Von Förderbeiträgen zu Wirkung

Philanthropisches Kapital langfristig wirksam strukturieren

Final regulations
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  • 20/05/26

Eine praxisnahe Perspektive darauf, wie Finanzierungsmechanismen Risiko, Kontrolle und Ergebnisse prägen

Einleitung

Philanthropie spielt eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung sozialer und ökologischer Initiativen, insbesondere dort, wo öffentliche Mittel oder marktbasierte Lösungen nicht ausreichen. Mit dem Wachstum zweckgebundener privater Mittel und sich wandelnden generationenspezifischen Prioritäten rückt zunehmend in den Fokus, wie philanthropisches Kapital strukturiert, gesteuert und eingesetzt wird.

Die Wirksamkeit von Philanthropie bemisst sich nicht allein an der guten Absicht. Entscheidend ist vielmehr, wie Kapital organisiert und über die Zeit eingesetzt wird. Die gewählte Struktur beeinflusst nicht nur die Verteilung der Mittel, sondern auch Entscheidungsprozesse, das Risikomanagement und die nachhaltige Sicherung von Wirkung.

Dieser Artikel bietet einen Überblick über die wichtigsten Vehikel und Instrumente der privaten Philanthropie. Zunächst werden eigenständige Stiftungen sowie Unterstiftungen innerhalb von Dachstiftungen als Strukturen zur Aufnahme und Steuerung philanthropischen Kapitals betrachtet. Anschliessend werden Förderbeiträge (Grants), Spenden sowie Impact Investments als Instrumente zur Kapitalallokation näher beleuchtet.

In der Praxis sind diese Entscheidungen eng miteinander verknüpft. Philanthropisches Kapital kann innerhalb einer Stiftung oder Unterstiftung gehalten und anschliessend über Förderbeiträge, Spenden oder zunehmend über Impact Investments eingesetzt werden. Ein Verständnis der jeweiligen Rolle sowie der damit verbundenen Abwägungen unterstützt Familien und Stiftungen dabei, ihre Strukturen auf ihre Ziele, ihren Zeithorizont und das gewünschte Mass an Kontrolle auszurichten.

Stiftungen als philanthropische Vehikel

In der Schweiz sind Stiftungen ein häufig genutztes institutionelles Vehikel zur Strukturierung privaten philanthropischen Kapitals. Es handelt sich um juristische Personen, die zur Verfolgung eines definierten gemeinnützigen Zwecks errichtet werden, von einem Stiftungsrat geführt und von einer Aufsichtsbehörde überwacht werden. Diese Struktur trennt die Kontrolle über Vermögenswerte vom privaten Eigentum und verankert philanthropische Aktivitäten in einem institutionellen Rahmen.

Viele Stiftungen verfügen über eine Kapitalbasis, die investiert wird, um ihre Mission langfristig zu unterstützen. In solchen Fällen spricht man von einer ausgestatteten Stiftung. Das Stiftungskapital ist keine eigenständige Einheit, sondern bildet die finanzielle Grundlage der Stiftung. In der Regel werden nur die Anlageerträge oder ein definierter Ausschüttungsanteil zur Finanzierung der Aktivitäten verwendet, was der Stiftung eine langfristige Perspektive ermöglicht. Dieses Modell führt zu einer inhärenten Spannung zwischen:

  • dem Erhalt des Kapitals für zukünftige Zwecke
  • dem Einsatz von Mitteln zur Generierung von Wirkung im Hier und Heute

Entscheidungen über die Ausschüttungsquote, die Anlagestrategie und die Ausgaben haben direkten Einfluss auf Zeitpunkt, Umfang und Nachhaltigkeit der erzielten Wirkung. In der Schweiz sind die Stiftungsmittel rechtlich an den festgelegten Stiftungszweck gebunden und können nicht in private Verfügung zurückgeführt werden, was die langfristige Ausrichtung der Struktur zusätzlich stärkt.

Da Stiftungen über eine eigene Rechtspersönlichkeit sowie über eigene Governance- und Entscheidungsstrukturen verfügen, bieten sie ein hohes Mass an strategischer Steuerungsmöglichkeit. Sie können ihre Ziele, Finanzierungsansätze und Aufsichtsmechanismen im Zeitverlauf definieren und anpassen, wodurch sie besonders geeignet sind für langfristige Zielsetzungen oder umfassendere Strategien systemischer Transformation.

Unterstiftungen innerhalb von Dachstiftungen

Unterstiftungen innerhalb von Dachstiftungen bieten eine alternative Möglichkeit, sich in strukturierter Philanthropie zu engagieren, ohne eine eigenständige juristische Einheit zu errichten. In diesem Modell wird das philanthropische Kapital innerhalb einer Dachstiftung gehalten, die weiterhin die rechtliche Eigentümerschaft und die treuhänderische Verantwortung trägt.

