Die zweite Ausgabe des EMEA AML Surveys von PwC umfasst Erkenntnisse von insgesamt 531 Finanzinstituten aus 40 Ländern in der EMEA-Region. Dieser Artikel bietet eine Schweiz-spezifische Perspektive, basierend auf den Antworten von FINMA-regulierten Instituten aus den Bereichen Banking, Asset und Wealth Management (AWM) , Versicherungen sowie E-Payment Anbietern.
Als globaler Finanzplatz steht die Schweiz besonders im Fokus. Der AML-Reifegrad ist nicht nur eine regulatorische Pflicht, sondern auch ein entscheidender Reputationsfaktor. Gleichzeitig entwickeln sich die Risiken der Finanzkriminalität in der gesamten EMEA-Region rasant weiter. Kriminelle nutzen zunehmend regulatorische Fragmentierung, Datenlücken und technologische Ungleichgewichte aus. Für Institute, die sich zu langsam anpassen, steigen damit Anforderungen und Handlungsdruck deutlich.
Die Schweizer Ergebnisse zeigen das Bild einer Branche, die sich der aktuellen Entwicklungen bewusst ist, in der jedoch Anspruch und Umsetzung nicht immer im Einklang stehen.
Gegliedert nach Regulierung, Operations sowie Technologie & KI beleuchtet diese Analyse den AML-Reifegrad Schweizer Institute und stützt sich dabei sowohl auf die Umfrageergebnisse als auch auf unsere Erfahrung aus den regulatorischen Prüfungen. Von Fragen zur Praxistauglichkeit der AML-Vorschriften über Automatisierungsrückstände bis hin zu Selbsteinschätzungen, die einer vertieften Prüfung möglicherweise nicht standhalten würden: Die Ergebnisse zeigen, dass die Branche auf dem richtigen Kurs ist – sie hat aber noch einen weiten Weg vor sich.
Schweizer Finanzinstitute agieren in einem zunehmend anspruchsvollen regulatorischen Umfeld - zugleich bestehen erhebliche Zweifel, ob die aktuellen AML-Vorschriften zweckmässig sind. Die nachfolgenden Ergebnisse zeichnen das Bild eines Sektors unter Druck: konfrontiert mit als nicht praktikabel wahrgenommenen Vorgaben, Selbsteinschätzungen, die einer regulatorischen Prüfung möglicherweise nicht standhalten würden, sowie steigenden Compliance-Kosten - trotz laufender Bemühungen der Institute, diese Lücken zu schliessen.
Schweizer Institute äussern erhebliche Bedenken hinsichtlich der Praxistauglichkeit der AML-Vorschriften: 80 % halten die aktuellen AML-Regeln für nicht ausreichend wirksam oder praxistauglich. Darin enthalten sind jene, die den Eindruck haben, dass die Regeln Form über Inhalt stellen (31%), es an Einheitlichkeit über Länder und Branchen hinweg fehlt (23%), praxisnahe Leitlinien für die Industrie fehlen (17%) oder dass die Vorgaben nicht detailliert genug sind (9%). Lediglich 17% bewerten die Regeln als „vollständig wirksam“.
Unsere Erfahrung aus den regulatorischen Prüfungen zeigt, dass diese Wahrnehmung häufig aus einer Diskrepanz zwischen regulatorischen Anforderungen und den Realitäten unterschiedlicher Geschäftsmodelle resultiert: Während AML-Regeln zum Teil eher auf bestimmte Finanzinstitute zugeschnitten sind, fühlen sich Regionalbanken und kleinere Asset Manager oft nicht ausreichend berücksichtigt.
Sind die aktuellen AML/CTF Vorschriften aus Ihrer Sicht hilfreich zur Verhinderung von Geldwäscheerei und Terrorismusfinanzierung – oder sind sie zu wenig praxisnah?
