Ambulantisierung kommt voran, aber zu langsam: Die ambulanten Erträge legten 2025 um 5,2 % zu, stationäre Erträge um 3,0 %. Der Umbau der Versorgung kommt voran, bleibt aber anspruchsvoll. Ambulante Leistungen machen erst 35,7 % der Patientenerlöse aus.
Psychiatrien spüren steigenden Versorgungsdruck: Besonders ambulante Angebote sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie gewinnen weiter an Bedeutung.
Rehabilitation als Stabilitätsanker: Sie bleibt mit 10,9 % EBITDAR-Marge der finanziell stärkste Bereich und wird für vernetzte Versorgungsmodelle wichtiger.
Zürich, 30. Juni 2026 – Die Schweizer Spitäler haben sich 2025 finanziell deutlich erholt. Das zeigt die aktuelle 15. PwC-Spitalstudie «Schweizer Spitäler: So gesund waren die Finanzen 2025» eindrücklich. Akutspitäler, Psychiatrien und Rehabilitationseinrichtungen steigerten ihre Erträge und verbesserten ihre Margen. Doch für eine nachhaltige Entwarnung reicht das nicht: Fachkräftemangel, Investitionsbedarf und Herausforderungen bei der Finanzierung bleiben zentrale Themen. Gleichzeitig eröffnen der Ausbau ambulanter Angebote, digitale Innovationen und abgestufte Versorgung bis 2045 grosses Potenzial, um das Gesundheitssystem zukunftssicher zu machen.
Starke Ergebnisse 2025 – doch noch kein Grund zur Entwarnung
Besonders deutlich zeigt sich die Erholung in der Akutsomatik. Die Akutspitäler steigerten ihren Betriebsertrag 2025 im Median um 4,4 %. Die EBITDAR-Marge stieg auf 6,8 %, die Reingewinnmarge kehrte mit 1,0 % erstmals seit Jahren wieder in den positiven Bereich zurück. Gleichzeitig bleibt die finanzielle Lage angespannt: Die PwC-Zielmarge von 10 % EBITDAR wird weiterhin klar verfehlt, und die Kapitalrendite von 2,2 % liegt unter den geschätzten Kapitalkosten der Branche. «Die Spitäler sind im Median zurück in der Gewinnzone und verdienen damit operativ wieder Geld, erwirtschaften aber noch nicht genug, um Infrastruktur, Medizintechnik, digitale Transformation und neue Versorgungsmodelle nachhaltig zu finanzieren. Nur jedes achte Spital des PwC-Sample ist strukturell profitabel genug», konstatiert Patrick Schwendener, Managing Director und Leiter Deals Healthcare bei PwC Schweiz.
Ambulantisierung ist kein Selbstläufer
Ein wichtiger Treiber ist das ambulante Geschäft. Die ambulanten Erträge der Akutspitäler wuchsen 2025 mit 5,2 % wiederum stärker als die stationären Erträge mit 3,0 %. Trotzdem machen ambulante Leistungen erst 35,7 % der Patientenerlöse aus. Zudem erfolgt in der Schweiz erst rund jeder fünfte Eingriff ambulant. Die politisch gewünschte Ambulantisierung kommt voran, aber noch nicht schnell genug, um Kosten, Personalbedarf und Investitionsdruck nachhaltig zu dämpfen. Die Ambulantisierung braucht deshalb eigene Betriebsmodelle, klare Prozesse, eine passende Infrastruktur und Anreizsysteme, die eine ambulante Versorgung ermöglichen, statt bremsen. Durch schlanke Strukturen und konsequente Prozessdisziplin sind bis zu 15 % Effizienzsteigerung möglich.
Psychiatrie: Wachstum und Digitalisierung im Fokus
Auch die Psychiatrien verbesserten ihre finanzielle Lage. Ihr Betriebsertrag stieg 2025 um 4,8 %, die EBITDAR-Marge lag bei 7,5 % und die Reingewinnmarge bei 1,5 %. Gleichzeitig nimmt der Versorgungsdruck weiter zu – insbesondere im ambulanten Bereich sowie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ambulante Leistungen legten um 8,0 % zu. Die Studie zeigt: Entlastung versprechen vor allem niederschwellige Angebote, tagesklinische Strukturen, aufsuchende Versorgung und digital unterstützte Früherkennung. Neue Vergütungsmodelle sind gefragt, um diese Angebote zu finanzieren.
Rehabilitation: integrierte Versorgung im Wandel
Die Rehabilitation bleibt der margenstärkste Bereich. Die mediane EBITDAR-Marge erreichte 2025 10,9 %, alle analysierten Rehabilitationseinrichtungen erzielten positive Reingewinnmargen. Der Bedarf dürfte aufgrund der demografischen Entwicklung weiter steigen. Gleichzeitig verändert sich die Rolle der Rehabilitation: sie wird verstärkt Teil eines integrierten Versorgungskontinuums – mit früheren Übergängen aus der Akutsomatik, hybriden Behandlungsmodellen, Telemedizin und digital unterstützter Nachsorge.
«Die Ergebnisverbesserung schafft Spielraum, ersetzt aber keine strukturelle Transformation. Spitäler müssen ihre Betriebsmodelle weiterentwickeln, ambulante Angebote gezielt ausbauen und digitale Möglichkeiten konsequent nutzen», sagt Philip Sommer, Partner und Leiter Beratung Gesundheitswesen bei PwC Schweiz.
Die Studie macht deutlich: Die finanzielle Erholung ist ein wichtiges Signal, aber keine Trendwende aus eigener Kraft. Um den steigenden Versorgungsbedarf bis 2045 zu bewältigen, braucht es mehr Ambulantisierung, stärker abgestufte Versorgung, konsequente Digitalisierung und Finanzierungsmodelle, die Investitionen und Effizienzgewinne ermöglichen.
Über die Studie
Die Studie «Schweizer Spitäler: So gesund waren die Finanzen 2025» analysiert wie bereits in den Vorjahren die operativen und finanziellen Schlüsselkennzahlen und quantitativen Marktentwicklungen des Schweizer Gesundheitswesens. Dazu wurden die publizierten Jahresrechnungen 2007 bis 2025 von 42 Akutspitälern unterschiedlicher Grösse aus fast allen Kantonen analysiert. Zusätzlich wurden 12 Psychiatrien aus dem öffentlichen Sektor untersucht und zahlreiche Interviews und Hintergrundgespräche durchgeführt. Die Studie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Repräsentativität für das gesamte Schweizer Gesundheitswesen.
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