Enterprise Architecture (EA) im Zeitalter agentischer KI entwickelt sich von einer Planungsdisziplin hin zu einer Disziplin, die autonome Agenten sowohl ermöglicht als auch steuert. Die Frage hat sich verschoben – von: „Wie managen wir unsere IT-Landschaft?“ zu:
Wie gestalten wir eine Organisation, in der Menschen und autonome Agenten zusammenarbeiten, um Wert zu schaffen?
Organisationen, die diese Frage früh angehen, verschaffen sich einen deutlichen Vorsprung – nicht, weil sie mehr Agenten haben, sondern weil ihre Agenten innerhalb einer gut gestalteten Architektur arbeiten: effektiv, sicher, an Strategie und Richtlinien ausgerichtet und im Dienst klarer Geschäftsziele.
Und Enterprise Architecture entwickelt sich von Automatisierung hin zu Autonomisierung.
In diesem Sinne gewinnt Business Architecture an Bedeutung: Agenten sind nur so gut wie die Metadaten, die sie leiten. Prozessbeschreibungen, Business Rules und Capability-Definitionen werden zu den Anweisungen, denen sie folgen.
Ihre Business Architecture IST der Prompt.
Heute sind Agenten in Applikationen eingebettet – und sie beginnen, ihre eigenen zu starten, zu verbinden und sogar zu erstellen. Werden Agenten Applikationen ersetzen? Wahrscheinlich nicht. Aber bald könnten die beiden nicht mehr unterscheidbar sein.
Applikationen und Agenten wachsen zusammen.
Agenten lesen Strategien, Richtlinien und Prozessbeschreibungen. Sie fragen nicht nur Datenbanken ab – sie konsumieren Wissen, um zu schlussfolgern, zu planen und zu handeln.
Datenmanagement wird zu Wissenskuratierung.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen und unserer laufenden Gespräche mit unseren Kunden sowie bei PwC Schweiz schlagen wir eine Weiterentwicklung unseres klassischen Enterprise-Architecture-Capability-Models vor: das Agentic Enterprise Architecture Capability Model – schlanker, stärker strukturiert und mit einer klaren dualen Logik:
Dies ist kein Ersatz – es ist eine Weiterentwicklung. Das klassische Modell hat uns zwei Jahrzehnte lang gute Dienste geleistet, und in der Praxis werden wir beide Modelle nebeneinander verwenden und je nach Situation das passende wählen.
Abbildung 2: Das klassische PwC Enterprise Architektur Modell
Abbildung 3: Das KI PwC Enterprise Architektur Modell für die Architekturentwicklung: Die Geschäftsarchitektur gewinnt an Bedeutung, Anwendungen verschmelzen mit Agenten, Daten gehen in Wissen über und Technologie geht in Plattformentscheidungen und den verbleibenden Domänen auf. Das Ergebnis: schlanker – von 5 Domänen auf 4, von 18 auf 12 strategische Fähigkeiten.
Wir freuen uns darauf, unsere Vision für die Zukunft der Enterprise Architecture zu teilen – und sind gespannt auf Ihre Gedanken dazu.
In der heutigen Welt agentischer KI ist das Themenfeld Business Architecture wichtiger denn je – vielleicht sogar noch wichtiger. Agenten benötigen einen klaren Geschäftszweck, um effektiv zu arbeiten. Sie brauchen Value Driver, um Prioritäten zu verstehen, Capability-Definitionen, um das organisatorische Potenzial einzuordnen, sowie Prozessmodelle, um zu erkennen, wie Aufgaben fliessen und wo sie verortet sind.
Die eigentliche Verschiebung besteht nicht nur darin zu definieren, wer oder was liefert – ein Mensch, ein System, ein Agent oder ein Hybrid. Es geht darum, dass Business Architecture zu einem direkten Input für Agenten wird.
Heute sind Prozessmodelle und Capability Maps Dokumentation – von Menschen erstellt, von Menschen gelesen, für Planung und Kommunikation genutzt. In einer agentischen Organisation konsumieren Agenten diese Artefakte, um zu entscheiden, was zu tun ist. Eine Capability-Definition wird zum Vertrag. Ein Prozessmodell wird zur Ausführungsanweisung. Eine Business Rule wird zur Leitplanke. Das bedeutet: Business Architecture muss agent-ready sein – nicht nur beschreibend genug für Menschen, sondern präzise und eindeutig genug, damit ein Agent danach handeln kann.
In einer vollständig agentischen Zukunft brauchen Agenten Metadaten: Prozessbeschreibungen, Business Rules, Capability-Definitionen, Organisationsmodelle, KPIs, Richtlinien – das sind die Anweisungen, denen Agenten folgen.
Beispiele:
Eine gewagte Frage: Warum brauchen wir überhaupt noch Applikationen, wenn wir direkt mit intelligenten, personalisierten Agenten interagieren können? Diese Agenten erledigen jede benötigte Aufgabe – sie benötigen lediglich Daten, Wissen und Unterstützung durch andere spezialisierte Agenten.
