Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Eine Analyse des EU-AML Reifegrads in Liechtenstein

Liechtenstein AML Survey
  • Survey
  • 30/06/26
83 %

Der Befragten erwarten, dass das EU-AML-Paket einen erheblichen Umsetzungs- und Implementierungsaufwand mit sich bringen wird

50 %

Der Befragten hat sich noch nicht mit der Frage auseinandergesetzt, wie lange es dauern wird, bis sie vollständig compliant sind mit dem EU-AML-Paket

83 %

Der Befragten sehen ihre grösste Herausforderung in den zu abstrakten Vorgaben der EU-Regulatorien sowie fehlenden Praxiserläuterungen

86 %

Der Befragten sehen die grössten Investitionen im Transaktionsmonitoring, 71 % bei den Customer-Due-Diligence-Systemen und 57 % bei den Screening-Funktionalitäten

Eine liechtensteinische Perspektive auf den Umsetzungsstand des EU-AML-Pakets

Dieser Artikel bietet eine Liechtenstein-spezifische Perspektive auf den EMEA AML Survey 2026 von PwC und spiegelt die Antworten von liechtensteinischen Banken sowie Vermögensverwaltern wider. Die Ergebnisse sind aufgrund der geringen Anzahl von Teilnehmenden als Indikatoren und Anhaltspunkte für potenzielle Risiken, Herausforderungen und regulatorische «Red Flags» zu betrachten.

Für den umfassenden EMEA AML Survey 2026, der auf den Antworten von 531 Finanzinstituten in 40 Ländern in Europa, Afrika und dem Nahen Osten basiert, verweisen wir auf die vollständigen Umfrageergebnisse EMEA AML Survey 2026. Die spezifische Schweizer Perspektive wird in der Schweizer AML-Umfrage dargestellt.

Der Finanzplatz Liechtenstein profitiert durch seine Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) von einer einzigartigen globalen Positionierung mit freiem Zugang sowohl zu den EU-Staaten als auch zur Schweiz. Dieser einzigartige Vorteil zieht in Verbindung mit politischer Stabilität und einem liberalen Wirtschaftsrahmen zahlreiche lokale und globale Kunden an, womit auch inhärente GwG Risiken verbunden sind. Die Erkennung von Risiken im Bereich Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung im liechtensteinischen Finanzsektor wird zunehmend anspruchsvoller. Kriminelle Akteure nutzen regulatorische Fragmentierung, geopolitische Veränderungen und die rasche Digitalisierung gezielt aus; Entwicklungen, die die Landschaft der Finanzkriminalität grundlegend verändern.

Als EWR-Mitglied ist Liechtenstein verpflichtet, die EU-Regulierungen umzusetzen. Dadurch sichert sich das Land den uneingeschränkten Zugang zum europäischen Binnenmarkt sowie zu wichtigen Finanzzentren, was die Stellung innerhalb der internationalen Finanzgemeinschaft stärkt.

Das EU-AML-Paket stellt die bislang umfassendste Reform im Bereich der Regulierung zur Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung innerhalb der EU dar. Ziel des Pakets ist es, die Vorschriften in den Mitgliedstaaten zu harmonisieren, aufsichtsrechtliche Lücken zu schliessen und die Fähigkeit der EU zur Erkennung und Verhinderung von Finanzkriminalität zu verbessern. Das Paket umfasst vier EU-Rechtsakte: Die 6. Geldwäsche-Richtlinie (AMLD VI) sowie die drei Verordnungen AMLR, AMLAR und TFR. Die materiellen Geldwäschereibestimmungen für den Privatsektor (Sorgfaltspflichten) werden künftig einheitlich auf EU/EWR-Ebene in der für Liechtenstein unmittelbar anwendbaren AML-Verordnung (AMLR) geregelt. Eine gesonderte Umsetzung in nationales Recht ist daher nicht erforderlich. Vertiefende Hintergrundinformationen finden sich in unserem Artikel «Next Generation – EU AML Package», der die wesentlichen regulatorischen Änderungen in Kürze darstellt.

Die vorliegende Analyse des AML Surveys beleuchtet den Umsetzungsstand liechtensteinischer Institute im Hinblick auf das EU-AML-Paket aus drei Perspektiven: Regulierung, Operations sowie Technologie & KI. Die Analyse basiert sowohl auf den Umfragedaten als auch auf den Erfahrungen von PwC aus früheren SPG-Prüfungen. Sie zeigt auf, in welchen Bereichen die liechtensteinischen Institute den breiteren EMEA-Trends folgen, und wo die Besonderheiten eines kleinen, international vernetzten Marktes besondere Herausforderungen mit sich bringen.

