Studie Gesundheitssystem

Schweizer Bevölkerung will beides: mehr Prävention und mehr Eigenverantwortung

  • Press Release
  • 08/09/26

  • Prävention und Eigenverantwortung: 79 % wünschen aktive Präventionsangebote, 72 % betonen die Eigenverantwortung.
  • Vergütung und Kosten: 53 % wollen eine wertorientierte Vergütung, 69 % eine strikte Kostenkontrolle.
  • Gesundheitsdaten: 51 % befürworten eine stärkere Datennutzung, 65 % deren Einsatz für Prävention und Versorgungsplanung.

Zürich, 8. September 2026 – Die Schweizer Bevölkerung sieht keinen Widerspruch zwischen Eigenverantwortung und einem Gesundheitssystem, das Prävention aktiv ermöglicht. Das zeigt eine repräsentative Befragung von 1’026 Personen für die neue PwC-Studie «A Strong System at a Turning Point». Ihr Fazit: Das Schweizer Gesundheitswesen braucht nicht mehr Einzelreformen, sondern eine gemeinsame strategische Richtung.

Das Schweizer Gesundheitssystem zählt zu den besten der Welt. Es bietet einen breiten Zugang, eine hohe Versorgungsqualität und geniesst grosses Vertrauen. Gleichzeitig steht es an einem Wendepunkt: Die Nachfrage steigt, Fachkräfte fehlen, die Kosten belasten Haushalte zunehmend und die Digitalisierung kommt nur langsam voran.

Zahlreiche Reformen sind bereits angestossen, greifen jedoch zu wenig ineinander. Die Studie rückt deshalb drei Fragen ins Zentrum und formuliert deren Ausprägungen: Wofür soll das System bezahlen? Wie lässt sich Prävention stärken? Und wie sollen Gesundheitsdaten genutzt werden?

«Um die bestmögliche Versorgungsqualität für Patient:innen und die gesamte Bevölkerung sicherzustellen und zugleich die Kosten auf einem Niveau zu halten, das für die Gesellschaft tragbar ist, müssen wir den Fokus von der Frage ‹Was kostet weniger?› hin zu ‹Was schafft nachhaltigen Wert?› verschieben», sagt Maire Walsh, Partner und Health Industry Leader bei PwC Schweiz.

Bezahlbarkeit und Qualität sind keine Gegensätze
Die Bevölkerung versteht Bezahlbarkeit und Qualität nicht als Alternativen. 53 % der Befragten sprechen sich für Vergütungsmodelle aus, die Qualität und Nutzen stärker belohnen. Gleichzeitig verlangen 69 % eine strikte Kostenkontrolle. Die Ergebnisse zeigen: Die Bevölkerung erwartet einen kostenbewussten Einsatz der vorhandenen Ressourcen – gleichzeitig aber auch stärkere Anreize für Qualität, Prävention und langfristige Nachhaltigkeit.

Prävention stärker im System verankern
Das Schweizer Gesundheitssystem ist stark darin, Krankheiten zu behandeln. Prävention hingegen ist zu wenig im System verankert: Nur rund 1,5 % der gesamten Gesundheitsausgaben fliessen in die Prävention – einer der niedrigsten Werte in der OECD. Im Jahr 2024 betrugen die Ausgaben der Schweiz für Prävention rund 1,5 Milliarden CHF. Um jedoch den OECD-Durchschnitt von 3,4 % der Gesundheitsausgaben zu erreichen, müsste die Schweiz jährlich zusätzlich etwa 1,8 Milliarden CHF in präventive Massnahmen investieren.

Die Bevölkerung unterstützt diese Ausrichtung klar: Laut Umfrage wünschen sich 79 % der Befragten aktive Screening- und Präventionsangebote. 77 % sind der Ansicht, dass mehr für eine frühere Erkennung von Gesundheitsproblemen getan werden muss. Gleichzeitig sehen 72 % die Verantwortung für die eigene Gesundheit primär beim Individuum. Gefragt ist somit keine Bevormundung, sondern ein zugängliches Angebot, das Eigenverantwortung unterstützt. Heute variiert die Verfügbarkeit jedoch je nach Kanton. Zentral neben den Präventionsmassnahmen ist eine entsprechende Ausrichtung der Anreize am Ziel der Gesunderhaltung, konstatiert die Studie.

Gesundheitsdaten verantwortungsvoll nutzen
Die Schweizer Bevölkerung steht einer intensiveren Nutzung von Gesundheitsdaten grundsätzlich positiv gegenüber, verlangt dabei jedoch klare Schutzmechanismen und Transparenz. So befürworten 51 % eine stärkere Nutzung für Versorgung, Forschung und Planung, während 65 % insbesondere den Einsatz zur Prävention und Versorgungsplanung unterstützen. Wichtig ist ihnen, dass Datenschutz und transparente, vertrauenswürdige Governance gewährleistet bleiben.

«Die Zukunft des Schweizer Gesundheitssystems wird nicht durch einzelne Reformen, sondern durch deren gemeinsame Ausrichtung bestimmt», betont Bodo Baumeister, Partner und Health Industry Advisory Leader bei PwC Schweiz. «Entscheidend sind drei Eckpfeiler: wertorientierte Finanzierung, systemgestützte Prävention und eine vertrauenswürdige Dateninfrastruktur. Nur wenn diese Bereiche ineinandergreifen, kann das Gesundheitssystem nachhaltige Anreize setzen, die Versorgung besser koordinieren und langfristig die Gesundheit der Bevölkerung sichern.»

Über die Studie
Für die Studie wurden internationale und Schweizer Fachliteratur, öffentliche Daten und Benchmarks ausgewertet. Ergänzend wurden 16 Interviews mit Expert:innen aus dem Schweizer Gesundheitswesen geführt sowie eine repräsentative Befragung unter 1’026 in der Schweiz lebenden Personen durchgeführt (vom 5. bis 12 Juni 2026).
 

«Health Care»-Studie

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