Betrachten wir, was heutige Applikationen tatsächlich sind: eine Benutzeroberfläche, Business-Logik, Datenzugriff und Integrationspunkte – gebündelt zu einem Paket. Und was macht ein Agent? Er kommuniziert in natürlicher Sprache, schlussfolgert dynamisch über Business-Logik, greift über Tools und APIs auf Daten zu und orchestriert systemübergreifend.
Das ist jedoch eine Zukunftsrichtung – nicht unsere heutige Realität. Legacy-Systeme werden noch Jahrzehnte bestehen bleiben. Neue Applikationen werden weiterhin gebaut. Und für Aufgaben, die effizient, in grossem Umfang und konsistent erledigt werden müssen, könnten Applikationen weiterhin ihre Berechtigung haben. Dennoch verschiebt sich der architektonische Fokus: weg von Applikationen als primäre Ausführungsschicht hin zu Agenten als primärer Orchestrierungsschicht.
Deshalb haben wir beides in einer Domäne zusammengeführt: Agents & Applications. Heute unterscheiden sich Agenten und Applikationen noch darin, wie sie gebaut, integriert und gemanagt werden. Gleichzeitig rufen Agenten Applikationen bereits auf und betten sie ein und beginnen, eigene Applikationslogik zu generieren. Bald könnten die beiden nicht mehr unterscheidbar sein.
Beispiele:
Daten haben sich von einer unterstützenden Rolle zu einem zentralen Thema entwickelt. Über Jahre hinweg waren sie lediglich ein Bestandteil von Applikationen – in Datenbanken gespeichert, durch Applikationslogik geprägt und von Applikationsteams verwaltet. Dass Daten als eigenständige architektonische Domäne aufgestiegen sind, war eine bedeutende Entwicklung: von Data Warehousing über Master Data Management bis hin zu Data Mesh und Data Products.
Agenten transformieren diese Landschaft weiter: Denn sie fragen nicht nur Datenbanken ab – sie konsumieren unstrukturierte Informationen und Wissen, um zu schlussfolgern, zu planen und zu handeln. Ein Policy-Dokument, ein E-Mail-Thread, eine Prozessbeschreibung – all das wird zu direktem Input für das Verhalten von Agenten. Es reicht nicht mehr aus, Wissen in Dokumenten nur für Menschen verfügbar zu machen. Wir müssen es explizit managen, kuratieren und strukturieren, damit Agenten es lesen, finden und korrekt interpretieren können – für RAG (Retrieval-Augmented Generation), für Kontext und für autonome Entscheidungen.
Das erfordert neue Architekturkonzepte:
Darum haben wir die Domäne von Data Architecture in Data & Knowledge umbenannt. Es geht nicht mehr nur darum, Daten zu speichern und zu modellieren. Es geht darum, die Metadaten und das Knowledge Fabric zu kuratieren, auf dem Agenten schlussfolgern.
Beispiele:
Dabei geht es weniger um agentische KI als um Trends, die sich seit Jahren abzeichnen: Cloud, Virtualisierung, Everything-as-a-Service, Zero Trust.
Wenn Infrastruktur als Service konsumiert wird, nimmt die architektonische Bedeutung ab, Systeme, Netzwerke und Virtualisierung separat zu modellieren. Mit Zero Trust verliert sogar der Netzwerkperimeter an Relevanz – Security ist nicht länger eine Funktion der Topologie, sondern von Identität und Policy.
Was das für Sie bedeutet: Technologie-Capabilities – System-, Netzwerk- und Virtualisierungsarchitektur – gehen zunehmend in Plattformentscheidungen, Cloud-Konfiguration und Security-Policies auf. Sie verschwinden nicht, aber ihre strategische Bedeutung als eigenständige architektonische Domäne nimmt ab. Enterprise Architecture stiftet heute den grössten strategischen Nutzen im Design von Business Capabilities, Agents & Applications sowie den Data & Knowledge, die diese antreiben.
Ein Capability Model definiert, was wir architektieren. Gleichzeitig benötigt ein Unternehmen Capabilities, um Enterprise Architecture zu managen, das Enterprise-Architecture-Repository zu pflegen und Governance sicherzustellen.
Während Enterprise-Architecture-Management und Repository auch in einer agentischen Welt weitgehend stabil bleiben, verändert sich Governance grundlegend. Wenn Agenten autonom handeln, entstehen neue Fragen: Wem gehört ein Agent? Wer ist verantwortlich für seine Entscheidungen? Wie stellen wir Compliance sicher?
Wir lassen bewusst zwei Fragen offen: Wie sollte Governance für autonome Agenten angepasst werden? Und wie werden sich Architekturrollen weiterentwickeln? Das sind Themen für einen weiteren Blogpost.
Enterprise Architecture entwickelt sich weiter. In einer agentischen Welt gilt:
Unser Agentic Enterprise Architecture Capability Model spiegelt diese Verschiebungen wider: Es ist schlanker – mit vier Domänen und zwölf Capabilities – eine Weiterentwicklung, kein Ersatz.
Das ist unser Ausgangspunkt. Wir freuen uns auf Ihren.
Markus Hegi