Spenderinnen und Spender nehmen in der Regel eine beratende Rolle ein, indem sie Förderungen oder Projekte – häufig über einen Beirat – empfehlen. Die Dachstiftung übernimmt die Governance, die Einhaltung regulatorischer Anforderungen, die Due-Diligence-Prüfungen sowie die Aufsicht und stellt sicher, dass alle Aktivitäten mit ihrem gemeinnützigen Zweck und ihren rechtlichen Verpflichtungen im Einklang stehen.

Ein zentrales Merkmal von Unterstiftungen sind die institutionalisierte Administration und Aufsicht. Eignungsprüfungen, die Auswahl und Prüfung von Begünstigten sowie das Monitoring erfolgen zentral durch die Dachstiftung. Dadurch werden Governance-, Compliance- und administrative Aufgaben weitgehend auf institutioneller Ebene wahrgenommen und nicht von einzelnen Spenderinnen und Spendern.

Dieser Ansatz kann effizient und praktikabel sein, insbesondere für Personen, die eine strukturierte philanthropische Herangehensweise verfolgen möchten, ohne die Komplexität einer eigenen Stiftung zu schaffen und zu verwalten. Zudem ermöglicht er den Zugang zu etablierten Governance-Prozessen, administrativer Unterstützung und einer bestehenden philanthropischen Infrastruktur.

In der Praxis werden Unterstiftungen häufig als Einstieg in die strukturierte Philanthropie genutzt, als Übergangslösung vor der Errichtung einer eigenständigen Stiftung oder als ergänzendes Vehikel innerhalb einer umfassenderen philanthropischen Struktur.

Mit dieser Lösung sind jedoch auch bestimmte strukturelle Abwägungen verbunden:

  • Geringerer direkter Einfluss auf das zukünftige Betriebsmodell und die strategische Weiterentwicklung des philanthropischen Vehikels
  • Eingeschränkte Möglichkeit, massgeschneiderte Strategien ausserhalb des Governance-Rahmens der Dachstiftung zu entwickeln
  • Abhängigkeit von bestehenden Governance-, Due-Diligence- und Lernprozessen der Dachstiftung, mit begrenzten Möglichkeiten, diese direkt zu gestalten oder anzupassen

Mit zunehmenden philanthropischen Ambitionen hängt die Effektivität einer Unterstiftung massgeblich von der Qualität der zugrunde liegenden Institution ab.

Förderbeiträge und Spenden: von flexiblem Geben hin zu strukturierter Finanzierung

Förderbeiträge und Spenden sind beides nicht rückzahlbare Transfers von Mitteln an gemeinnützige Organisationen, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihres Formalisierungsgrades und ihrer Governance.

Spenden sind in der Regel weniger formale Beiträge, die häufig von Privatpersonen geleistet werden und nur wenigen Bedingungen unterliegen. Sie zeichnen sich durch Flexibilität und geringere administrative Anforderungen aus und werden oft mit frühen oder weniger strukturierten Phasen philanthropischen Engagements in Verbindung gebracht.

Förderbeiträge stellen das zentrale Instrument strukturierter Philanthropie dar. Es handelt sich um zweckgebundene Kapitalallokationen an Organisationen, Programme oder Interventionen, die üblicherweise durch Antragsverfahren, Vereinbarungen und Berichtspflichten geregelt sind.

Durch Förderbeiträge können Mittelgeber ihre Ressourcen gezielt einsetzen, Risiken bereits in der Allokationsphase steuern und Aktivitäten unterstützen, die von Märkten oder der öffentlichen Hand nicht ausreichend finanziert werden.

In der Praxis lässt sich die Abgrenzung wie folgt zusammenfassen:

  • Spenden: weniger formal, flexibel, mit geringem Strukturierungsgrad
  • Förderbeiträge: strukturiert, zweckgebunden, durch Prozesse und Vereinbarungen geregelt

Sobald Fördermittel an Drittorganisationen übertragen wurden, bleibt der Einfluss der Mittelgeber auf die Umsetzung begrenzt. Risiken im Zusammenhang mit Implementierung, treuhänderischer Verantwortung, Reputation und Leistung werden in der Regel durch Due-Diligence-Prüfungen, vertragliche Regelungen, Monitoring-Systeme sowie vereinbarte Leistungsrahmen gesteuert.

Eine wiederkehrende Fragestellung betrifft das Gleichgewicht zwischen zweckgebundener und nicht zweckgebundener Finanzierung. Zweckgebundene Förderbeiträge schaffen Klarheit hinsichtlich ihrer Verwendung. Nicht zweckgebundene Mittel hingegen geben den Empfängerorganisationen mehr Spielraum, in ihre Kernkapazitäten, ihre Resilienz und ihre Anpassungsfähigkeit zu investieren.

Für Familien und Stiftungen stellt sich nicht die Frage, ob Förderbeiträge eingesetzt werden sollten, sondern wie diese über die Zeit strukturiert werden – und wie dabei Dauer, Flexibilität, Steuerung und Leistungserwartungen im Einklang mit den eigenen Zielen ausbalanciert werden können.

