Eine einzigartige Chance, zu einem verantwortungsvollen Vorbild für Unternehmen zu werden

Beginnen Sie jetzt, Ihr ESG-Profil zu schärfen

Immer mehr Unternehmensrepräsentanten – viele von ihnen aus dem Bereich Investor Relations – kontaktieren uns mit folgender Frage: Wie sehen die nächsten Schritte nach der knappen Ablehnung der Initiative «Für verantwortungsvolle Unternehmen – zum Schutz von Mensch und Umwelt» (Konzernverantwortungsinitiative) im vergangenen November aus? Die Regulierung wird sich in der Tat ändern, und die Schweizer Unternehmen werden vor der Herausforderung stehen, sich an die strengeren, von der EU inspirierten Standards in Bezug auf die Offenlegung sowie eine sektorbezogene Menschenrechts-Due-Diligence, insbesondere hinsichtlich Kinderarbeit und Konfliktmineralien, anzupassen. Doch was als Diskussion mit Kunden über die Fallstricke der neuen Vorschriften beginnt, endet oft als Gespräch über die Möglichkeiten, die sich durch den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft eröffnen. In diesem Blogbeitrag erklären wir, wie Sie die Zügel in die Hand nehmen und Best-in-Class werden können – und warum der aktuelle Berichtszyklus ein guter Zeitpunkt ist, um jetzt damit zu beginnen.

Im Vorfeld der Abstimmung über die Schweizer Konzernverantwortungsinitiative am 29. November 2020 zeigte sich interessanterweise, dass viele Unternehmen und ihre Stakeholder am Puls der Zeit gleicher Meinung waren: Diese Abstimmungsvorlage ist als Ausdruck wachsender Erwartungen an Wirtschaftsunternehmen und ihre Rolle in der Gesellschaft zu sehen.

Sind Sie bereit, den höheren Erwartungen und dem Branchenvergleich zu genügen?

Seit der Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative hat sich dieser Trend nicht abgeschwächt. Am 12. Januar 2021 hat die Schweiz der Arbeitsgruppe zur Klimaberichterstattung (Task Force on Climate-related Financial Disclosures, TCFD) offiziell ihre Unterstützung zugesagt.  Die TCFD stellte Empfehlungen auf, um die Transparenz von Unternehmen in Bezug auf Klimarisiken zu verbessern. Der Bundesrat appellierte an die Schweizer Unternehmen aller Wirtschaftssektoren, ab sofort mit der freiwilligen Umsetzung dieser Empfehlungen zu beginnen. Noch in diesem Jahr soll ein Gesetzesentwurf vorgelegt werden, um die Empfehlungen verbindlich zu machen. Ferner überarbeitete die Ethos Stiftung, ebenso wie eine Reihe anderer Stimmrechtsvertreter, im Dezember 2020 ihre Stimmrechtsrichtlinien für die Generalversammlungen 2021 und führte ein neues Kapitel ein, das der Genehmigung der Klima- und Klimastrategieberichte der Unternehmen gewidmet ist («Say on Climate»).

Noch wichtiger ist die Erkenntnis der Unternehmen, dass Investoren, potenzielle Partner und Stakeholder Transparenz in Umwelt-, Sozial- und Governance-Angelegenheiten (ESG) berücksichtigen, wenn sie entscheiden, mit wem sie eine Geschäftsbeziehung eingehen. Dafür gibt es zum einen formale Gründe. Die von den Vereinten Nationen geförderten Principles for Responsible Investment (PRI) sehen beispielsweise vor, dass die Unterzeichner (darunter viele institutionelle Anleger und Vermögensverwalter) von den Unternehmen, in die sie investieren, eine angemessene Offenlegung zu ESG-Themen verlangen. Ähnliche Anforderungen stehen im Mittelpunkt der ersten Massnahmen, die im Rahmen des EU-Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums verabschiedet wurden (Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor und Taxonomie-Verordnung – SFDR). Damit Banken und Vermögensverwalter ihre Kunden über die ESG-Verträglichkeit ihrer Anlagen beraten können, müssen die Unternehmen, in die investiert wird, wichtige Kennzahlen zu den Risiken und Chancen ihrer Aktivitäten offenlegen. Damit drängen Finanzunternehmen die Realwirtschaft zur Einhaltung sinnvoller Transparenzanforderungen.