2. Übereinstimmung Kundenidentifikation und -verifizierung mit dem lokalen AML Rahmenwerk
66% der Schweizer Befragten geben an, dass ihre Kundenidentifizierung und ihr KYC-Setup vollständig mit dem aktuellen lokalen AML-Rahmenwerk übereinstimmen (31% teilweise konform, 3% nicht konform). Diese Selbsteinschätzung ist jedoch mit Vorsicht zu betrachten: Unsere jährlichen AML‑Prüfungen zeichnen ein differenzierteres Bild. Wiederkehrende Feststellungen in den Bereichen Onboarding, VSB‑Einhaltung und KYC‑Dokumentation deuten darauf hin, dass die tatsächliche Übereinstimmung hinter der wahrgenommenen zurückbleiben könnte – ein Hinweis für Institute, diese Selbsteinschätzung noch einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen.
3. Updates des AML-Rahmenwerks
AML-Compliance ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Umso erfreulicher ist es, dass 94% der Schweizer Befragten über mindestens eine bereits lancierte oder geplante Initiative zur Aktualisierung ihres AML-Rahmenwerks verfügen. Am häufigsten genannt werden Weiterentwicklung des Rahmenwerks (66%), dedizierte Task Forces (31%), Remediation-Aktivitäten (29%) sowie Gap-Analysen (29%). Dies zeigt, dass die Branche aktiv auf regulatorische Veränderungen reagiert, auch wenn Bedenken hinsichtlich der Praktikabilität der Regeln bestehen bleiben.
4. Auswirkungen auf AML/CTF-Compliance-Kosten (nächste 24 Monate)
In einer Realität, in der Compliance zu einem unvermeidbaren Kostenfaktor geworden ist, erwarten 74% der Schweizer Befragten, dass die AML-Compliance-Kosten in den nächsten 24 Monaten steigen werden. Davon rechnet rund ein Drittel mit einem Anstieg von weniger als 10%, während nahezu die Hälfte einen Zuwachs zwischen 10–30% erwartet; nur ein kleiner Anteil geht von Erhöhungen über 30% aus. Demgegenüber erwarten lediglich 9% sinkende Compliance-Kosten. Insgesamt unterstreichen diese Zahlen die zunehmende finanzielle Belastung durch AML-Compliance sowie die Bedeutung skalierbarer und kosteneffizienter Rahmenwerke.
Die Wirksamkeit von AML-Compliance hängt davon ab, wie regulatorische Anforderungen in tagtägliche Kontrollen umgesetzt werden. Governance, Operating Model, Daten, Systeme und Mitarbeitende bestimmen, ob Rahmenwerke nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis funktionieren.
Die nachfolgenden Ergebnisse zeigen, wie Schweizer Institute ihr AML-Rahmenwerk sowie dazugehörige Kontrollen organisiert und operationalisiert haben, und heben sowohl Reifegrad als auch bestehende Lücken hervor.
1. Wirksamkeit Customer Due Diligence (CDD) – kritischste Faktoren
Bei der Wirksamkeit von CDD setzen Schweizer Institute andere Schwerpunkte als ihre EMEA-Peers. 49% der Schweizer Befragten sehen die Erhebung von Informationen zur Herkunft der Vermögenswerte bzw. Mittel (Source of Wealth/Funds) als den entscheidendsten Faktor, gefolgt von 20%, die die Chain of Control Dokumentation als kritisch erachten (z. B. die vollständige Dokumentation mehrstufiger Strukturen bei juristischen Personen). Dies steht im Gegensatz zu den EMEA Ergebnissen, bei denen 29% der Banken die Chain of Control Dokumentation und 23% Source of Wealth/Funds als wichtigsten Faktor benennen - eine Abweichung, die in der stärkeren Ausrichtung der Schweiz auf High Net Worth Kunden sowie komplexe Strukturen begründet sein dürfte.
2. AML/CTF-Resourcing: Einstellungs- und Kapazitätspläne
Das Thema Ressourcen bleibt ein Spannungsfeld in Schweizer Instituten. Während 63% planen, die AML/CTF-Ressourcen zu erhöhen – 34% ausschliesslich in Compliance, 26% in mehreren Funktionen sowie 3% nur in der First Line - haben beachtliche 37% keine diesbezüglichen Pläne. Diese Lücke deckt sich mit der Erfahrung aus unseren regulatorischen Prüfungen: Häufig identifizieren Compliance-Teams den Bedarf an zusätzlichem Headcount, doch die Zustimmung des Senior Managements zu erhalten, bleibt eine (wiederkehrende) Hürde - ein Indikator für die übergeordnete Herausforderung, operativen Bedarf in ein verbindliches Bekenntnis der Organisation zu übersetzen.
