Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor

Schweizer Gemeinden unter Druck

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  • 18/08/26
Jen Frei

Jen Frei

Director, Public Sector Strategy & Transformation, PwC Switzerland

Léna Thurnherr

Léna Thurnherr

Public Sector Strategy & Transformation, PwC Switzerland

Lara Egger

Lara Egger

Business Development Public Sector, PwC Switzerland

Steigende Aufgabenlast, knappe finanzielle Mittel und fehlende Fachkräfte: Schweizer Gemeinden stehen unter mehrfachem Druck. Bereits 2023 hat PwC aufgezeigt, dass der öffentliche Sektor bis 2030 mit einer erheblichen Fachkräftelücke rechnen muss. Eine aktuelle Umfrage unter 382 Gemeinden zeigt, wo die Belastung am grössten ist, wie Gemeinden reagieren und welche Handlungsoptionen sich abzeichnen. Im Zentrum stehen organisatorischer Druck, Fachkräftemangel und tragfähige Unterstützungsmodelle.

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Gemeindeumfrage 2026

Organisationsdruck wiegt schwerer als Finanzdruck

Um ein genaueres Bild der Lage zu erhalten, haben wir im Frühling 2026 insgesamt 382 Gemeinden aus 25 Kantonen und drei Sprachregionen befragt. Im Mittelpunkt standen ihre finanzielle Situation, organisatorische Herausforderungen und die Verfügbarkeit von Fachkräften. Die Antworten stammen von einer breiten Schweizer Gemeindelandschaft: Knapp die Hälfte der teilnehmenden Gemeinden zählt weniger als 2’000 Einwohner:innen, ein Viertel mehr als 5’000. Zwei Drittel der Rückmeldungen stammen aus der Deutschschweiz, aber auch die Westschweiz (23%) und die italienischsprachige Schweiz (10%) sind vertreten. Am stärksten beteiligt waren die Kantone Bern (64 Gemeinden), Aargau (45), Waadt (43) und Tessin (34). 

Die Auswertung zeigt klar: Der organisatorische Druck ist für viele Gemeinden derzeit noch belastender als der finanzielle. 89% berichten von organisatorischen Belastungen, 83% von finanziellen Herausforderungen (vgl. Abbildung 1). Damit verschiebt sich der Blick weg von reinen Budgetfragen hin zur Frage, wie Gemeinden ihre Aufgaben künftig bewältigen werden.

Abbildung 1: Vergleich finanzieller vs. nicht finanzieller & organisatorischer Drucklevel
(% der Gemeinden, N = 382)

Vergleich finanzieller vs. nicht finanzieller & organisatorischer Drucklevel (% der Gemeinden, N = 382)

Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf bei IT und Cybersicherheit. Fast zwei Drittel der Gemeinden (63%) nennen hier Herausforderungen. Dahinter folgen zentrale Personalthemen: die Abhängigkeit von Schlüsselpersonen (44%), drohender Wissensverlust (32%) sowie Fluktuation und Fachkräftemangel (28%) (vgl. Abbildung 2). Diese Themen zeigen, dass es nicht nur um einzelne Engpässe geht, sondern um die langfristige Leistungsfähigkeit der Verwaltung.

Abbildung 2: Verteilung der organisatorischen und nicht-finanziellen Herausforderungen
(Anzahl Nennungen, N = 382, Mehrfachauswahl möglich, insgesamt 870 Nennungen)

Verteilung der organisatorischen und nicht-finanziellen Herausforderungen (Anzahl Nennungen, Mehrfachauswahl)

Mehr als jede zweite Gemeinde (55%) spürt die Folgen des Fachkräftemangels bereits. Überraschend ist, wo der Mangel besonders stark sichtbar wird: nicht in erster Linie in Bereichen wie Pflege oder Bildung, sondern in den Gemeindeverwaltungen selbst. Am schwierigsten ist die Besetzung von Stellen in Bau und Planung (46%), in der Gemeindekanzlei (45%) sowie im Finanzbereich (28%). Besonders anspruchsvoll bleibt die Suche nach Führungskräften: Jede vierte Kaderposition ist länger als sechs Monate unbesetzt. Gleichzeitig zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Während im Kanton Zürich 82% der Gemeinden vom Fachkräftemangel betroffen sind, liegt der Anteil im Kanton Waadt bei 28% (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3: Anteil Gemeinden mit Fachkräftemangel nach Kanton (Ja + Teilweise)
(*Kantone mit vier oder weniger Antworten werden aufgrund der geringen Fallzahl nicht ausgewiesen. **Der Kanton Glarus war in der Umfrage nicht vertreten.)

