Paradigm shift in financial market

Neue Möglichkeiten für den Schweizer Finanzsektor

Der EU-Aktionsplan «Finanzierung nachhaltigen Wachstums» wird den Schweizer Finanzmarkt grundlegend verändern und bietet der hiesigen Finanzbranche weitschichtige neue Geschäftsmöglichkeiten. Dies jedoch nur, wenn die Politik die Regeln zu Nachhaltigkeit im Finanzbereich anpasst und Unternehmen ihre Geschäfte grundlegend verändern, wie die heute veröffentlichte Studie von PwC Schweiz und WWF Schweiz aufzeigt.

Zürich, 19. März 2019 – Neue Vorgaben bewegen den europäischen Finanzsektor in den nächsten zwei Jahren mit erhöhtem Tempo in Richtung Nachhaltigkeit. Die Schweizer Finanzbranche ist dafür grundsätzlich gut positioniert und profitiert von grosser Expertise. Allerdings muss die Schweiz ihre Rahmenbedingungen so anpassen, dass der Schweizer Finanzsektor auch künftig Zugang zum europäischen Markt hat und mit den internationalen Entwicklungen Schritt halten kann. Die heute publizierte Studie nennt dafür folgende konkrete Empfehlungen:

  • Der Bundesrat beauftragt die Bundesverwaltung, einen Sustainable-Finance-Aktionsplan für die Schweiz auszuarbeiten. Dieser muss legislative Massnahmen und Anreize umfassen, damit die Schweiz in der Sustainable Finance wieder eine Führungsrolle einnehmen kann.
  • Der Bundesrat bildet eine Expertenkommission (Finanzindustrie, Think Tanks, Wissenschaft und Zivilgesellschaft). Diese reflektiert und definiert, wie sich die Schweiz den neuen legislativen Rahmenbedingungen des EU-Aktionsplans anpassen muss, verbreitert die Wissensgrundlage zu Sustainable Finance und kommentiert den Schweizer Sustainable-Finance-Aktionsplan des Bundesrats.
  • Jede Schweizer Bank, jede Versicherung und jeder Asset Manager sollte den Sustainable-Finance-Aktionsplan der EU auf Stufe der Geschäftsleitung prüfen und allfällige Massnahmen ergreifen.

«Bewegt sich die Schweiz so zügig in Richtung mehr Nachhaltigkeit, entstehen gewaltige Möglichkeiten für den Finanzmarkt und Wirtschaftsstandort Schweiz», erklärt Michael Taschner von PwC Schweiz. Die Studie zeigt aber auch: Ohne Vorgaben zu Transparenz und Nachhaltigkeit steht der Zugang von Schweizer Finanzunternehmen zum EU-Markt möglicherweise auf dem Spiel. Fallen diese Geschäfte mit Kunden in der EU weg, hätte dies massive Auswirkungen für Finanzinstitute wie Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter.

EU-Aktionsplan bringt Schweiz unter Zugzwang

Die EU wird den Aktionsplan «Finanzierung nachhaltigen Wachstums» während der nächsten zwei Jahre umsetzen und zwingt damit auch die Schweiz zum Handeln. Dieser Aktionsplan verändert praktisch alle Finanzmarktregularien, indem Nachhaltigkeitsfaktoren in das Risikomanagement, die Transparenzforderungen, die Kundenberatung etc. integriert werden. Nachhaltigkeitsfaktoren werden dabei zum neuen Standard und müssen von allen Finanzdienstleistern in deren internen Prozessen berücksichtigt werden.

Der Aktionsplan erhöht Transparenz, Messbarkeit, Vergleichbarkeit, Datenqualität und Datenverfügbarkeit. So schafft der Aktionsplan die Grundlage dafür, dass die Finanzflüsse wie im Pariser Klimaabkommen beschlossen umgelenkt werden. «Eine Neuorientierung und rasche Umsetzung der EU-Regeln ist auch im Schweizer Finanzsektor notwendig, damit die Schweiz nicht zu einer isolierten Insel für nicht-nachhaltige Finanzanlagen wird», sagt Ivo Mugglin von WWF Schweiz. Noch gibt es keine umfassende Diskussion darüber. Das bringt für die Finanzbranche eine grosse Unsicherheit und unkalkulierbare Risiken.

  • Die vier EU-Pakete zu Sustainable Finance
  • Einheitliches EU-Klassifikationssystem, um nachhaltige von nicht-nachhaltigen Finanzprodukten zu unterscheiden und besser fundierte Investitionsentscheidungen zu ermöglichen.
  • Investorenpflichten (oftmals «treuhänderische Pflichten« genannt) werden präzisiert. Vermögensverwalter und institutionelle Anleger müssen künftig nachweisen, inwieweit ihre Investitionen an Nachhaltigkeitszielen ausgerichtet sind, und offenlegen, in welcher Weise sie ihren Pflichten nachkommen.
  • Integration von Klimarisiken und -chancen in Referenzwerte (Benchmarks): einen für geringe CO2-Emissionen («Dekarbonisierungsvariante» von Standardindizes) sowie einen für positive CO2-Effekte.
  • Die Beratung von Privatkunden im Banken- und Versicherungsbereich muss in Zukunft Nachhaltigkeitsaspekte integrieren.

Kontakte

Stephan Hirschi

Director, Sustainability Leader, PwC Switzerland

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Dr. Antonios Koumbarakis

Head Strategic Regulatory & Sustainability Services, PwC Legal Switzerland, Zürich, PwC Switzerland

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Dr. Günther Dobrauz

Partner, PwC Switzerland Legal Services Leader, PwC Switzerland

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