Sustainable Finance – Von der Nische zum Mainstream unter erschwerten Rahmenbedingungen

Svenja Hüsing Manager Advisory, PwC Switzerland 22 Jun 2020

Die Nachfrage nach nachhaltigen Anlageprodukten steigt stetig, und das Marktvolumen von Sustainable Investments in der Schweiz verzeichnet jährlich neue Rekorde. Gleichzeitig steigen aber auch die regulatorischen Anforderungen und Erwartungen der Anleger an die Finanzinstitute, für die es immer schwieriger wird, den Überblick über aufsichtsrechtliche Entwicklungen zu behalten und allen Ansprüchen ihrer Kundengruppen gerecht zu werden. Und nicht zuletzt sind Verfügbarkeit und Vergleichbarkeit der ESG-Daten teilweise verbesserungsbedürftig.

Der Markt für Sustainable Investments ist im Jahre 2019 gemäss der neusten Studie von Swiss Sustainable Finance (SSF) um 62% auf über CHF 1,1 Milliarden gewachsen und bildet damit schon lange keine Marktnische mehr, sondern wird mehr und mehr zu einem zentralen Thema für private sowie institutionelle Anleger.

Der durch Covid-19 verursachte externe Schock wird diesen Nachfragetrend nicht bremsen. Vielmehr wird er ihm weiteren Aufwind verleihen, da die Auswirkungen der Pandemie nun deutlicher zeigen, dass wir eine nachhaltige Wirtschaftsordnung brauchen, wenn wir noch grössere Herausforderungen wie den Klimawandel bewältigen wollen. Unterstrichen wird auch die Bedeutung systemischer Risiken, allen voran der durch den Klimawandel verursachten Risiken physischer und transitorischer Natur, die bei der Vergabe von Krediten und dem internen Risikomanagement bisher nicht ausreichend systematisch berücksichtigt wurden.

Welche Herausforderungen ergeben sich?

Finanzakteure stehen nun also bei einer Vielzahl von Taxonomien, Datenbanken, Labels, Vorschriften, Prinzipien und Empfehlungen vor der Herausforderung, den Überblick über die regulatorischen Rahmenbedingungen zu behalten, den steigenden Kundenbedürfnissen entsprechende und transparente Anlageprodukte anbieten zu können sowie den je nach Anspruchsgruppe unterschiedlichen Bedürfnissen nach umfassender Berichterstattung gerecht zu werden. Gleichzeitig dürfen Risikoüberlegungen nicht ausser Acht gelassen werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass ESG-Daten nicht immer einheitlich und teilweise nicht oder nur schwer zugänglich sind und es darüber hinaus keine einheitlichen Richtlinien zur Bewertung von Anlagen in Bezug auf Nachhaltigkeit gibt. So liegt die Korrelation der Ratings verschiedener Ratinganbieter im Durchschnitt bei nur 0,61 liegt (zum Vergleich: Die Ratings von Moody’s Investors Service und S&P Global Rating korrelieren mit 0,99).

Wie kann diesen Herausforderungen begegnet werden?

Das Problem der Intransparenz, Uneinheitlichkeit und zum Teil auch Nicht-Verfügbarkeit von ESG-Informationen lässt sich hauptsächlich auf politischer Ebene angehen. Auf EU-Ebene gibt es entsprechende Initiativen (z. B. der von der European Banking Federation am 10. Juni 2020 veröffentlichte Aufruf an die Europäische Union zur Einrichtung eines zentralen ESG-Datenregisters).

Den regulatorischen und den Anforderungen der verschiedenen Anspruchsgruppen zu begegnen, ist hingegen auf individueller Unternehmensbasis möglich und bedarf einer genauen Definition der Ziele und Ambitionen in Bezug auf Nachhaltigkeit sowie der Bereitstellung von Unterstützung für die einzelnen Mitarbeiter, damit diese erfolgreich durch dieses komplexe Thema navigieren und letztendlich Kundenbedürfnisse erfolgreich bedienen können.

Zusammenfassung

  • Nachhaltige Anlageprodukte sind schon lange kein Nischenprodukt mehr, sondern werden mehr und mehr zum neuen Standard
  • Es gibt immer mehr Richtlinien, Vorschriften, Labels und Ratings in Bezug auf Nachhaltigkeit, und die regulatorischen Anforderungen steigen
  • Private sowie institutionelle Investoren haben zunehmende Anforderungen in Bezug auf Transparenz und Berichterstattung für nachhaltige Produkte
  •  ESG-Daten sind nicht immer einheitlich und Nachhaltigkeitsratings unterscheiden sich teils deutlich bei verschiedenen Ratinganbietern
  • Es ist nötig, in den Unternehmen Bedingungen zu schaffen, die es dem einzelnen Mitarbeiter ermöglichen, durch dieses komplexe Thema erfolgreich zu navigieren

Wo kann ich weitere Informationen zum Thema finden?

 

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