Anteil Gemeinden mit Fachkräftemangel nach Kanton (Ja + Teilweise)

Die Ursachen des Fachkräftemangels reichen weit über kurzfristige Rekrutierungsprobleme hinaus. An erster Stelle stehen fehlende Expertise (49% der betroffenen Gemeinden) und demografische Veränderungen (43%). Flexibilität und Arbeitsmodelle werden mit je 16% deutlich seltener genannt. Auch höhere Löhne allein lösen das Problem offenbar nicht: Die Vergütung liegt mit 34% erst an vierter Stelle (vgl. Abbildung 4). Der Mangel wirkt sich bereits auf die Servicequalität aus. Die betroffenen Gemeinden bewerten diesen Einfluss mit 2,85 von 5 Punkten. Damit wird sichtbar: Der Fachkräftemangel bleibt nicht innerhalb der Verwaltung.

Abbildung 4: Hauptursachen des Fachkräftemangels 
(Anzahl Nennungen, N = 209 vom Fachkräftemangel betroffene Gemeinden, Mehrfachauswahl möglich, insgesamt 472 Nennungen)

Hauptursachen des Fachkräftemangels  (Anzahl Nennungen, Mehrfachauswahl, N = 209)

Viele Gemeinden haben bereits reagiert. Doch mehr als die Hälfte der genannten Massnahmen bleibt reaktiv. Projekte werden verschoben, Überstunden geleistet oder Mitarbeitende ausserhalb ihres eigentlichen Kompetenzbereichs eingesetzt. Grössere Gemeinden setzen zwar insgesamt mehr Massnahmen um, handeln dadurch aber nicht automatisch strategischer. Im Gegenteil: Bei Gemeinden mit mehr als 20'000 Einwohner/innen liegt der Anteil reaktiver Massnahmen bei 59%, bei jenen unter 2'000 bei 50%. Strukturelle Ansätze wie interkommunale Zusammenarbeit oder Digitalisierung bleiben bisher die Ausnahme. Besonders auffällig ist zudem, dass 31% der betroffenen Gemeinden angeben, keine Massnahme zu ergreifen. Genau hier liegt ein Risiko: Wenn der Druck weiter steigt, reichen kurzfristige Entlastungen allein kaum aus.

«Viele Gemeinden haben bereits Aufgabengebiete ausgelagert oder gebündelt: Gemeinsame IT, Notariat, Betreibungsamt, Archivdienstleistungen.»

Gemeindeschreiber/in aus der Deutschschweiz

Externe Unterstützung ist längst Alltag

Viele Gemeinden suchen deshalb nicht nur intern nach Lösungen, sondern holen gezielt externe Unterstützung hinzu. 65% der befragten Gemeinden haben bereits externe Unterstützung in Anspruch genommen; bei stark vom Fachkräftemangel betroffenen Gemeinden sind es sogar 86% (vgl. Abbildung 5). Häufigster Auslöser ist der Fachkräftemangel selbst, gefolgt von Personalabsenzen. Fehlendes Know-how spielt dagegen eine deutlich kleinere Rolle. Externe Unterstützung wird also vor allem dann gesucht, wenn Personal und Kapazitäten fehlen und die Verwaltung rasch entlastet werden muss.

Abbildung 5: Anteil externer Unterstützung nach Betroffenheit von Fachkräftemangel
(% der Gemeinden je Gruppe, N = 382)

Anteil externer Unterstützung nach Betroffenheit von Fachkräftemangel

Auch die Art der Beschaffung zeigt, wie gross der Handlungsdruck ist: Rund 60% der Gemeinden, die externe Unterstützung beziehen, vergeben freihändig. Gemeinden suchen also häufig nach Lösungen, die rasch verfügbar sind und unmittelbar entlasten. Das zeigt sich auch bei den Entscheidungskriterien: Mit 78% ist Verfügbarkeit der mit Abstand wichtigste Grund für den Beizug externer Unterstützung, noch vor Zeitdruck und Kosten. 

