorquartal. Gleichzeitig gingen die Neuabschlussmieten gegenüber dem Vorquartal zurück. Die Kombination aus steigenden Marktwerten und rückläufigen Mieten bei Neuabschlüssen unterstreicht, dass die Renditeentwicklung derzeit stark von Standort, Objektqualität, Leerstandsrisiken und den jeweils zugrunde liegenden Bewertungserwartungen abhängt.19
Quelle Daten: FPRE, Marktindizes für Renditeimmobilien, 2. Quartal 2026
18 FPRE, Marktindizes für Renditeimmobilien, 2. Quartal 2026.
19 FPRE, Marktindizes für Renditeimmobilien, 2. Quartal 2026
20 FPRE, Marktindizes für Renditeimmobilien, 2. Quartal 2026
21 FPRE, Marktindizes für Renditeimmobilien, 2. Quartal 2026
Auch im zweiten Quartal 2026 setzte sich der Preisauftrieb am Schweizer Wohneigentumsmarkt fort. Der Preis für Eigentumswohnungen stieg gegenüber dem Vorquartal um 0,5 % und lag 4,7 % über dem Vorjahresniveau [62]. Bei Einfamilienhäusern fiel die Dynamik mit einem Quartalsanstieg von 2,6 % deutlich stärker aus, gegenüber dem zweiten Quartal 2025 erhöhten sich die Preise um 4,4 % [56]. Damit verzeichneten beide Eigentumssegmente weiterhin steigende Preise, wobei Einfamilienhäuser im Berichtsquartal kräftiger zulegten, während sich die kurzfristige Dynamik bei Eigentumswohnungen abschwächte. Die Entwicklung verdeutlicht, dass die Nachfrage nach Wohneigentum trotz der bereits hohen Preisniveaus robust bleibt. Unterstützend wirken weiterhin das tiefe Zinsniveau, die begrenzte Neubautätigkeit und das knappe Angebot an verfügbaren Objekten. Sowohl für Eigentumswohnungen als auch für Einfamilienhäuser werden in den kommenden 12 Monaten steigende Preise erwartet [59, 65]. Der SARON lag im Juni 2026 bei –0,04 % [19]. Auch die Zinsprognosen deuten darauf hin, dass die kurzfristigen Zinsen vorerst nahe null bleiben dürften [18]. Gleichzeitig belief sich das inländische Hypothekarvolumen im Mai 2026 auf CHF 1’239,7 Mrd. und lag 1,4 % über dem Vorjahresniveau [22].
Der steuerpolitische Rahmen ist inzwischen zeitlich geklärt. Der Bundesrat hat die Reform der Wohneigentumsbesteuerung auf den 1. Januar 2029 in Kraft gesetzt. Ab diesem Zeitpunkt entfällt der Eigenmietwert auf selbstgenutztem Wohneigentum. Gleichzeitig können die Kantone zur Kompensation eine besondere Objektsteuer auf Zweitliegenschaften einführen. Der Entscheid schafft Planungssicherheit, dürfte den Markt kurzfristig aber nur begrenzt beeinflussen. Die Reform bleibt vorerst eher ein mittelfristiger Einflussfaktor, dessen Wirkung je nach Verschuldungsgrad, Objektzustand und kantonaler Umsetzung unterschiedlich ausfallen wird.22
Quelle Daten: FPRE, Transaktionspreis- und Baulandindizes für Wohneigentum Schweiz, 2. Quartal 2026
22 RAIFFEISEN, Immobilien Schweiz, 2Q 2026.
23 FPRE, Transaktionspreis- und Baulandindizes für Wohneigentum Schweiz, 2. Quartal 2026.
24 FPRE, Transaktionspreis- und Baulandindizes für Wohneigentum Schweiz, 2. Quartal 2026.
25 SNB, Financial Stability Report 2026.
26 Swiss Real Estate Datapool (SRED), SRED Newsletter, 2. Quartal 2026.
Unsere Experten verfügen über langjährige Erfahrung in den Bereichen Volks- und Betriebswirtschaft, Architektur sowie Baurecht und kennen die regionalen Marktgegebenheiten genau. Wir begleiten Sie während des gesamten Lebenszyklus Ihrer Immobilie und bieten kompetente Unterstützung bei Fragen rund um die Immobilienbewertung, Transaktionen und bei strategischen Aufgabenstellungen.
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Sebastian Zollinger