Die Gründe sind indessen nicht ausschliesslich formaler Natur. Wichtig ist dabei auch, die Wechselwirkung zwischen nichtfinanzieller und finanzieller Berichterstattung zu erkennen. Unternehmen müssen nichtfinanzielle Informationen gemäss den Vorschriften offenlegen. Diese nichtfinanziellen Informationen liefern eine Basis für Anleger zur Beurteilung der Konformität von Umsätzen, Investitionen sowie Betriebskosten von Unternehmen mit ESG-Anforderungen. Bei der Optimierung Ihrer ESG-Berichterstattung geht es also nicht nur darum, einen konformen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen. Tatsächlich eröffnet sich dem Unternehmen eine Chance, auf eine eindeutigere ESG-konforme Steuerung zu setzen, die sich wiederum finanziell bezahlt macht.

Entscheidend ist zudem, die zugrunde liegenden Entwicklungen zu verstehen. Ultimatives Ziel der Aufsichtsbehörden ist es, dass Anleger und Kreditgeber über die notwendigen Informationen verfügen, um ESG-bezogene (und insbesondere klimarelevante) Risiken und Chancen zu bewerten. Dies setzt voraus, dass angemessene Kontrollen die Erstellung und Offenlegung dieser Informationen regeln, ähnlich denen, die für die Erstellung der regulären Jahresabschlüsse verwendet werden. Irgendwann wird die ESG-Performance eines Unternehmens auf der Grundlage standardisierter Kriterien mit der seiner Mitbewerber verglichen werden. Der Markt wird diejenigen abstrafen, die die erwarteten Bewertungen nicht erfüllen, während auf die Gewinner erhebliche potenzielle Belohnungen warten, darunter erfüllte Anlegererwartungen, bessere Geschäftsergebnisse sowie weniger Kosten und Hindernisse auf dem Weg zu ihren Zielen.

Bild Verantwortungsvolle Geschäftsführung

Verantwortungsvolle Geschäftsführung

Sehen Sie sich die Aufzeichnung unseres vergangenen Webinars zum Thema «Responsible business conduct: what challenges lie ahead?» an. Erfahren Sie mehr über strengere Sorgfaltspflichten, Auswirkungen auf sozial verantwortliche Unternehmen und Best Practices aus unserer Podiumsdiskussion.

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Es ist wichtig, die Wechselwirkung zwischen nichtfinanzieller und finanzieller Berichterstattung zu erkennen. Die nichtfinanziellen Daten liefern für Anleger die Grundlage zur Beurteilung der ESG-Anforderungen, wie sie in Umsätzen, Investitionen und Betriebskosten zum Ausdruck kommen.

Auftrieb für nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen

Es gibt jetzt ein Zeitfenster, um die Vorteile dieser Situation zu nutzen. Für Unternehmen ist dies eine Chance, um sicherzustellen, dass ihr ESG-Profil mit ihren Werten übereinstimmt. Nur dann können sie, wenn es soweit ist, der Prüfung standhalten. Hierfür müssen Unternehmen die richtigen quantitativen und qualitativen Daten erfassen, um ihr Engagement für Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung präzise nachzuweisen.

Das geht nicht von heute auf morgen. Ein aussagekräftiges Programm für verantwortungsvolles Handeln braucht Substanz. Um die Bereiche, die gemäss dem Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative offengelegt werden sollen, transparent zu machen, muss Ihr Unternehmen beispielsweise seine Prozesse und seine Lieferkette überprüfen und Wege finden, diese effizient zu steuern. Für einen besseren Einblick in Ihre Prozesse müssen Sie Ihre wichtigsten Stakeholder identifizieren und den Dialog mit ihnen suchen. Das braucht Zeit, aber wenn Sie dies jetzt tun, können Sie eventuelle Lücken im Vergleich zu ähnlichen Akteuren auf dem Markt erkennen und schliessen. Der Prozess des Nachdenkens über die Punkte, die Sie offenlegen müssen und wie Sie diese offenlegen, kommt Ihrem gesamten Unternehmen zugute. Sobald Sie ein Problem erkannt haben, können Sie es angehen.

Wie funktioniert dies in der Praxis? Der Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative als Beispiel

Die Konzernverantwortungsinitiative ist nicht die einzige Herausforderung, der sich Unternehmen in Bezug auf Transparenz und Offenlegung stellen müssen. Unternehmen in der Schweiz stellt sie jedoch derzeit unter erheblichen Druck. Werfen wir also einen kurzen Blick darauf, wie Ihr Ansatz zur Erfüllung der Anforderungen des Gegenvorschlags aussehen könnte.