3. Verifizierung Dokumenten-Echtheit
Die Ergebnisse zeigen ein fragmentiertes und teils besorgniserregendes Bild der Dokumentenverifizierung in Schweizer Instituten auf: 34% verlassen sich ausschliesslich auf klassische Verfahren wie beglaubigte Kopien, 20% nutzen eine Vendor Lösung und 11% eine KI gestützte Variante. Auffällig ist zudem, dass 26% kein entsprechendes Tool kennen und 9% nicht aktiv entsprechende Möglichkeiten prüfen. Insgesamt zeigt sich, dass deutlich mehr als die Hälfte der Befragten bislang nicht über traditionelle Verifizierungsansätze hinausgegangen ist – was angesichts zunehmend raffinierter Dokumentenfälschungen reale Risiken birgt.
4. Outsourcing-Bereitschaft
Schweizer Institute zeigen deutlich mehr Zurückhaltung beim Outsourcing von AML Aktivitäten als ihre EMEA Peers: 66% ziehen Outsourcing nicht in Betracht, verglichen mit 48% der Banken und 54% der AWM Firmen in der EMEA Region. Während 20% der Schweizer Befragten externen Managed Services offen gegenüberstehen - und damit etwa im EMEA Durchschnitt liegen - deutet der deutlich höhere Anteil derjenigen, die Outsourcing vollständig ausschliessen, darauf hin, dass dies für viele Schweizer Institute kulturell wie strategisch weiterhin keinen gangbaren Weg darstellt. Angesichts weiter steigender Compliance Anforderungen dürfte diese Haltung jedoch zunehmend unter Druck geraten.
Schweizer Finanzinstitute setzen vermehrt auf Technologie und KI, um ihre AML-Fähigkeiten zu stärken - mit Investitionen in zentrale Kontrollmechanismen, Automatisierung und intelligente Workflows. Doch wie die folgenden Ergebnisse zeigen, eilt der Anspruch der Umsetzung voraus: Herausforderungen bei der Datenqualität, knapp bemessene Budgets und deutliche Automatisierungslücken bremsen den Fortschritt. Das Ergebnis ist ein Markt, der das transformative Potenzial der AML-Technologie zwar erkennt, aber noch einen substanziellen Weg vor sich hat, um aus Absicht Praxis werden zu lassen.
1. Wohin AML-Technologieausgaben fliessen (nächste 24 Monate)
Technologie steht bei der Mehrheit der Schweizer Befragten ganz oben auf der Investitionsagenda. Lediglich ein einziges Finanzinstitut plant keine neuen Technologien. Im Investitionsfokus stehen dabei vor allem Kernkontrollen wie Transaction Monitoring (71%) und Screening (60%), gefolgt von CDD und kundenbezogenem AML-Risk-Scoring mit jeweils 37%. Diese Ergebnisse decken sich weitgehend mit den EMEA-Trends, die zeigen, dass 61% der Banken und 57% der AWM-Unternehmen neue Technologien im Bereich Transaction Monitoring einführen wollen. Auffällig ist jedoch, dass der EMEA-weite Fokus auf CDD mit 58% im Bankensektor deutlich höher ausfällt - ein Hinweis darauf, dass Schweizer Institute in diesem Bereich im Vergleich zu ihren Peers potenziell unterinvestieren.
2. KI-Implementierung und menschliche Kontrolle
73% der Schweizer Befragten ziehen eine KI-Implementierung in ihren AML-Prozessen und -Workflows in Betracht – aufgeteilt auf KI/Machine Learning (53%) und Agentic AI (20%). Dies zeugt von wachsender Offenheit gegenüber fortschrittlichen Technologien im gesamten Sektor. Dennoch ist die Umsetzung der Ambitionen bislang begrenzt: Die Investitionsniveaus bleiben moderat; mehr als die Hälfte der Befragten plant, lediglich 0–3% ihres jährlichen AML/CTF-Budgets für KI zu allozieren. Untermauert wird dies durch unsere regulatorische Prüfungserfahrung, wonach derzeit nur eine sehr begrenzte Anzahl von Instituten KI in der Praxis für compliancebezogene Aktivitäten einsetzt.
