Blockchain Start-ups und Projekte im Gesundheitswesen

Jan-Philipp Weber, CFA Manager Deals und Experte Blockchain, PwC Switzerland 19 Nov 2018

Der untenstehende Artikel soll Einblicke in Blockchain bezogene Start-ups und Projekte geben, die im Gesundheitswesen und der biomedizinischen Industrie tätig sind.

Blockchain und Initial Coin Offerings

Trotz der in den letzten Monaten laut Google-Trends rückläufigen Popularität hat das gesellschaftliche Interesse an den Themen «Blockchain» und «Initial Coin Offerings» (ICO) seit Anfang 2017 stark zugenommen. Dies widerspiegelt sich auch in den Preisen digitaler Währungen, Vermögenswerte oder virtueller Münzen, sogenannte «Tokens». Im Jahr 2017 konnten weltweit kräftige Kurssteigerungen verzeichnet werden, da sich die Gesamtmarktkapitalisierung aller auf «Coinmarketcap» aufgeführten Kryptowährungen von rund 18 Milliarden US-Dollar auf über 820 Milliarden USD vergrösserte. Zwar verläuft das Jahr 2018 aus Anlegersicht bisher enttäuschend, da die Gesamtmarktkapitalisierung per 15. November 2019 nur noch ca. 181 Milliarden USD beträgt. Dennoch bedeutet dies immer noch fast eine Verzehnfachung gegenüber Anfang 2017.

Von Januar 2017 bis Ende September 2018 haben ICO-Organisatoren weltweit rund 13.3 Milliarden USD eingenommen, davon entfallen mehrere hundert Millionen Dollar auf das Gesundheitswesen und die biomedizinische Industrie. Im folgenden Abschnitt stellen wir kurz vor, zu welchen Zwecken die eingenommen finanziellen Mittel verwendet werden.

Start-ups und Projekte im Gesundheitswesen und in der biomedizinischen Industrie

Das Start-up Elektra Labs hat zusammen mit dem Center for Biomedical Blockchain Research eine Datenbank für Blockchain-bezogene Start-ups und Projekte im Gesundheitswesen und der biomedizinischen Industrie erstellt. Die Datenbank enthält aktuell 152 verschiedene Start-ups und Projekte, die nach deren Bereich (bzw. Fokus) und der Verwendung der Blockchain-Technologie klassifiziert wurden (sogenannte Blockchain-Funktion). Nachfolgend stellen wir die Start-ups und Projekte kurz vor, die am häufigsten anzutreffen sind.

Klassifizierung nach Bereich 

Rund 30% der Start-ups und Projekte können dem Cluster «betriebliche Abläufe und Prozesse» zugeordnet werden. Häufig haben diese Start-ups und Projekte die Zielsetzung, bestehende betriebliche Abläufe und Prozesse zu optimieren bzw. Effizienzsteigerungen zu erzielen. Darunter fällt bspw. die Verbesserung des Zahlungs- oder Abrechnungsmanagements. Das zweitgrösste Cluster «elektronisches Patientendossier» enthält rund 18% der Start-ups und Projekte. Das Ziel dieser Projekte besteht darin, Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Eigentum und der Interoperabilität (z.B. grenzüberschreitend) elektronischer Patientendatensystemen zu lösen. Das drittgrösste Cluster «digitale Medizin und Pflege» enthält rund 13% aller Start-ups und Projekte. Diese fokussieren sich beispielsweise auf die Verbesserung der Anreizsysteme für die klinische Versorgung (z.B. auf Artificial Intelligence basierte Telemedizin).

Klassifizierung nach der Blockchain Funktion

Etwa 39% der Start-ups und Projekte nutzen die Blockchain Technologie im Rahmen des Daten- und Asset-Managements. Die Idee dieser Start-ups und Projekte besteht darin, dass die Nutzer oder Patienten ihre Gesundheitsdaten (z.B. Patientenakte), die dezentral auf der Blockchain gespeichert sind, selber halten und verwalten. Dadurch besitzen sie eine vollumfängliche Datenkontrolle und können selber entscheiden, welche Daten sie welchen Parteien und in welchem Umfang zur Verfügung stellen möchten. Mögliche Anwendungsfelder sind das Identitätsmanagement, Patientendaten, Daten von internen Gesundheitssystemen oder Loyalitätsprogramme von Krankenversicherungen (z.B. durch Tracking der Schritte). Das zweitgrösste Cluster sind dezentralisierte Börsenplätze bzw. Handelsplattformen (sogenannte «Marktplätze», 23%), die das Handeln und den Austausch dieser Daten fördern und erleichtern (z.B. durch Anreizsysteme). Start-ups und Projekte des drittgrössten Clusters «Zahlungen und Forderungen (15%)» haben die Zielsetzung, Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen in den Bereichen der Rechnungsstellung oder des Forderungsmanagements zu erreichen (z.B. über die Entwicklung entsprechender Plattformen und Ökosysteme). 

Das Wichtigste in Kürze

Zahlreiche Start-ups und Projekte haben die Zielsetzung, bestehende Prozesse im Gesundheitswesen und der biomedizinischen Industrie auf Basis der Blockchain Technologie zu verbessern. Für dies wurden am ICO-Markt mehrere hundert Millionen Dollar eingenommen. Einige dieser ICO-Organisatoren haben ihren Sitz in der Schweiz oder planen aktuell, in der Schweiz ein ICO durchzuführen. Dadurch drängen junge Technologie-Unternehmen in den Schweizer Gesundheitsmarkt. Diese könnten für etablierte Marktteilnehmer wie Spitäler oder auch Krankenkassen interessant sein, sei es als Innovationspartner, als Kooperationspartner oder gar als Akquisitionsmöglichkeit. Die Zukunft wird zeigen, ob und welche Blockchain-Lösungen sich im Gesundheitsmarkt durchsetzen können und welche Rolle der Standort Schweiz dabei spielen wird.

 

Contact us

Patrick Schwendener, CFA
Director, Leiter Deals Gesundheitswesen, PwC Switzerland
Tel.: +41 58 792 15 08
E-Mail

Jan-Philipp Weber, CFA
Manager Deals und Experte Blockchain, PwC Switzerland
Tel.: +41 58 792 29 82
E-Mail