Impact Investments als ergänzende Instrumente

Impact Investments sind Investitionen, die mit der Absicht getätigt werden, neben einer finanziellen Rendite auch messbare soziale oder ökologische Wirkungen zu erzielen. Sie bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Förderbeiträgen, bei denen keine Rückzahlung erwartet wird, und klassischen Investitionen, bei denen Wirkung kein explizites Ziel darstellt.

Stiftungen setzen Impact Investments in der Regel entweder im Rahmen ihres investierten Vermögens oder über spezifische Allokationen ergänzend zur Fördervergabe ein. In diesem Sinne kann Impact Investing Teil einer umfassenderen Wirkungsstrategie sein, anstatt als eigenständige Aktivität betrachtet zu werden.

Die Wirkungsziele werden im Vorfeld definiert und in die Investitionsentscheidungen integriert; die Erwartungen an die finanzielle Rendite reichen dabei von unter Marktniveau bis hin zu marktüblichen Renditen.

Impact Investing bringt zusätzliche Komplexität mit sich. Wirkungen sind oft schwer messbar und eindeutig zuzuordnen, und die Investitionen bergen finanzielle, operative sowie wirkungsbezogene Risiken. Ein wirkungsvoller Einsatz erfordert daher eine konsequente Steuerung von Anlagerisiken, eine klare Ausrichtung an der Mission sowie eine fundierte Wirkungsmessung – gestützt durch klare Kriterien, geeignete Governance-Strukturen und kontinuierliches Monitoring.

In der Praxis ergänzen Impact Investments die Fördervergabe, ersetzen sie jedoch nicht. Vereinfacht dargestellt:

  • Förderbeiträge werden typischerweise eingesetzt, wenn Aktivitäten nicht rückzahlbares, risikotolerantes Kapital erfordern und Ergebnisse nicht verlässlich allein über rückzahlbare Finanzierungsformen erzielt werden können.
  • Impact Investments kommen infrage, wenn tragfähige Geschäftsmodelle bestehen und Kapital auf rückzahlbarer Basis eingesetzt werden kann, ohne die angestrebten sozialen oder ökologischen Ziele zu beeinträchtigen.

Die Bewältigung komplexer Herausforderungen erfordert in der Regel eine Kombination verschiedener Instrumente, anstatt sich ausschliesslich auf ein einzelnes Instrument zu stützen.

Vehikel und Instrumente in der Praxis kombinieren

Mit der Weiterentwicklung philanthropischer Ambitionen kombinieren viele Familien und Stiftungen mehrere Instrumente innerhalb eines einzelnen Vehikels oder über verschiedene Strukturen hinweg. Dadurch können sie den Einsatz ihres Kapitals gezielt an unterschiedliche Phasen, Risikoprofile und Zielsetzungen anpassen.

Anstatt danach zu fragen, welches Instrument „das beste“ ist, konzentriert sich ein wirksamer Ansatz darauf, Struktur und Einsatz des Kapitals mit dem verfolgten Zweck in Einklang zu bringen. Die Art und Weise, wie Kapital gesteuert wird – wer entscheidet, über welchen Zeithorizont und mit welcher Rechenschaftspflicht – prägt die erzielten Ergebnisse ebenso stark wie die Wahl des Förderzwecks.

Zentrale Fragen für Familien und Stiftungen

Bei der Strukturierung philanthropischen Kapitals können sich Familien und Stiftungen an folgenden Leitfragen orientieren:

  • Welche Ergebnisse möchten wir erzielen – und über welchen Zeithorizont?
  • Wo benötigen wir Flexibilität, und wo ist Steuerung bzw. Kontrolle erforderlich?
  • Welches Mass an finanziellem, operationalem und wirkungsbezogenem Risiko ist angemessen?
  • Welche Daten, Leistungsindikatoren oder Lernprozesse sollen zukünftige Entscheidungen unterstützen?
  • Wie werden Entscheidungen getroffen, und wie wird – gegebenenfalls auch generationenübergreifend – Rechenschaft sichergestellt?

Ansätze, die ihren Zweck, ihre Struktur und ihre Entscheidungsprozesse klar definieren, erweisen sich in der Regel als konsistenter und langfristig robuster.

Letztlich entfaltet philanthropisches Kapital seine grösste Wirkung, wenn seine Struktur den verfolgten Zweck unterstützt. Förderbeiträge, Unterstiftungen, eigenständige Stiftungen und Impact Investments sind keine konkurrierenden Optionen, sondern unterschiedliche Instrumente. Die Herausforderung besteht darin, sie bewusst einzusetzen – mit einem klaren Verständnis für das jeweilige Mass an Kontrolle, Flexibilität, Risiko und den Zeithorizont.

Für Familien und Stiftungen sind diese Entscheidungen selten rein technischer Natur. Sie bestimmen, wie philanthropische Absichten in konkrete Massnahmen übersetzt werden, wie Entscheidungen gesteuert und weiterentwickelt werden und wie Kapital einen substanziellen Beitrag zu nachhaltiger Wirkung leisten kann.

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Diego Estrada

Senior Manager, Private Philanthropy & Foundations, PwC Switzerland

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