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Wie effizient arbeiten Kantone? Diese Frage stellen zwar viele, aber sie wird selten beantwortet. Denn Effizienz im öffentlichen Sektor lässt sich nur schwer beziffern. Deshalb haben wir gemeinsam mit dem Institut de Hautes Études en Administration Publique (IDHEAP) der Universität Lausanne das Effizienz-Monitoring von Schweizer Kantonen entwickelt. Die aktuelle zweite Ausgabe zeigt: Das Optimierungspotenzial ist gross und unterscheidet sich nach Kanton und Leistungsbereich.
Unser Effizienz-Monitoring nimmt die Effizienz und das Verbesserungspotenzial in den Bereichen Bildung, Kultur, Soziales und Strassen unter die Lupe. Die Zahlen sprechen Bände. Die Abweichung zur vollen Effizienz entspricht 10,8 Milliarden Franken, die an anderer Stelle eingesetzt werden könnten. Zum Vergleich: Mit diesem Betrag liessen sich die heutigen Bildungsausgaben zur Hälfte oder mehr als die gesamten Sozialausgaben finanzieren. Auch wenn die Kantone nur halb so viel effizienter arbeiten würden, wie sie tatsächlich könnten, würden sie über zusätzlich CHF 4,9 Mrd. verfügen. Das entspricht in etwa den gesamten kantonalen Auszahlungen an den nationalen Finanzausgleich im Jahr 2022.
Selbst wenn die Kantone nur die Hälfte ihres Effizienzpotenzials ausschöpften, stünden ihnen insgesamt immer noch CHF 4,9 Mrd. zusätzlich zur Verfügung.»
Im Durchschnitt liegt die Effizienz der Kantone im Sozialwesen bei 75 % und weist eine grosse Spannweite von 45 % bis 94 % auf. Es zeigen sich enorme Effizienzunterschiede zwischen den Kantonen, nicht aber im Zeitverlauf; die Werte haben sich gegenüber dem Vorjahr spärlich verschoben. Diese Resultate lassen vermuten, dass sich weniger effiziente Kantone an Bestehendes klammern. Sie brauchen Mut, um vorhandene Strukturen und Systeme aufzubrechen und so an Effizienz zu gewinnen. Dies könnte auch bedeuten, den Ausgleichskassen einen grösseren Handlungsspielraum zu geben. Sie tragen bei der operativen Umsetzung im untersuchten Sozialbereich eine nicht unerhebliche Verantwortung. Lässt ihnen die rechtliche Grundlage genügend Freiheiten, beispielsweise die Aufgabenteilung mit den Zweigstellen optimale zu gestalten, dürfte sich dies positiv auf die Effizienz auswirken. Ausserdem lässt die Auswertung der Effizienzunterschiede vermuten, dass eine hohe Besiedlungsdichte und ein hoher Anteil an ausländischer Wohnbevölkerung diametral mit der Effizienz korrelieren.
Im Bildungswesen lag die Effizienz der Kantone im Jahr 2019 bei durchschnittlich 81 %. Auf den Spitzenplätzen rangierten wie im Vorjahr die Kantone Appenzell Innerrhoden und Graubünden. Die sechs ineffizientesten Kantone zeigen ähnliche Effizienzwerte wie im Vorjahr. Bei der Bildung sind Kantone und Gemeinden in ein engeres Korsett an Rahmenbedingungen gebunden als anderswo. Deshalb sind hier geringe Effizienzunterschiedezu erwarten. Allerdings würden diese besonders stark ins Gewicht fallen, da die Bildung den grössten Ausgabenposten darstellt. Unser Effizienz-Monitoring lässt vermuten, dass eine starke Fragmentierung des Gemeindegefüges leicht effizienzfördernd wirkt. Im Gegenzug geht Armut in der Bevölkerung Hand in Hand mit einer geringen Effizienz.
Im Bildungswesen zeigen sich kaum Effizienzunterschiede, weder zwischen den Kantonen noch über die verglichenen Jahre. Diese Entwicklung könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Kantone und Gemeinden hier wenig innovationsfreudig vorgehen und kaum Neues ausprobieren. Mit Spannung erwarten wir die Effekte der Corona-Pandemie, die noch nicht in unseren Daten ersichtlich sind. In dieser Zeit wurden die Schulen zu Neuem gezwungen.
Welche Kantone ihre Ressourcen gezielter einsetzen und was andere konkret tun können, lesen Sie in unserer neuen Studie für den Öffentlichen Sektor.
Das Kulturwesen stellt den kleinsten Bereich des Effizienz-Monitorings dar. Darunter fallennicht nur Museen und die Denkmalpflege sondern auch der Sport. Die mittlere Effizienz des Kulturwesens liegt bei 71 %. Während Kantone wie Solothurn, Aargau, Jura, Thurgau und Glarus bei über 80 % relativ nahe beieinander liegen, bestehen bei den ineffizienteren Kantonen grosse Differenzen. In den hinteren Rängen sehen wir denn auch den grössten Optimierungsspielraum. Externe Faktoren wie Zentrumsfunktion oder Wohlstand scheinen das Kultureffizienzpotenzial eines Kantons kaum zu beeinflussen.
Im Strassenwesen arbeiten die Kantone mit einer durchschnittlichen Effizienz von 65 %. Dieser Wert streut erheblich von 31 % bis 88 %. Gerade hocheffiziente Kantone wie Luzern, Thurgau und Aargau haben ihre Effizienzwerte kaum ausgebaut. Hingegen konnten die Kantone am unteren Ende der Skala an Effizienz zulegen. Wir gehen aufgrund unserer Analyse davon aus, dass Faktoren wie die Siedlungshöhe oder die Geländesteilheit auf das Effizienzpotenzial eines Kantons einwirken.
Mit dem Effizienz-Monitoring messen wir die kantonale und kommunale Leistungserbringung im Verhältnis zum Ressourceneinsatz und vergleichen die Werte untereinander. Diese Betrachtung dient als quantifizierter Hinweis, wo Kantone und ihre Gemeinden effizienter werden könnten. Wer seine Ressourcen gezielt allozieren und Strukturen sowie Prozesse verbessern will, braucht Orientierungspunkte. Daher empfehlen wir eine Ausrichtung auf die effizienten Kantone. Für diesen Vergleich macht unser Effizienz-Monitoring geeignete Referenzkantone aus. Zudem zeigen wir anhand eines beispielhaften und standardisierten Vorgehens auf, wie Kantone und Gemeinden auf mehr Effizienz hinarbeiten können.
Unser Effizienz-Monitoring verstehen wir zum einen als Denkanstoss für die laufende Debatte über die Effizienz staatlicher Leistungen und deren Veränderung im Zeitverlauf. Zum anderen möchten wir Entscheidungstragende dabei unterstützen, Ressourcen noch gezielter zu allozieren und von den vielseitigen Opportunitäten neuer Technologien für Strukturen und Prozesse zu profitieren.
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Lead Partner, Government & Public Sector, PwC Switzerland
Tel.: +41 79 634 13 25
Dr. Ramon Christen
Senior Manager, Government & Public Sector, PwC Switzerland
Tel.: +41 58 792 7580