3. Hürden bei der KI-Implementierung
Datenqualität zeigt sich hierbei als grösste Hürde: 73% der Schweizer Befragten nennen sie als bedeutendstes Hindernis, gefolgt von regulatorischer Unsicherheit (53%). Dies deckt sich mit den Ergebnissen des EMEA AML Surveys, wonach Datenqualität insgesamt das grösste Hemmnis für die Einführung fortgeschrittener Technologien darstellt - besonders im Banking und in der Versicherungsbranche (64%). Über die Datenqualität hinaus werden auch die operativen Anforderungen einer menschlichen Kontrolle beim Einsatz von KI anerkannt: 91% der Schweizer Befragten bestätigen deren Notwendigkeit. Dies macht deutlich, dass die Einführung von KI nicht nur eine technologische Herausforderung darstellt, sondern ebenso eine Frage der Governance und der Ressourcenausstattung ist.
4. Reifegrad der Automatisierung
Der Reifegrad der Automatisierung in der Schweiz scheint in mehreren Schlüsselbereichen hinter der breiteren EMEA-Region zurückzubleiben. So geben 46% der Schweizer Befragten an, AML-Risikobeurteilungen manuell durchzuführen - ein deutlich höherer Anteil als im EMEA Banking Sektor (26%) und in AWM (29%). Ebenso ist der Unterschied bei Remote Verification für CDD erkennbar: Auffällige 51% der Schweizer Befragten nutzen solche Systeme nicht, und planen auch keine Einführung - ein Ergebnis, das im Gegensatz zur wachsenden Digitalisierung im Kunden-Onboarding in der gesamten EMEA-Region steht. Zusammenfassend deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass - trotz starkem Willen - die Schweizer AML-Technologietransformation noch einen substanziellen Weg vor sich hat.
Die Schweizer Ergebnisse zeichnen das Bild einer engagierten und wachsamen Branche, die jedoch teils konkurrierenden regulatorischen Anforderungen ausgesetzt ist. Eine Mehrheit der Institute erkennt, dass die AML-Vorschriften der operativen Realität nicht gerecht werden, während Compliance-Kosten unaufhörlich steigen. Gerade Letzteres erzeugt ein besonderes Spannungsfeld: Da Budgets zunehmend für reaktive Massnahmen – etwa Remediations-Projekte, Task Forces und nachträgliche Anpassungen des Rahmenwerks – aufgewendet werden, bleibt nur begrenzter Spielraum für strategische Investitionen in Technologie und Innovation, welche Compliance langfristig nachhaltiger machen könnten. Dieses Muster zeigt sich regelmässig auch in unseren regulatorischen AML‑Prüfungen: Aktuelle Feststellungen verdrängen oft genau jene strukturellen Verbesserungen, die den Bedarf für solche Interventionen eigentlich reduzieren würden. Das Ergebnis ist ein schwer zu durchbrechender Kreislauf – einer, den der Schweizer Finanzplatz nicht ignorieren kann.
Um künftig nicht den Anschluss zu verlieren, müssen Schweizer Institute zentrale Hürden adressieren: Datenqualität verbessern, Automatisierungslücken schliessen und das Engagement des Senior Managements für die Ressourcenausstattung sichern. Gleichzeitig ist eine proaktivere Haltung bei der Einführung neuer Technologien erforderlich, um zu vermeiden, dass sich die Lücke zu den EMEA‑Peers noch weiter vergrössert. Institute, die jetzt gezielt in Datenqualität, Automatisierungsreife und skalierbare Technologiearchitekturen investieren, sind am besten positioniert, regulatorische Glaubwürdigkeit und Kundenvertrauen zu sichern - und somit Compliance von einem Kostenfaktor zu einem echten Wettbewerbsvorteil zu entwickeln.
Wo steht Ihr Institut? Ob Sie Ihr AML‑Rahmenwerk einer Gap‑Analyse unterziehen, Investitionen priorisieren oder sich auf kommende regulatorische Entwicklungen vorbereiten - wir stehen Ihnen gerne für einen Austausch zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns, um Perspektiven zu diskutieren, Ihren Ansatz mittels Benchmark zu analysieren und um gemeinsam zu erkunden, wie sich AML Ambitionen in operative Praxis umsetzen lassen.
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