Regulierung in Liechtenstein und das EU-AML-Paket: Auswirkungen, Reifegrad und der Ruf nach regulatorischer Klarheit

Die folgenden Kernaussagen beleuchten, wie liechtensteinische Institute die Umsetzung des EU-AML-Pakets beurteilen.

1. Erhebliche Umsetzungsbelastung erwartet

Die zu erwartenden Auswirkungen des EU-AML-Pakets sind erheblich: 83 % der Befragten gehen von einem hohen bis erheblichen Umsetzungsaufwand aus, der voraussichtlich mindestens 10 % der aktuellen Ressourcenkapazität für prozessuale und technische Anpassungen bis zum Jahr 2027 in Anspruch nehmen wird. Dieses Niveau entspricht weitgehend den Ergebnissen des gesamten EMEA AML Survey 2026.

2. Gemischtes Bild beim Umsetzungsfahrplan

Die erwarteten Zeitpläne für die Umsetzung des EU-AML-Pakets zeigen ein uneinheitliches Bild: 50 % der Befragten haben bislang noch keine Abschätzung vorgenommen, wie lange es dauern wird, bis die vollständige Compliance erreicht ist. Angesichts der verbleibenden Umsetzungsfrist bis zum 10. Juli 2027 ist dies ein hoher Anteil.

Etwa 33 % rechnen mit einem Zeitrahmen von rund zwei Jahren, was weitgehend mit den Ergebnissen des EMEA-weiten Surveys übereinstimmt.

3. Ruf nach mehr regulatorischer Klarheit

Regulatorische Klarheit stellt für liechtensteinische Finanzintermediäre ein zentrales Anliegen dar. Auf die Frage nach der grössten Herausforderung gaben 83 % der Befragten an, dass die aktuellen Vorgaben zu abstrakt seien oder es an praktischen Umsetzungsvorgaben sowie Präzisierungen fehle. Unsere Erfahrungen im Austausch mit verschiedenen Instituten zeigen, dass insbesondere im Hinblick auf die KYC-Anforderungen, die zusätzlichen Datenpunkte, die globalen Überwachungsverantwortlichkeiten und die Transaktionsüberwachung eine erhebliche Unsicherheit besteht.

Darüber hinaus bewerten viele (33 %) die Tendenz zu einem regelbasierten Ansatz anstelle eines risikobasierten Ansatzes als Herausforderung. Diese Einschätzung korrespondiert mit den Rückmeldungen aus dem übergeordneten EMEA AML Survey 2026, insbesondere im Zusammenhang mit den Entwürfen der Regulatory Technical Standards (RTS) zur Customer Due Diligence (CDD).

Operations: Gruppenfunktionen im «Driver Seat»

Der operative Reifegrad wird massgeblich durch die Vielzahl an Instituten mit internationalen Gruppenstrukturen geprägt.

1. CDD als eigenständiger Schwerpunkt gegenüber EMEA

Bei der Effektivität der CDD setzen liechtensteinische Institute andere Schwerpunkte als ihre Peers im EMEA-Raum. So bewerten 50 % der Befragten die Verkürzung der periodischen Reviews als den kritischsten Faktor. Jeweils 17 % stufen die Beschaffung von Chain-of-Control-Dokumentationen (z.B. vollständige Dokumentation von Rechts- und Unternehmensstrukturen), von Informationen zur Source of Wealth (SoW) oder Source of Funds (SoF) sowie weiterer Identifikationsdokumente als grösste Herausforderung ein. Im Gegensatz dazu sehen im EMEA-Durchschnitt 29 % die Chain-of-Control-Dokumentation als kritischsten Faktor, gefolgt von SoW/SoF-Informationen mit 23 %. Dieses Ergebnis bestätigt die bereits heute umfangreichen nationalen Anforderungen an Abklärung und Dokumentation von SoW/SoF, die in der FMA-Richtlinie 2018/7 präzisiert und formell verankert sind.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein hat in ihren Feedbackschreiben zu Vor-Ort-Sorgfaltsprüfungen wiederholt die Bedeutung von KYC betont und hervorgehoben, dass eine kontinuierliche Überwachung sowie wirksame Prüfprozesse essenziell sind für das effiziente Management von Kundenbeziehungen, insbesondere, wenn diese komplex und vielschichtig sind.

