Cyber zu wenig strategisch verankert: 35 % der Schweizer Unternehmen behandeln das Thema regelmässig im Verwaltungsrat; 20 % bewerten Cyberrisiken routinemässig bei Geschäftsentscheiden.
Nur 11 % der Schweizer Unternehmen würden KI-Agenten in der Cyberabwehr volle Autonomie gewähren – weltweit sind es 22 %.
48 % betrachten regulatorische oder Compliance-Vorgaben als Hindernis für mehr KI-Autonomie.
Zürich, 28. Oktober 2026 – Künstliche Intelligenz prägt die Cybersicherheit zunehmend in einer Doppelrolle: Sie hilft Unternehmen, Bedrohungen früher zu erkennen und schneller abzuwehren, schafft aber zugleich neue Risiken. Entsprechend planen weltweit 84 % der Unternehmen, ihre Cyberausgaben im Jahr 2027 zu erhöhen. KI zählt dabei zu den wichtigsten Investitionsfeldern. Dennoch ist Cyber in vielen Schweizer Unternehmen noch nicht ausreichend als Geschäftsrisiko verankert. Das zeigt die «2027 Global Digital Trust Insights»-Studie von PwC Schweiz.
KI wird zur Verteidigerin – und zum neuen Angriffsziel
Weltweit steht KI mit 58 % an erster Stelle der geplanten Cyberinvestitionen. Unternehmen wollen die Technologie nutzen, um Cybergefahren schneller zu erkennen, Abwehrmassnahmen zu automatisieren und Sicherheitsteams zu entlasten.
Gleichzeitig müssen sich Unternehmen zunehmend vor neuen KI-basierten Angriffsmethoden und Cyberattacken auf ihre eigenen Systeme schützen. In der Schweiz berücksichtigt fast die Hälfte (46 %) der befragten Unternehmen diesen Aspekt bei ihren Investitionsentscheiden. Für 59 % sind zudem Datenschutz und Vertrauen massgebend für die Höhe und Ausrichtung ihrer Cyberausgaben.
Beim Einsatz autonomer KI in der Cyberabwehr sind Schweizer Unternehmen allerdings zurückhaltend. Nur 11 % würden KI-Agenten vollkommen selbstständig handeln lassen; weltweit sind es 22 %. Der Grund: als wichtigste Vorbehalte nennen 59 % Zweifel an der Zuverlässigkeit und am Reifegrad der Technologie. 48 % verweisen auf regulatorische oder Compliance-Vorgaben – gegenüber 36 % im globalen Vergleich.
«Der nächste Schritt in der KI-gestützten Cyberabwehr ist nicht einfach mehr Autonomie, sondern vertrauenswürdige Autonomie. Organisationen müssen klar definieren, wo KI selbstständig handeln darf, wo menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar bleibt und welche Kontrollen vorhanden sein müssen, bevor diese Grenze sicher verschoben werden kann», sagt Johannes Dohren, Partner und Leader Cybersecurity, Resilience & Defence, PwC Schweiz.
Geopolitik verschärft die Risikolage
Neben der KI verschärfen geopolitische Spannungen sowie komplexere Technologie- und Lieferketten die Risikolage. 91 % der Befragten in der Schweiz passen ihre Cyberstrategie deshalb in mindestens einem Bereich an. Jeweils 44 % verstärken das Risikomanagement entlang der Lieferkette, bauen ihre Bedrohungsanalysen aus oder überprüfen die Widerstandsfähigkeit und geografische Verteilung kritischer Infrastrukturen.
Diese Entwicklungen machen deutlich: eine zusätzliche Technologie allein genügt nicht. Unternehmen müssen Cyber als geschäftskritisches Risiko steuern und Sicherheitsfragen konsequent in strategische und operative Entscheide einbeziehen.
Cyber erreicht die Führungsetage, aber noch nicht den Geschäftsalltag
In der Unternehmenssteuerung besteht jedoch weiterhin Nachholbedarf. Nur 35 % der befragten Schweizer Organisationen behandeln Cybersicherheit regelmässig im Verwaltungsrat, weltweit sind es 47 %. Noch seltener fliesst das Thema in konkrete Geschäftsentscheide ein: Lediglich 20 % der befragten Unternehmen führen routinemässig eine Cyberrisikobewertung durch, weltweit sind es 34 %.
«Damit Cyberinvestitionen ihre volle Wirkung entfalten, sollten Unternehmen Cyberrisiken wie andere zentrale Geschäftsrisiken behandeln und den Erfolg ihrer Massnahmen anhand messbarer Ergebnisse überprüfen», so Johannes Dohren.
Über die Studie
Die «2027 Global Digital Trust Insights»-Studie von PwC basiert auf einer Umfrage unter rund 3’900 Führungskräften aus Wirtschaft und Technologie in 71 Ländern. In der Schweiz wurden 54 Unternehmen befragt. Die Erhebung wurde zwischen dem 6. Mai und dem 15. Juli 2026 durchgeführt.
Über uns
PwC Schweiz ist das führende Prüfungs- und Beratungsunternehmen in der Schweiz. Bei PwC unterstützen wir unsere Kunden dabei, Vertrauen aufzubauen und sich neu zu erfinden, um aus komplexen Sachverhalten heraus Wettbewerbsvorteile zu schaffen. Wir sind ein technologieorientiertes Netzwerk mit mehr als 370'000 Mitarbeitenden in 136 Ländern. In den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Assurance, Steuerberatung und Recht sowie Deals und Beratung helfen wir unserer Kundschaft, nachhaltig Dynamik zu entwickeln. PwC Schweiz hat rund 3’613 Mitarbeitende und Partner:innen an 13 verschiedenen Standorten in der Schweiz sowie einem im Fürstentum Liechtenstein. Erfahren Sie mehr unter www.pwc.ch. «PwC» bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere seiner Mitgliedsfirmen, von denen jede ein eigenständiges Rechtssubjekt ist. Nähere Angaben dazu finden Sie unter www.pwc.com/structure.
Emina Custo