Family Office gründen (Teil 1): 3 Fragen zum Auftakt

Alexander Koeberle-Schmid Family Governance Consulting | Inhaberstrategieberater, PwC Switzerland 26 Nov 2019

Familienunternehmer wissen, wie man aus einer einfachen Idee ein grosses Unternehmen aufbaut. So mancher Unternehmensnachfolger gestaltet das Bestehende noch erfolgreicher. Und schliesslich vollzieht die Familie den Verkauf oder hat ein beträchtliches Vermögen neben dem Unternehmen erwirtschaftet. Damit steht die nächste grosse Aufgabe an: die Gründung eines Family Offices. Doch bevor die Inhaberfamilie diesen Meilenstein passiert, sollte sie drei Schlüsselfragen beantworten. 
Ein Unternehmen wie kein anderes

Ein Family Office erfolgreich zu gründen ist etwas anderes, als ein wachsendes Unternehmen zu etablieren. Darum sind Inhaberfamilien gut beraten, vorab ihre Optionen auszulegen und durchzuspielen. Nur so heben sie ein Family Office aus der Taufe, das exakt zu ihren Bedürfnissen passt. Dazu muss die Familie eine spezifische Strategie und Struktur entwickeln. Denn wie beim Familienunternehmen gilt auch hier: Das Erfolgsmodell gibt es nicht. Statt etwas anderes zu kopieren, muss man verstehen, was die eigene Inhaberfamilie braucht.

Zusammen oder nicht?

Schon der Blick auf die Definition eines Family Offices macht dessen Komplexität deutlich. Ein Family Office ist:

  • eine eigenständige organisatorische Einheit,
  • die einer oder mehreren Familien beziehungsweise Individualpersonen dient, 
  • das komplexe Vermögen zur Generierung von Wertschöpfungsvorteilen betreut und 
  • frei von jeglichen, insbesondere provisionsgetriebenen Interessenkonflikten handelt.

Als Erstes steht die Entscheidung an, ob die Familie ein Family Office gemeinsam gründen will oder ob manche oder sogar alle lieber getrennte Wege gehen. Dahinter steht die Entscheidung, gemeinsam zu investieren oder eben nicht. Der solidarische Weg bedeutet, dass die Verteilung des Vermögens abgestimmt wird, gemeinsame Ziele definiert und Kosten fair verteilt werden. Zudem müssen alle davon überzeugt sein, dass sich dieser Aufwand lohnt. Um hier Klarheit zu erlangen, hilft der Fakten-Check mit drei Schlüsselfragen:

Erstens: Ab welchem Vermögen lohnt sich ein Family Office?

Ein Family Office sollte von einem qualifizierten Experten in Kapitalmarktfragen mit Führungserfahrung geführt werden. Denn auch bei einer kleinen Struktur können schnell einmal 470’000 Franken Kosten anfallen. Das Family Office besteht aus einem Family Officer, einem weiteren Experten und einer Sekretariatskraft. Bei einer laut diversen Studien durchschnittlichen Kostenbelastung von 0.6% ist eine Vermögensgrösse von etwa 80 Mio. Franken angebracht. Ist das Vermögen grösser, kann sich die Familie eine grössere Family-Office-Struktur leisten. 

Bei Vermögen unter 80 Mio. Franken bietet sich der Anschluss an ein Multi Family Office an. Auch darüber lassen sich Vermögen möglichst interessenkonfliktfrei anlegen und Kostenvorteile nutzen. Kann die Inhaberfamilie auf Ressourcen des eigenen Unternehmens zurückgreifen (z. B. Sekretariat, Räumlichkeiten, IT usw.), fallen die Kosten möglicherweise geringer aus. Diese Tatsache spricht wiederum für die Gründung eines Single Family Offices.

Zweitens: Welche Art Family Office gründen wir?

Eine Einzelperson, Einzelfamilie oder Grossfamilie kann ihr eigenes Single Family Office gründen. Die Inhaberfamilie hat die Wahl zwischen den folgenden Formen, die individuell auszugestalten sind:

  • Abteilung eines Familienunternehmens (embedded Single Family Office): Das Vermögen liegt unter dem Dach der Familienholding. Mitarbeiter in CFO-Funktion kümmern sich auch um das Familienvermögen.
  • Virtuelles Family Office ohne Struktureinbindung: Die Familienmitglieder halten die Vermögenstitel, die das Family Office betreut, direkt. In dieser Form ist der Family Officer oft im Unternehmen angestellt.
  • Separates Unternehmen (unabhängiges Single Family Office): Komplett unabhängig vom Unternehmen wird eine eigene Firma gegründet. Diese hält und steuert die Vermögenstitel. Allenfalls werden darunter oder daneben weitere Investmentstrukturen aufgebaut. 
  • Unternehmen ohne Familienunternehmen: Das Familienunternehmen wurde verkauft. Die ehemaligen Familiengesellschafter entscheiden sich, den Verkaufserlös gemeinsam anzulegen. 

In der Praxis findet man weitere Formen von Family Offices. Bei der Entwicklung einer passenden Struktur für das Familienvermögen, das vom Family Office betreut wird, sollte die Inhaberfamilie die nachfolgenden Kriterien einbeziehen:

  • Steuerlich optimiert
  • Gute Steuerbarkeit
  • Rechtliche Umsetzbarkeit
  • Einfache Vererbbarkeit
Drittens: Wer bezahlt die Rechnungen und wer ist Kunde?

Wem das Family Office gehört, ist zentral. Denn die Inhaber treffen schliesslich die wesentlichen Entscheidungen, etwa über Strategie und Struktur oder über die Wahl des Family Officers. Viel relevanter ist es jedoch zu definieren, wer Kunde des Family Offices sein darf. Das können die Gesellschafter des Family Offices, des Familienunternehmens oder alle Familienmitglieder sein. In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick auf den Umgang mit Kosten: 

  • Umlage nach festen Prozentsetzen in Abhängigkeit zur Beteiligung am Family Office
  • Umlage in Relation zum betreuten Vermögen in Abhängigkeit zu dessen Grösse und Komplexität
  • Umlage nach Aufwand und Zeit, durch das Abrufen einzelner Leistungen aus dem Family Office

Was nicht passieren darf: Die Cousine ärgert sich darüber, dass ihr Cousin mehr Leistungen vom Family Office abruft als sie selbst und dass sie die Kosten dafür mittragen muss. Eine pragmatische Kostenrechnung reduziert also das Konfliktpotenzial.

Mehr zum Thema Family Office und den Anmeldelink zur Podcast- und Videoreihe finden Sie hier

Fortsetzung folgt

Welche Leistungen soll das Family Office erbringen? Diese Frage stellt sich bei der Ausgestaltung eines Family Offices als eigenes Unternehmen. Mehr dazu erfahren Sie in Teil 2 unserer Insight-Serie. 

 

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Jürg Niederbacher

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Alexander Koeberle-Schmid

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