2. Transformation zentral gesteuert

Bezüglich der Zuständigkeit für das EU-AML-Paket geben 83 % der liechtensteinischen Befragten an, dass diese bei der Gruppen-Compliance liegt, während 17 % die lokale Compliance als Verantwortliche benennen. In einer separaten Fragestellung bestätigen 50 % der Teilnehmer, dass die Gruppen-Compliance die Initiative zur Aktualisierung des AML/CTF Target Operating Models (TOM) zentral angestossen hat.

3. Umsetzungsansatz abhängig von der Grösse

Zur Umsetzung des EU-AML-Pakets planen 83 % zunächst die Durchführung einer Gap-Analyse, während 67 % den Aufbau einer dedizierten Task Force initiieren. 33 % sehen zudem Team-Schulungen sowie Erweiterungen des bestehenden Rahmenwerks vor.

Dies spiegelt eine grössenabhängige Differenzierung wider, die im Finanzsektor Liechtensteins beobachtet werden kann. Kleinere Vermögensverwaltungsunternehmen konzentrieren sich tendenziell darauf, die grundlegenden Elemente ihrer Compliance-Programme aufzubauen, häufig durch gezielte Gap-Analysen und dedizierte, jedoch schlank gehaltene Task Forces. Grössere Institute verfolgen demgegenüber in der Regel eine stärker governance-orientierte und strukturierte Umsetzungsstrategie. Diese umfasst typischerweise umfassende Gap-Analysen, eine formalisierte Einrichtung von Task Forces sowie breitere Anpassungen der internen Rahmenwerke, ergänzt durch gezielte Schulungsmassnahmen entsprechend den identifizierten Compliance-Prioritäten. Diese Unterschiede können auch auf die jeweils verfügbaren finanziellen Mittel, die interne Expertise sowie die operativen Kapazitäten der Institute unterschiedlicher Grösse zurückzuführen sein.

Technologie & KI: Investitionen in Kernsystemen

Die Technologieinvestitionen in Liechtenstein decken sich weitgehend mit den Prioritäten der gesamten EMEA-Region. Dennoch variiert das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der bestehenden Systeme. Zwar erkennen alle Befragten das technische Potenzial, doch sind die meisten der Ansicht, dass noch ein erheblicher Entwicklungsbedarf besteht, um den aktuellen Anforderungen und regulatorischen Vorgaben vollständig gerecht zu werden.

1. Verhaltenes Vertrauen bei breiter Investitionsbereitschaft

Während 43 % der Befragten die Zweckmässigkeit ihrer Transaktionsüberwachung bejahen, äussern 57 % diesbezüglich Bedenken. Davon planen 29 %, ihre bestehenden Systeme zu verbessern. Gleichzeitig beabsichtigen nahezu alle Befragten, in ihre Transaktionsüberwachung (86 %), CDD-Prozesse (71 %) sowie Screening-Aktivitäten (57 %) zu investieren.

2. Technologie an der Spitze der Investitionsagenda

Technologie steht an der Spitze der Investitionsagenda: 83 % sind derzeit an der Evaluation von geeigneteren Systemen. 50 % setzen ihre Prioritäten auf Prozessoptimierungen sowie auf den Ausbau und die Stärkung zentraler Kontrollen wie CDD (50 %) oder Transaktionsüberwachung (33 %). Im Vergleich dazu zeigt die EMEA-Auswertung, dass 61 % der Banken und 57 % der Vermögensverwalter die Einführung neuer Technologien im Bereich Transaktionsüberwachung planen.

3. Auswirkungen der neuen PEP-Anforderungen auf das Screening

86 % erwarten hinsichtlich der neuen Anforderungen an politisch exponierte Personen (PEP) moderate Auswirkungen auf das Screening. Die Befragten gehen davon aus, dass vorwiegend Feinjustierungen erforderlich sind und sich das Risikoportfolio dadurch nicht wesentlich verändern wird. Dieses Ergebnis spiegelt die diesbezüglich bereits bestehenden strengen regulatorischen Anforderungen in Liechtenstein wider.

4. Datenstrukturen im Reporting stehen unter Druck

Lediglich 72 % erwarten eine Veränderung der Datenstrukturen im GwG-Reporting, obwohl die Mehrheit die erweiterten Anforderungen an Datenpunkte als eine der zentralen Herausforderungen betrachtet.

5. Neue Anforderung an die Dokumentenprüfung als Kostentreiber

Das Konsultationspapier zum Entwurf des Regulatory Technical Standards (RTS) gemäss Art. 28 Abs. 1 der Verordnung (EU) 2024/1624 führt neue Anforderungen für Institute ein. Diese sind angehalten, Werkzeuge zur Verifizierung der Echtheit von Dokumenten einzusetzen, um Fälschungen oder Manipulationen erkennen zu können. 50 % der Befragten gaben an, aktiv nach solchen Systemen zu suchen, während ein Drittel weiterhin ausschliesslich auf klassische Mittel wie beglaubigte Kopien setzt.