Kurzfristige Entlastung steht bei vielen Gemeinden zunächst im Vordergrund. Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass externe Unterstützung nicht nur als Notlösung verstanden wird. 70% der Gemeinden können sich Outsourcing vorstellen, zwei Drittel davon bereits innerhalb der nächsten drei Jahre. Besonders attraktiv ist dabei der Zugang zu Fachkompetenz: 71% sehen darin den grössten Vorteil von Outsourcing und Managed Services. Gleichzeitig bestehen weiterhin Vorbehalte, etwa mit Blick auf Abhängigkeit vom Dienstleister, gefolgt von Kosten, Kontrollverlust und politischer Akzeptanz (vgl. Abbildung 6). Genau hier setzt der zweite Blogbeitrag an: Welche Modelle schaffen spürbare Entlastung und stärken Gemeinden, ohne ihre Steuerungsfähigkeit zu schwächen?

Abbildung 6: Vorteile vs. Bedenken von Outsourcing & Managed Services
(% der Gemeinden, N = 382, Mehrfachauswahl möglich, insgesamt 838 Nennungen (Vorteile) bzw. 986 Nennungen (Bedenken))

Vorteile vs. Bedenken von Outsourcing & Managed Services (% der Befragten, Mehrfachauswahl, N = 382)

«Der Druck ist da. Gemeinden, die Kräfte bündeln, erhöhen ihre Flexibilität und stärken ihre Gestaltungsmöglichkeiten.»

Philipp Roth, Leiter Öffentlicher Sektor bei PwC

Ausblick

Die Umfrage macht deutlich: Viele Gemeinden stehen vor anspruchsvollen Herausforderungen. Finanzdruck, organisatorische Belastung und Fachkräftemangel treten selten einzeln auf, sondern verstärken sich häufig gegenseitig. Gerade dort, wo mehrere Themen gleichzeitig zusammenkommen, wird es entscheidend, frühzeitig passende Lösungen zu entwickeln. Hinzu kommt: Viele Ursachen des Fachkräftemangels wirken langfristig, während die Erwartungen der Bevölkerung an rasche und digitale Dienstleistungen weiter zunehmen.

Darin liegt zugleich eine Chance. Gemeinden, die jetzt in regionale Zusammenarbeit, Digitalisierung und gezielten Wissenstransfer investieren, stärken ihre Handlungsfähigkeit und schaffen mehr Spielraum für die Zukunft. So können aus heutigen Engpässen neue Formen der Zusammenarbeit und effizientere Verwaltungsmodelle entstehen. Welche Lösungsansätze konkret möglich sind, zeigen wir im zweiten Blogbeitrag: Dort beleuchten wir, welche Handlungsoptionen Gemeinden nutzen können, welche Outsourcing- und Managed-Services-Modelle zukunftsfähig sind und wie Entlastung gelingt, ohne die Steuerungsfähigkeit der Gemeinden zu schwächen.

Wer hat geantwortet? Ein Überblick über die 382 teilnehmenden Gemeinden nach Grösse, Funktion und Sprachregion:

Nach Gemeindegrösse

Nach Gemeindegrösse (N=382)

Nach Sprachregion

Nach Sprachregion

Nach Funktion

Nach Funktion
  • Die Ergebnisse basieren auf einer Online-Umfrage, die vom 8. Mai bis 1. Juni 2026 durchgeführt wurde. Der dreisprachige Fragebogen (DE/FR/IT) umfasste rund 30 Fragen. 

  • 382 von 2’110 Schweizer Gemeinden haben an der Umfrage teilgenommen (Rücklaufquote: 18,1%). 25 von 26 Kantonen und drei von vier Sprachregionen sind vertreten. 

  • Die Teilnahme war anonym und freiwillig. Bei thematischen Fragen war Mehrfachauswahl möglich. 

  • Geantwortet haben mehrheitlich Gemeindeschreiber/innen und Stadtschreiber/innen (82%), gefolgt von Abteilungsleitenden und weiteren Verwaltungsverantwortlichen.  

  • Das Druck-Level (Kein / Niedrig / Mittel / Hoch) wird anhand der Anzahl genannter Herausforderungen berechnet: 0 = Kein, 1 = Niedrig, 2–3 = Mittel, ≥4 = Hoch. 

  • Die Betroffenheit vom Fachkräftemangel wurde in drei Kategorien erhoben: Ja, Teilweise und Nein.  

  • Die Auswirkungen auf die Servicequalität wurden auf einer Skala von 1 (gar nicht) bis 5 (sehr stark) erhoben. 


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Gemeindeumfrage 2026

Philipp Roth

Lead Partner, Government & Public Sector, PwC Switzerland

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