Das Gesetz listet die spezifischen Indikatoren oder Kennzahlen, die ein Unternehmen nun offenlegen muss, nicht im Detail auf. CO2-Ziele sind das einzige spezifische Thema, das erwähnt wird. Die anderen Bereiche werden allgemeiner als Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Einhaltung der Menschenrechte und Korruptionsbekämpfung bezeichnet. Letztlich wird Ihr Unternehmen fünf Dinge beschreiben müssen:

  • wie sich das Geschäftsmodell auf die behandelten Angelegenheiten auswirkt;
  • welcher Managementansatz vorhanden ist und welche Art von Due Diligence durchgeführt wurde;
  • wie die Umsetzung aussieht (Ihr Massnahmenplan) und wie sie überwacht wird;
  • Hauptrisiken: nicht nur Nennung, sondern auch Beschreibung der einzelnen Risiken;
  • Prozess zur Auswahl der relevanten Leistungskennzahlen.

Dazu gehört natürlich mehr, als lediglich eine Story zu schreiben. Sie brauchen einen Plan und eine strukturierte Vorgehensweise. Wir bei PwC haben einen modellhaften Managementprozess entwickelt, der unsere Kunden hierbei unterstützt. Dieser besteht aus vier Schritten: Bewertung, Konzeption, Umsetzung, Betrieb und Überprüfung.

Bewertung

  • Definieren Ihrer Ziele (Gesetze einhalten oder darüber hinausgehen?)
  • Einbindung der Stakeholder (wer ist unser wichtigster Stakeholder und wie können wir seine Meinung in Erfahrung bringen?)
  • Identifizieren wesentlicher Themen (was ist der Umfang der Bewertung, und wie identifizieren wir relevante Risiken und Chancen?)

Konzeption

  • Wahl des Berichtsstandards (führen wir einen Standard ein und wenn ja, welcher ist am besten geeignet?)
  • Definieren des Berichtsinhalts (konzentrieren wir uns auf alle Themen und wie wenden wir den «Comply or Explain»-Ansatz an?)
  • Aktualisieren der Richtlinien (was sollen die Richtlinien regeln; müssen wir neue Richtlinien für alle wesentlichen Themen entwerfen?)

Umsetzung; Betrieb und Überprüfung

  • Massnahmen und Leistungskennzahlen (KPIs) definieren (brauchen wir Metriken für alle Themen, und können wir qualitative KPIs anwenden?)
  • Entwickeln eines Dashboards (wie binden wir das Top-Management ein und wie oft sollten wir die Informationen intern auswerten?)
  • Übertragen von Verantwortung für Qualität und Zugänglichkeit (wie stellen wir die Qualität und die rechtzeitige Berichterstattung sicher, welche Tools müssen wir implementieren und wer zeichnet ab?)

Wie Sie sehen, bietet Ihnen dieses Rahmenwerk viel Flexibilität und Raum, um zu entscheiden, wie Sie Ihre Berichterstattung gestalten wollen. Es kann auch problemlos die Berichterstattung als Reaktion auf andere regulatorische Entwicklungen neben der Konzernverantwortungsinitiative berücksichtigen.

Fazit: Nehmen Sie sich Zeit, um Ihr ESG-Profil zu schärfen

Unternehmen haben die Wahl, wie sie die Herausforderungen angehen, auf welche die Schweizer Konzernverantwortungsinitiative reagieren wollte und die nun in verschiedene andere ESG-bezogene Initiativen eingebettet werden: als eine reine Compliance-Übung oder als Chance, eine klare Strategie und einen Massnahmenplan auszuarbeiten, um wirtschaftliche Transformationen in die richtigen Bahnen zu lenken. Der letztere Weg wird bei den Stakeholdern Vertrauen schaffen und Unternehmen die Möglichkeit eröffnen, sich zu profilieren. Er verspricht reiche Belohnungen – erfordert jedoch Zeit und Investitionen. Wenn Sie es in Ihrer Berichterstattung 2021 in die Liga der Best-in-Class schaffen wollen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, damit zu beginnen.

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Stephan Hirschi

Stephan Hirschi

Director, Sustainability Leader, PwC Switzerland

Tel.: +41 58 792 27 89

Dr. Erol Baruh

Dr. Erol Baruh

Regulatory, Compliance & Sustainability Services, PwC Switzerland

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