Für Unternehmen, die bislang noch nicht über robuste Systeme zur Dokumentenechtheitsprüfung verfügen, wird die Erfüllung der neuen EU-Anforderungen voraussichtlich mit erheblichen finanziellen Investitionen und Systemanpassungen verbunden sein. Auch wenn die Anforderungen auf den ersten Blick nicht neu erscheinen mögen, werden sie für Finanzintermediäre, die noch keine entsprechende Lösung implementiert haben, praktische und weitreichende Konsequenzen mit sich bringen.

6. Outsourcing bleibt die Ausnahme

Im Bereich Outsourcing spiegeln die Antworten den Markt- und Praxistrend wider: 83 % der Befragten erwägen kein Outsourcing als Managed-Service-Option, während 17 % das Outsourcing von AML-Funktionen an die Muttergesellschaft in Betracht ziehen.

«Closing the Gap» – eine liechtensteinische Perspektive

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich der Finanzplatz Liechtenstein mit den bevorstehenden Neuerungen des EU-AML-Pakets auseinandersetzt. Die Umsetzung befindet sich bei den Instituten jedoch überwiegend noch in einem frühen Stadium. So hat die Hälfte der Befragten bislang keinen detaillierten Umsetzungsplan erstellt.

Die geäusserten Bedenken über abstrakte Vorgaben weisen darauf hin, dass die Institute klarere regulatorische Leitlinien erwarten, bevor sie konkrete Umsetzungspläne entwickeln und verbindliche Entscheidungen treffen. Obwohl sich die liechtensteinischen Institute der erheblichen bevorstehenden Umsetzungsbelastung bewusst sind, 83 % rechnen mit hohen oder erheblichen Auswirkungen, deutet die Präferenz für eine klarere regulatorische Ausrichtung auf einen vorsichtigen und abwartenden Ansatz bei der finalen Compliance-Vorbereitung hin. Diese Haltung spiegelt weitgehend die EMEA-weiten Herausforderungen wider, insbesondere hinsichtlich der erwarteten Auswirkungen, des zunehmenden Drucks im Bereich Customer Due Diligence (CDD) sowie des Rufes nach mehr regulatorischer Klarheit.

Angesichts der vielen offenen Fragen kommt den RTS eine zentrale Bedeutung bei der Gestaltung wirksamer regulatorischer Vorgaben zu. In diesem Zusammenhang führt die European Anti-Money Laundering Authority (AMLA) öffentliche Konsultationen durch, um die Meinungen und Perspektiven aller relevanten Interessensgruppen einzuholen, bevor sie ihre regulatorischen Anforderungen finalisiert.

Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass sich die betroffenen Institute der bevorstehenden Veränderungen bewusst sind und sich entschlossen zeigen, diese umzusetzen. Gleichzeitig zeigen die Antworten jedoch, dass das Ausmass der Auswirkungen und die erforderlichen Massnahmen bislang in einigen Fällen noch nicht vollständig erkannt wurden. Für die Institute führt langfristig kein Weg daran vorbei, sich den grundlegenden Herausforderungen zu stellen, die aus den Ergebnissen hervorgehen. Mehr als die Hälfte der Befragten hinterfragt aktuell ihre Fähigkeit zur effektiven Überwachung von Transaktionen. Liechtensteinische Institute, die jetzt gezielt in Datenqualität, Automatisierung und skalierbare Technologiearchitekturen investieren, werden am besten positioniert sein, um die regulatorische Glaubwürdigkeit und das Kundenvertrauen zu erhalten, auf denen der Finanzplatz Liechtenstein aufgebaut ist. Eine starke Compliance wird dadurch von einem reinen Kostenfaktor zu einem echten Wettbewerbsvorteil.

Wie ist der aktuelle Stand in Ihrem Unternehmen?

Ganz gleich, ob Sie Unterstützung bei der Identifizierung und Analyse von Lücken, der Priorisierung von Massnahmen oder der Umsetzung benötigen – wir stehen Ihnen gerne als kompetenter Partner zur Seite. Nutzen Sie die Gelegenheit zum Dialog mit uns, um gemeinsam massgeschneiderte Lösungen für eine erfolgreiche und termingerechte Umsetzung der neuen Anforderungen des EU-AML-Pakets zu erarbeiten.

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